Die Sprache der Seeleute


  1. E-Anlage = Kurzbezeichnung für die gesamte elektrische Anlage an Bord eines Schiffs. Organisatorisch gehört die E-Anlage zum Abschnitt Schiffselektrotechnik im Hauptabschnitt Schiffstechnik. (Marine)
  2. Ebbe = (regelmäßig wiederkehrendes) Sinken des Meeresspiegel, siehe Gezeiten
  3. Ebberinne, Ebbearm =  Wasserrinne im Tidegebiet, die besonders stark vom Ebbstrom durchflossen wird. Am unteren Ende der Ebberinne bildet sich in Regel eine Sandbarre.
  4. Ebbstrom = der Strom, der durch die Ebbe entsteht. In den Flußmündungen ist es auslaufender Strom, hinter den Inseln, in Nebenfahrwassern läuft der Ebbstrom indessen oftmals anders, als man zuerst annehmen möchte, auch sind hier seine Zeiten oftmals andere, als in den unmittelbar mit der See in Verbindung stehenden Gewässern.
  5. Echolot = Gerät zum Messen von Wassertiefen. Das Echolot mißt die Zeit zwischen dem Aussenden von elektr. Impulsen (Schallwellen) und der Rückkehr des Echos vom Meeresgrund und ermittelt hieraus die Wassertiefe.
  6. Ehe, Ee =  in Ostfriesland  wird ein kleiner Fluß, Bach oder Wasserlauf so bezeichnet. Auch Seebaljen oder Seegaten werden mit "Ehe"  bezeichnet, z.B. Accumer Ehe.
  7. Eider = Fluß in Schleswig-Holstein zur Nordsee mit den Häfen: Rendsburg, Breiholz, und Mündungshafen Tönning
  8. Eiland = Insel
  9. Eigengewässer = innerhalb der Staatslandgrenze liegende Meeresflächen. Sie gehören zum Hoheitsgebiet des Küstenstaates.
  10. Eigner = Eigentümer, Besitzer des Schiffes
  11. Einbaum  = aus einem Baumstamm hergestelltes Boot
  12. einbinden, einstecken = Segel verkleinern
  13. Eindeichung = Gewinnung von Neuland an der Küste durch Bedeichung von Außengrodenflächen oder auch Wattgebieten.
  14. eindocken = das Schiff ins Dock bringen zur Reparatur oder Reinigung des Unterbodens
  15. Eineinhalbmaster = Yachten, die zwei Masten haben, von denen der hintere wesentlich kleiner als der Hauptmast ist.
  16. einfahren = die Mannschaft mit dem Schiff vertraut machen
  17. einfallen = ein Tau steifholen, indem bei festgesetztem Ende mit dem ganzen Körpergewicht senkrecht zur Zugrichtung des Taus gezogen wird
  18. einhaken = einhängen
  19. Einhandboot = Segelboot, das nur von einer Person gesegelt wird zB. Finn-Dingi
  20. Einhandsegler = Wenn eine Person ein Schiff allein segelt, ob eine Yacht oder Jolle, bezeichnet man sie als Einhandsegler
  21. Einheitsklassen = z.B. Jachten: Hochseejachten (II KR), Seefahrtskreuzer (III), Schärenkreuzer (30), Jollenkreuzer (B); Flying Dutchmann (FD); Starboote:  Drachenboote (D) usw. werden in Klassen eingeteilt. Die fett gedruckten Buchstaben und Zahlen sind die Segelzeichen der einzelnen Klassen, die Walboote führen ein Walsignum, die Starboote einen Stern. Bei den Einheitsklassen sind Konstruktionen und Maße bindend vorgeschrieben,
  22. einholen = binnenbordsholen eines Gegenstandes, zb. eine Leine; Fischfangnetze
  23. einklarieren = Zoll- und Behördenformalitäten beim Einlaufen in einen Hafen
  24. einlaufen = von See aus mit einem Schiff in den Hafen fahren
  25. einmotten = ein Schiff still legen
  26. einpicken = einhaken; "Eingepickt und bemust " ist ein alter Ausruf zur Bestätigung, daß eine Bootstalje eingehakt, gesichert und klar zum Heißen ist.
  27. einschiffen = aufs Schiff bringen, Passagiere, die eine Schiffsreise antreten, Waren aufs Schiff verladen
  28. Einschleicher = Blinder Passagier, ohne Erlaubnis der Schiffsführung zwecks Mitnahme heimlich an Bord gelangte Person
  29. einschleusen = ein Schiff, Boot durch eine Schleuse hereinfahren
  30. einschwenken = einen neuen Kurs einschlagen
  31. Eintonner = Größte Yacht der Tonner-Yachten. Ein Eintonner hat etwa 11,2 m Länge, 3,10m Breite und über 50 m² Segelfläche
  32. eintörnen = 1. Tauwerk oder Ketten verdrehen; 2. Eindrehen eines vor Anker gegangenen Schiffs auf die Richtung des Windes oder Stromes mit der dabei auftretenden ersten Belastung der Ankerkette.
  33. Eintypklasse = Eine nur von einer Werft ( oder in Lizenz) gebaute Bootsklasse, die vom Deutschen-Segler-Verband anerkannt sein muß
  34. Eis = Wasser in festen Aggregatzustand. Salzwassereis ist brüchig und erreicht nicht die Härte von Süßwassereis. Bei einem Salzgehalt von 33 °/oo (Nordseewasser) gefriert das Wasser erst bei etwa -1,8 ° C. Im Seewasser beginnt die Eisbildung an unserer Nordseeküste in der Regel auf dem Watt, das im Verlauf der Tidebewegung täglich für mehrere Stunden trocken fällt und in dieser Zeit durch die umnmittelbare Berührung des Bodens mit der kalten Luft abkühlt.Für die Beschreibung der an der Küste herrschenden Eisverhältnisse verwendet die Gewässerkunde allgemein nachstehende Schlüsselzahlen und Bezeichnungen:
    Schlüsselzahl Eiszustand Erläuterung
    1
    loser Eisbrei loser Eisbrei wird durch Schnee oder kleine Eisteilchen erzeugt, ist beim Wellengang beweglich und zeigt weißlich graue Farbe.
    2
    Festeis bis 15 cm dicke geschlossene Eisdecke aus zusammengefrorenem Eisbrei, meist in Buchten und dgl.
    3
    Treibeis oder Eistreiben einzelne oder in Feldern zusammengeschlossene Eisschollen, bis 15 cm starke Bruchstücke von Festeis (2).
    4
    zusammengeschobener Eisbrei oder dichte Treibeisstreifen infolge Wind und Wellen entstandene dichte Decke von Eisbrei oder Treibeis (3).
    5
    offene Seerinne längs der Küste offene Wasserstreifen, die infolge Abtreibens des Eises vom Ufer durch ablandige Winde oder Strömungen entstanden sind.
    6
    starkes Festeis Festeis (2) von mehr als 15 cm Stärke.
    7
    starkes Treibeis Treibeis (3) von mehr als 15 cm Stärke der Schollen.
    8
    Packeis zusammen- oder übereinandergeschobene Eisschollen mit unebener Oberfläche. Verstärkte Form von (4) von zerbrochenem Festeis (2 und 6) oder von Treibeis (3 und 7) herrührend.
    9
    Eispressung verstärkte Abart von Packeis (8), wenn Eisfelder durch Wind oder Strömung auf einen Widerstand, wie andere Eismassen, Ufer, Inseln, Buhnen, Dämme, verankerte Schiffe oder dgl., vor allem bei auflandigen Winden, treffen.
  35. Eisbär = Betreuer der Kühlanlagen
  36. Eisberg = große, im Meer schwimmende Eismasse (Gletscherblöcke) , die durch Abbrechen von einem Gletscher stammen
  37. Eisbrecher = Schiff mit starker Antriebsmaschine und schweren Bug zum Aufbrechen vereister Fahrrinnen
  38. Eisgang = das Zerbrechen und Abschwimmen der Eisdecke  (bei Fließgewässer)
  39. Eisgürtel = heißt die Verstärkung, die Schiffe an der Außenhaut und im Spantensystem haben, wenn sie vorwiegend in Seegebieten fahren, wo mit Eis zu rechnen ist
  40. Eiskarten = geben Auskunft über die Eissituation, Eisschollen, Eisberge, zugefrorene Seegebiete
  41. Eismeer = Polarmeer
  42. Eisnebel = Nebel aus feinen Eisteilchen; über offenen Stellen des Polarmeeres
  43. Eispressung = durch Strömung und Wind auf ein Ufer, einen Deich oder ein anderes Hindernis geschobene und hochgepreßte Eisschollen. Hierbei können sich die übereinander geschobenen Schollen mehrere Meter hoch auftürmen.
  44. Eissegeln = Segeln auf dem Eis mit einem Gleitfahrzeug auf Kufen mit einem Handsegel
  45. Eistreiben, Treibeis, Drifteis, Packeis =  massenhaftes Treiben von Eisschollen und Packeisbergen im strömenden Wasser
  46. Elbe = norddeutscher Fluß zur Nordsee mit den Häfen: Hamburg, Schulau, Stadersand, Glückstadt, Wischhafen, Brunsbüttel und den Mündungshafen Cuxhaven
  47. Elektrotechnikdienst = (Marine) Fachrichtung im Dienstzweig Maschinendienst. Umfaßt Bedienung, Wartung und Reparatur der schiffelektrotechnischen Anlagen, Kreiselkommpaß, Kühl-, Klima, Schiffssprech und  Befehlsüber- mittlungsanlagen, Wekstattdienst, Schiffssicherungsdienst
  48. Elmsfeuer = schwach leuchtende, von leisen Knistern begleitente Funkenbüschel die bei Gewitter an Schiffsmasten auftreten können, auch als Sankt-Elmos-Feuer bekannt
  49. Ems = norddeutscher Fluß zur Nordsee mit den Häfen: Papenburg, Leer, und Emden
  50. Ende = ein Stück Tau
  51. Endsee = abflußloser See
  52. Englischer Kanal = Ärmelkanal , das Seegebiet zwischen der Südküste Englands und der Nordküste Frankreichs mit Wassertiefen von 40 - 90 Meter. Entstanden ist der Englische Kanal während der Eiszeiten.
  53. Enterbeil = frühere beim Entern zum Kappen der Taue  und als Waffe verwendetes Beil
  54. Enterhaken = Haken zum Heranziehen und Entern eines Schiffes
  55. entern = klettern ins Takelwerk,  auf dem Meer ein Schiff erklettern und erobern
  56. entmasten = verlieren der Masten durch Sturm, heftige Bewegung in der Dünung oder durch Beschuß.
  57. entzurren = Die Verzurrung (von zurren = festbinden) eines Gegenstandes lösen.
  58. Epaulette = Schulterstück auf Uniformen von höheren Seeoffiziere; scherzhaft auch Schwabber genannt
  59. EPIRB = Abk. für Emergency Position Indicating Radio Bacon; Funkboje, die bei einem Schiffsuntergang selbstständig aufschwimmt und Seenotsignale abstrahlt, die u.a. auch von Satelliten empfangen werden können.
  60. EPS = Abkürzung für effektive Pferdestärken. Die Leistung der Maschine, die tatsächlich an der Hinterkante der Maschine zur Verfügung steht.
  61. Erkennungssignal = Signal, durch das ein Schiff oder Flugzeug sich als zur eigenen Streitmacht gehörig ausweist. Wird ausgetauscht, wenn Zweifel bestehen, ob man Feind oder Feind vor sich hat oder wenn man sich bei Annäherung an eigene Kräfte zu erkennen geben will.
  62. Erkennungszeichen = Kommandoerkennungszeichen; Kommandozeichen; Truppenerkennungszeichen; Staatszugehörigkeits- und Eintragungszeichen; Unterscheidungszeichen
  63. Erster Offizier = 1.O, IO (bei der Bundesmarine), Stellvertreter des Kommandanten
  64. Erasmus = Schutzpatron der Seeleute
  65. Eselshaupt, Eselshoofd = der brillenartige Beschlag auf einem Untermast, der die Verbindung zwischen Mast und Stänge  (Obermast) oder zwischen zwei Stängen bildet.
  66. Eskimo = Angehöriger eines mongolischen Volks der arktischen Küsten und Tundra
  67. ETA = Abk für Estimated Time of Arrival; Expected Time of Arrival; Bezeichnung auf Telegrammen für den voraussichtlichen Zeitpunkt der Ankunft des Schiffes im Bestimmungshafen.
  68. ETC = abk. für Estimated Time of Completion; Bez. für den voraussichtlichen Termin der Beendigung der Reise.
  69. ETD = Abk. für Estimated Time of Deparure; Bez. fpr den voraussichtlichen Termin der Abfahrt des Schiffes, auch als ETS ( S= Sailing) abgekürzt.
  70. Etesien = regelmäßig auftretende, trockene Nordwest-Winde vom April bis Oktober im östlichen Mittelmeer
  71. Etesienklima = Mittelmeerklima
  72. Etmal = Strecke, die ein Schiff von Mittag bis Mittag zurückgelegt wird, Tagesreise, wiederkehrende Flutzeit von 12 Stunden oder Tagesperiode von 24 Stunden ( Von et = Wiederkehr und dem gotischen "mel" =  Zeit, Zeitpunkt)
  73. Euros = griechischer myth. Gott des Ostwindes
  74. Eustasie = Schwankung der Höhe des Meeresspiegels infolge Veränderungen im Wasserhaushalt der Erde
  75. Evaporator = Anlage zum Erzeugen von Kesselspeisewasser aus Seewasser
  76. Ewer = Küstensegelboot mit flachen Boden , mit und ohne Seitenschwertern; auch Ever, meist als Eineinhalbmaster getakelt.
  77. Ewerführer = Binnenschiffer, der auch die Hafenschuten fährt
  78. Exhaustor = ein mechanisch betriebener Saugelüfter
  79. Expert = Im Versicherungswesen der Beauftragte der Gesellschaft, der die zu deckenden Schäden besichtigt und auch taxiert.
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