Die Sprache der Seeleute


  1. Gaffel = um den Mast drehbare, schräg nach oben stehende Spiere (Segelstange), an der das Gaffelsegel befestigt ist.
  2. Gaffelketsch = Ketsch mit Gaffelsegel oder mehreren Gaffelsegeln, z.B. Großsegel, Besansegel
  3. Gaffelschoner = mehrmastiges Segelschiff. Ein Schoner, der nur mit Gaffelsegeln, allenfalls noch mit einer Breitfock, versehen ist. Die Masten fahren fast stets Stengen, an denen die Gaffeltoppsegel fahren. Es gibt Zweimast- und Dreimastgaffelschoner
  4. Gaffelsegel = trapezförmiges Längssegel, das oben an der Gaffel un unten an einem Rundholz befestigt ist
  5. Gaffeltoppsegel = leichtes Segel über der Gaffel und über dem Gaffelsegel
  6. Gai = Gaitau, ist das Tau zum Schwenken der Ladebäume;  das Tau zum Hochziehen der Segel ( aufgaien); auch Gei
  7. Galeasse = ursprünglich ein Kriegsschifftyp aus dem Mittelmeerraum; später in der Nord. und Ostsee ein andert- halbmastiger Küstenfrachtsegler mit vollen Vorschiff und rundem Heck (mit und ohne Seitenschwerter); auch Galjaß
  8. Galeere = Ruderkriegsschiff im Altertum, auch mit Segeln. (dessen bis zu 50 Ruder von Sklaven, später mit Sträflingen bedient worden)
  9. Galeone = hochbordiges Kriegs- und Handelsschiff mit mehreren Masten und Decks im Altertum (Spanien, Portugal)
  10. Galeotta = venezianisches Ruderfahrzeug mit Hilfssegeln. Zweimaster
  11. Galerie = Begrenzung des Achterdecks nach hinten, oft gedeckter Umgang, mit den Toiletten für Offiziere
  12. Galgen = galgenförmiger schwenkbarer Davit für das Ein- nd Aussetzen von Booten und Stockankern
  13. Galion = ein Vorbau am Bug der alten Schiffe zur Bugverstärkung; das Galion trug auch die Galionsfigur
  14. Galionsfigur = eine aus Holz geschnitzte Figur am Bug des Schiffes, Sie stellte häufig ein Frau oder Göttin, eine Helden- gestalt oder ein Wesen aus der Tier- oder Fabelwelt dar, die eine Beziehung zum Namen es Schiffes hatte.
  15. Galiot = meist zweimastiges Küstensegler mit Gaffelsegeln, Rahtoppsegel und Vorsegeln
  16. Gallone = englisches Hohlmaß: 4,54 Liter
  17. Gammel = Beifang, für die menschliche Ernährung unbrauchbarer  Teil des Fischfangs. Er wird zu Futter oder Dünger verarbeitet.
  18. Gang =  1. Arbeitsgruppe von Scheuerleuten (Bordgang, Außenbordsgang); 2. Gang = Durchgang, Flur auf den Schiffen; 3. ein Schlag beim Kreuzen
  19. Gangspill = Ankerwinde; Senkrecht stehende Winde mit Spillspaken ( wie Speichen eines Rades) zum Drehen des Spills, um z.B. den Anker zu hieven ( heraufzudrehen)
  20. Gangway = der Landgangsteg des Schiffes
  21. Gannet =  ( der britischen Firma Fairey)  Typenname eines britischen Marineflugzeuges für Ubootsbekämpfung und Torpedoeinsatz, dreisitzig, zwei gegenläufige Propeller; wurde auch für die die deutschen Marineflieger geliefert (1964-66).
  22. Garn spinnen = schwer glaubwürdige Erzählung des seelexnes, wie Jägerlatein, Übertreibung
  23. Gast = Funktionär im Mannschaftsstand ( in der Regel in Verbindung  mit Funktionsbezeichnung z. B:  Signalgast, Funkgast , Steuermannsgast usw. )
  24. Gastanker = Schiff zum Transport verflüssigten Erdgases
  25. Gasturbine = Antrieb ( Luft-Öl-Gemisch) für Schiffe (Marineschiffe, schnelle Fähren)
  26. Gatchen = eingestanzte oder eingenähte kleine Kauschen in Segeln für eine Bindereff; siehe Gatje
  27. Gatje = rundes Loch im Segeltuch oder in der Persenning zum Befestigen oder Durchstecken von Tauwerk
  28. Gatt, Gat = 1. kleiner Aufbewahrungsort an Bord (Kabelgatt); 2. ein Schiff liegt im Gatt, wenn es achtern tiefer taucht als vorn; 3. kleine Öffnung  z.B. Speigatt, 4. Segelöse aus Segelgarn genäht oder aus Metall gestanzt ( Gattchen), 5. schmale Verbindung zwischen zwei Meeresteilen (Gaten oder Seegaten)
  29. Geen = mehrscheibige Talje zum Hieven schwerer Lasten
  30. Gefechtsrolle = (Marine) Der Teil der Schiffsrolle, der jedem Mann seine Gefechtsstation zuweist.
  31. Gefechtssignal =  (Marine) Besonderes kurz gefaßtes Signal, das im Gefecht zur schnellmöglichen Befehlsübermittlung angewandt wird.
  32. Gefreiter (Gefr.) = Dienstgrad auch bei der Bundesmarine, kommt nach Matrose
  33. gegenbrassen = gegensätzliches Brassen der vorderen und achteren Rahen
  34. Gegenkommer = ein Schiff, das sich auf Gegenkurs nähert
  35. Gegenruder = die der augenblicklichen Stellung entgegengesetzte Ruderlage. Gegenruder beendet die Drehbewegung eines Schiffes
  36. gegißtes Besteck = Ortsbestimmung des Schiffes auf Grund des Kurses un der zurückgelegten Strecke
  37. Gei, Geitau = Tau zum Heranholen der Segel an die Rah, an der sie dann mit den Gordingen festgebunden werden
  38. geien = ein Segel zusammenschnüren, nachdem es an die Rahe herangezogen und eingerollt ist
  39. Geienwinde = Ladegeschirr
  40. Gelbes Meer = Nebenmeer des Pazifischen Ozeans zw. Korea und China, von den Sinkstoffen des Hwang-ho gelbgefärbt
  41. Geleitboot, schiff = Kriegsschiff (Fregatte), das ein anderes Schiff zur Sicherung gegen feindliche Angriffe begleitet.
  42. Geleitzug = Gruppe von Schiffen zur gemeinsamen, von See- und Luftstreitkräften geschützten Fahrt durch gefährdetes Seegebiet
  43. Genua = großes, den Mast und das Großsegel stark überlappendes Vorsegel
  44. Genua-Stagsegel = Stagsegel, das als zusätzliches Beisegel bei leichten Winden gemeinsam mit der "Genua" am Babystag gefahren wird.
  45. Geräuschmine = (Marine) Mine, deren Zündung und Detonation durch die Eigengeräusche des Zieles ausgelöst werden.
  46. Germanischer Lloyd = Klassifikationsgesellschaft, er überwacht und kontrolliert regelmäßig die Schiffe, Sitz: Hamburg
  47. Gesangbuch, Gebetbuch = Scheuersteine, mit denen früher die Holzdecks gereinigt wurden
  48. Geschirr = alles Gerät, das zur Takelage oder zum Anker gehört, auch Ladegeschirr
  49. Geschwader = Verband gleichartiger Kriegsschiffe
  50. Gestade =  Küste, Ufer. Eine Sandbank vor der Küste heißt z.B. Gestadebank
  51. Gewässer = große natürliche Ansammlung von Wasser ( fließendes, stehendes Gewässer)
  52. Gewölk = Ansammlung von Wolken
  53. Gezeiten = regelmäßiger Wechsel von Ebbe nd Flut, die durch den Mond  ( auch von der Sonne ) verursacht wird. Das viermal in rund 25 Stunden erfolgende Steigen und Fallen des Meeresspiegels. Hat an gebuchteten Küsten (Nordsee), Flußmündungen  usw.  Strömungen zur Folge
  54. GFK = Abk. für glasfaserverstärkte Kunststoffe; wird zum Bootsbau verwendet
  55. Gibraltar = Halbinsel an der Südspitze Spaniens
  56. Giekbaum = die untere Spiere eines Gaffelsegels; auch Besanbaum
  57. Giekblöcke = Blöcke zum Bewegen des Giekbaumes (Besanbaum)
  58. Gien = starker Flaschenzug zum Bewegen schwerer Lasten; schweres Takel
  59. Gienwinde = Zusatzwinde auf Schiffen mit Heckaufschleppe.
  60. giepen = Umschlagen eines Gaffelsegels von einer Schiffseite zur anderen vor dem Wind
  61. gieren = seitlich abweichen, durch starken Seegang hervorgerufenes Abweichen vom Kurs
  62. Gig = Sportruderboot, leichtes schnelles Ruderboot, Beiboot
  63. Gilling = Übergang vom unteren Teil des Rumpfes in das überfallende Heck
  64. Gillung = unterer Teil des Achterschiffes von der Wasserlinie bis zum Heck
  65. Gillungsspanten = die Spanten der Heckrundung
  66. Giraffe = Van-Carrier, Portalhubwagen, Hubfahrzeug für Container  in Container-Terminals, er versetzt oder verholt die Container auf bestimmte Abstellflächen; Giraffe genannt; wegen seiner Hochbeinigkeit
  67. Gischt = Sprühwasser, aufschäumende See, Schaum, der beim Brechen von Meereswellen entsteht
  68. gissen = die Position eines Schiffes schätzen. Schiffsort, der nicht durch Peilung, astronomische Beobachtung oder funknavigatorisch sondern durch Koppeln ermittelt wird.
  69. Glas = auf größeren Schiffen Uhrzeitangabe durch Anschlagen (Glasen) der Schiffsglocke, ein Glas > halbe Stunde
  70. glasen = durch Anschlagen der Schiffsglocke anzeigen, wie viele halbe Stunden seit Beginn der Wache vergangen sind,  8 Glas entspricht 4 Stunden seit Wachbeginn und damit Wachende ( 1 Glas = eine halbe Stunde seit Wachbeginn (einfacher Schlag); 2 Glas = eine Stunde seit Wachbeginn (ein Doppelschlag) usw. bis 8 Glas (vier Doppelschläge). Der Name Glasen stammt von den gläsernen Sanduhren, die eine halbe Stunde liefen und dann umgedreht werden mußten.
  71. Gleitboot = flaches Motorboot, das sich bei höherer Geschwindigkeit durch Strömungsauftrieb aus dem Wasser erhebt und über der Wasserfläche gleitet.
  72. GLI = German Lifeboat Institution; Internationale Bezeichnung für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ( DGzRS)
  73. GMDSS = Global Maritime Distress Safety System. Internationales Notrufstandard, der automatisch alle Daten des Schiffes über ein weltweites Satellitensystem übermittelt. Eine ausgelöste Seenotboje wird innerhalb von 3 Minuten geortet.
  74. GMT = Greenwich Mean Time. Die mittlere Ortszeit des Meridians von Greenwich oder 0 Grad-Länge
  75. Goldener Ring = poetische Benennung der die gesamte deutsche Marschküste schützend umschließenden Hauptdeichlinie.
  76. Golf = großer Einschnitt des Meeres ins Festland, Meeresbusen, Bucht
  77. Golfstrom = warme Meeresströmung im nördlichem Atlantik
  78. Gondel = schmales venezianisches Boot, das im Stehen gerudert wird
  79. gondeln = mit der Gondel fahren
  80. Gondoliere = Ruderer der Gondel, Gondelführer
  81. Goniometerpeiler, Goniometerpeilanlage = Funkpeilanlage bei der durch feststehenden Kreuzrahmen das lektro- magnetische Feld aufgenommen und auf 2 Spulen im peilerübertragen wird. Dies erzeugen ein Sekundärfeld, in dem mittels der Suchspule die Richtung bestimmt wird, aus der der sender einfällt.
  82. Gorch Fock = 1. Pseudonym eines 1916 in der Skagerrak-Schlacht gefallenen Seeschriftsteller; 2. Segelschulschiff der Bundesmarine, 1958 bei Blohm und Voss gebaute Bark
  83. Gording =  Gordings; Tau zum Zusammenschnüren der gerefften Segel, man unterscheidet Bug- und Nock-Gording
  84. Gösch = kleine Nationalflagge, die am Bug gehißt wird, wenn das Schiff im Hafen oder vor Anker liegt
  85. Göschstock = auf dem Bugspriet angebrachter Flaggenstock
  86. GPS = Global Positioning System, ist ein weltweit arbeitendes Standortbestimmungssystem mit Satelliten. Zusätzliche Landstationen führen zum DGPS, dem Differential Global Positioning System, das die Genauigkeit der Standortbestimmung erheblich erhöht. ( GPS und DGPS haben zunehmend Decca-, Loran- und Omegaverfahren abgelöst.)
  87. Granat, Garnele = Zehnfußkrebs auch als Krabben oder Shrimps bekannt, Delikatesse von der Nordsee
  88. Gräting = Gitterost aus Holz oder Metall auf Schiffen; meist dort angebracht, wo Wasser über ein glattes Deck laufen kann, um einigermaßen trockene Steh- und Gehflächen zu schaffen.
  89. Graudüne =  Binnendünne und ist eine ehemalige Weißdüne, deren Sand im Laufe der Zeit entsalzt und weitgehend entkalkt wurde und die keine nennenswerte Sandzufuhr mehr bei Sandwehen erhält. Sie hat eine dichte Pflanzendecke aus Kleingräsern, Moos und Sträuchern.
  90. Graue Katz = volkstümlich für einen schnell heranziehenden (schleichenden) , die Sicht raubenden Küstennebel. Für den Wattwanderer kann er zu einer großen Gefahr werden.
  91. Greta Garbo = nach der berühmten Schauspielerin benannter, doppelgeschoteter großer Vierkantklüver ( Benutzung  bei der  J-Klasse -  große Rennyacht)
  92. grobe See = hoher Wellengang
  93. Großbaum = Spiere, an der die Unterliek des Großsegels befestigt ist.
  94. Große Fahrt = Seefahrt unbegrenzt weltweit auf allem Meeren
  95. Großer Flaggenschmuck = Schmuck des Schiffes bei besonders bedeutsamen festlichen Anlässen. Außer den Flaggen des Kleinen Flaggenschmuck werden aneinandergereite Signalflaggen vom Heck über die Toppen ( höchste Stelle der Masten) bis zum Bug gesetzt.; siehe auch Flaggengala
  96. Große-Seen-St.-Lorenz-Seeweg = von seegehenden Schiffen befahrene Seewasserstraße, die die großen Seen zwischen Kanada und den USA mit dem Nordatlantik verbindet.
  97. Großkreisroute = Ozeanüberquerung mittels der kürzesten Distanz zwischen zwei Punkten auf der Erdoberfläche. Auf einer gnomonischen Katre erscheint der Großkreis als gerade Linie.
  98. Großmast = ist der mittlere  Mast von einem Dreimaster (Aufteilung: Großuntermast, Groß-Marsstenge und Groß-Bramstenge) Segel: Großsegel, Großuntermarssegel, Großobermassegel, Großunterbramsegel, Großoberbramsegel und Großroyal
  99. Großrah = die unterste Rah am Großmast
  100. Großroyal = oberes Segel am Großmast
  101. Großschot = Talje aus mehreren Blöcken, die zum Dichtholen des Großsegels verwendet wird. Die Großschot verbindet den beweglichen Großbaum mit dem Bootskörper.
  102. Großsegel = das am Großmast gesetzte Schratsegel, das entweder mit losem Unterliek gefahren wird oder das fest mit dem Großbaum verbunden ist. Das Großsegel kann als Hochsegel, Gaffelsegel, Treisegel, gegenfalls auch mit einer Spreizgaffel oder aber als Rollreffgroßsegel gefahren werden. Bei einem Rahsegler ist das Großsegel das an der unteren Rah des Goßmastes geführte Segel.
  103. Großtopp = Spitze des Großmastes oder der ganze Großmast
  104. Großwant = Want am Großmast
  105. Growler ( engl.) = Von Eisbergen abgebrochene kleinere Eisstücke, die weniger als 1m aus der See herausragen ( " Brummer " = nach dem Geräusch beim Aus- und Abtauchen in der See)
  106. Grundgänger = Versagen der Antriebsvorrichtung beim Torpedo. Der Torpedo läuft nicht weiter sondern legt sich auf den Meeresgrund. Bei Übungsschüssen kann ein Grundgänger auch durch Versagen der Ausblasevorrichtung im Übungskopf entstehen.
  107. Grundgeschirr = Ankergeschirr, Fischereiausrüstung, Schleppnetz
  108. Grundmine = (Marine) Mine, die auf den Meeresgrund gelegt wird. Sie kann nur auf verhältnismäßig flachen Stellen des Meeres ausgebracht werden.
  109. Grundsee =  aus tiefen Wasser (Untiefen) kommende hohe Wellen, die beim Einlaufen in seichtes Wasser branden und hierbei den Meeresboden (Meeresgrund) aufwühlen.
  110. grüne See = überkommende Brecher
  111. grüner Strahl = Bezeichnung für eine Leucht-Erscheinung bei Sonnenuntergang oder -aufgang am Meereshorizont, die bei ganz klarem und dunstfreiem Horizont mitunter auftritt. An der Stelle, wo die Sonne gerade untergeht oder aufgehen wird, erscheint für einige Sekunden ein kleiner, helleuchtender Fleck von grüner Farbe. Erklärt wir diese Erscheinung durch Strahlenbrechung und Absorption des mittleren Spektrumteiles durch Wasserdampf.
  112. Grützkasten = Lazarett
  113. GT = Groß-Tonnage - Gesamtheit aller geschlossener Räume multipliziert mit dem Faktor K zur Angleichung der neuen Vermessung an die alte : GT = K x V (neue  Schiffsvermessung); Statt GT und NT in einigen Ländern RZ = Registerzahl
  114. Guion = Guion Line (1866-1894) Liverpool & Great Western Steamship Company Ltd.
  115. Gurkengaleere = Bananenschiff
  116. Gut = 1.Ware , Frachtgut, Schüttgut, 2. Gesamtheit der Taue und Seile. Man unterscheidet stehendes Gut, das sind die Taue, die fest bleiben, und laufendes Gut, das sind die Taue die beweglich sein müssen, um Segel mit ihnen bedienen zu können.
  117. GW = Great Western Steam Ship Company ( 1838-1846)
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