Die Sprache der Seeleute


  1. Hafen = geschützter Anlegeplatz und Umschlagplatz  für Schiffe ( See-, Fluß- und Binnenhafen)
  2. Hafenamt, Hafenbehörde = Behörde, der  die Leitung des Hafenbetriebes obliegt
  3. Hafenkapitän = jemand der die nautische Verwaltung eines Hafens obliegt, meist in größeren Häfen
  4. Hafenlotse = Lotse, der die Seeschiffe sicher in den bzw. aus dem Seehafen lotst, im Gegensatz zum Fluß- oder Seelotsen, der im Gebiet der Hafenzufahrt oder in Küstengebieten die Beratung des Kapitäns übernimmt.
  5. Hafenmeister = in kleineren Häfen obliegt der Hafenmeister die nautische Verwaltung eines Hafens
  6. Haff = durch eine Nehrung vom Meer fast vollständig abgetrennter Strandsee (Flußmündungsbucht)
  7. Hahnepfote, Hahnepoot = ein an drei Punkten angreifendes Tau, Tau mit auseinander laufenden Enden
  8. Haken = Verbindungsstück zwischen Drähten, Leinen und Ketten
  9. Haker = seemännische Bezeichnung für das Hängenbleiben des Schleppnetzes an einem Hindernis auf dem  Meeresboden ( Wrack, Anker, Felsen)
  10. HAL = Hamburg-Amerika Linie, ab 1893 als Kurzform für den angeblich umständlichen Namen Hapag
  11. Halbdeck = Bezeichnung für ein erhöhtes Achterdeck
  12. halber Schlag = 1. mit einem halben Schlag wird eine Leine belegt, 2. beim Essen nur eine halbe Portion
  13. Halbinsel = ins Meer oder in einen See vorspringender Teil des Festlandes ( z.B. durch Meereseinbrüche entstanden)
  14. halbmast = bis zur halben Höhe des Mastes flaggen ( als Zeichen der Trauer)
  15. Hallig = kleine, oft bei Sturmflut überflutete Insel im nordfriesischen Wattenmeer, die Höfe, Stallungen usw. liegen auf künstlichen 4-5 m hohen Werften (Warften, Wurten)
  16. Halse = 1. Haltehau des Segels, 2. Hals(e) = untere vordere Ecke des Segels, 3. Wendemanöver
  17. halsen = das Segel auf die andere Bordseite bringen (beim Wenden)
  18. Hamem, Hammnetz = Fanggerät der Küsten und Flußfischerei
  19. Handelsflagge = zeigt die Staatsangehörigkeit von Handelsschiffen an, meist die Nationalflagge
  20. Handelskrieg = Versuch der kriegsführenden Parteien die Kriegswirtschaft des Gegners insbesondere durch Abschnürung seiner Seezufuhren lahmzulegen. Der Handeslkrieg findet seine Beschränkung in dem Grundsatz der Freiheit der Meere und ist daher durch einige völkerrechtliche Abkommen des Seekriegsrechts geregelt. Die Wegnahme von Waren und Schiffen ist in der Regel nur nach den Bestimmungen des Prisenrechts möglich.
  21. Handelsmarine = umfaßt alle dem seewärtigen Güter- und Personenverkehr dienenden Schiffe eines Staates, die als Seeschiffe klassifiziert und eingetragen sind. (Seeschiffahrt)
  22. Handelsschiff = Schiff zur Beförderung von Gütern und Personen
  23. Handicap = Segelregatta ungleicher Jachten, die mit einem Ausgleich gegeneinander segeln
  24. Handspake = handlicher hölzerner Hebebaum
  25. Handstopp = kurze Tauschlingen, die am Jackstag befestigt sind; um dem seelexn beim Arbeiten Halt zu geben
  26. Hand über Hand = Arbeitsweise beim Einholen oder Anstecken einer losen Leine, die jeweils mit einer Hand gezogen wird, während die andere Hand nachgreift.
  27. Hanger = ein dicker Stahldraht zum Halten und Fieren des Ladebaumes.
  28. Hängematte = aus Schnüren hergestelltes, netzartiges Geflecht, das an zwei gegenüberliegenden Haltern aufgehängt wird, besteht auf Schiffen auch aus Segeltuch und wird dort von den Matrosen als Schlafgelegenheit benutzt
  29. Hanse = Vereinigung von Kaufleuten norddeutscher Städte im Mittelalter, später Städtebund zwecks gemeinsamen Handels (z.B. Hansestadt Bremen, Hamburg, Lübeck, Rostock)
  30. Hansekogge = Handelsschiff  in der Hansezeit (Mittelalter)
  31. HAPAG = Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, Hamburg-Amerika-Linie, älteste und bedeutendste deutsche Reederei, 1847 gegründet . 1970 Zusammenschluß von Hapag und NDL  ( Norddeutscher Lloyd ) zur Hapag-Lloyd AG
  32. Hartbrot = Schiffszwieback
  33. Hauptdeck = gewöhnlich das oberste durchlaufende Deck
  34. Hauptgefreiter = Mannschaftsdienstgrad unmittelbar über den Obergefreiten ( z. B. Bundesmarine)
  35. Hausboot = Boot, das auch als Wohnung dient und meist in Flüssen oder Seen verankert wird
  36. Hausflagge = Reedereiflagge, wird im Großtopp ( Spitze des Großmastes) gezeigt. Zeichnung auch am Schornstein
  37. Havarie = Unfall, Bruch eines Schiffes oder seiner Ladung; Schaden am Schiff durch Zusammenstoss oder höhere Gewalt.
  38. He lücht = er lügt; wird den Hafenrundfahrtskapitän zugerufen, wenn er seinen Fahrgästen den Hafen erklärt und mit den Begriffen nicht so genau nimmt
  39. Hebammenfinger = Hände einer Landratte ohne Schwielen
  40. Heck = hinteres Ende eines Schiffes
  41. Heckgefecht = Seegefecht, bei dem der Gegner achteraus steht, so daß nur die achteren ( hinteren) Waffen des eigenen Schiffes eingesetzt werden können; meistens Rückzugsgefecht.
  42. Hecklicht = weißes, von achteraus bis 67,5 º an beiden Seiten des Schiffes sichtbares Licht.
  43. Hecktrawler, Heckfänger = Fischereifahrzeug, das am Heck eine Schräge hat, auf der das Fischnetz hochgezogen wird.
  44. Heckwelle = am Heck eines fahrenden Schiffs entstehende Welle, die sich nach den Seiten ausbreitet
  45. Heimatwimpel = eine verlängerte Form des Kommandowimpels (Länge zu Höhe etwa 120 zu 1), der bei Beendigung von über halbjährlichen Auslandsreisen über die ganze Länge des Schiffes wehend achteraus das Wasser berührt. (Bundesmarine)
  46. Hein Holzwurm = Schiffszimmermann
  47. Hein Mück = seelexn aus Bremerhaven, Symbolfigur für Bremerhaven, bekannt als: Hein Mück aus Bremerhaven
  48. Hein seelexn = Fahrensmann, auch Jan Maat
  49. Heiß1. mehrere Signalflaggen, die als Gruppe an einer Flaggenleine gesetzt werden. 2. wird auch die Länge des Vorlieks eines Segels bezeichnet.
  50. heißen, hissen, hochziehen = eine Flagge hissen; Segel werden geheißt
  51. Heißhaken = An Tau, Seil oder Talje (Flaschenzug) befestigter Haken, der dem Heißen (Hochziehen) und Fieren ( Herablassen) von seemännischen Gegenständen ( z.B. Rettungsbooten ) dient.
  52. Hebriden = nordwestschottische Inselgruppe, sturmreiche Inseln mit kühlem ozeanischen Klima
  53. Helge, Helgen, Helling = ein schräg zum Wasser hin abfallendes Gelände einer Schiffswerft, auf der Schiffsneubauten durchgeführt werden und anschließend auf der Ablaufbahn zu Wasser gelassen werden  (Stapellauf)
  54. Helgoland = deutsche Nordseeinsel vor der Elbe und Wesermündung.  ( 91 ha große Felseninsel ). Die früher unter englischer Hoheit stehende Insel wurde durch den Helgoland/Sansibar-Vertrag vom 1.7.1890 wieder deutsch.
  55. Hellgat, Hellegat = Raum zur Aufbewahrung der Schiffslaternen, Stauraum,  auch Vorratsraum unter Deck eines Schiffes.
  56. Helm, Helmholz = Ruderpinne
  57. Helmtaucher = mit schwerem Gerät ausgerüsteter Taucher für Arbeiten in größeren Tiefen ( bis ca. 120 m). Beweglichkeit begrenzt, da Luftzufuhr durch Schlauch von Sicherungsstelle über Wasser.
  58. Hennegatt = Öffnung am Schiffsheck für das Ruder  ( auch Koker genannt )
  59. Hering = in allen Meeren vorkommende, bis 30 cm lange Fischart mit vielen örtlichen Abarten; Frische Heringe heißen: grüne Heringe; junge Heringe, die noch nicht gelaicht haben " Matjes-Heringe"; mit Rogen und Milch gefüllte Hering heißt: Vollhering; der grüne geräucherte ist der Bückling , der eingelegte und entgrätete der Bismarckhering und der eingelegte aufgerollte Heringslappen ist der Rollmops.
  60. Heringslogger = kleineres Fischereifahrzeug, besitzt zwei Masten mit Klüversegeln und mit Hilfsmotor ausgerüstet.
  61. Heuer = Lohn eines seelexns
  62. Heuerbaas = Matrosenanwerber, Anwerber für Seeleute, Arbeitsvermittler für Seeleute; heute durch seelexnsämter
  63. Heuerschein = Seefahrtsbuch eines seelexns
  64. Heuervertag = Arbeitsvertrag der Schiffsbesatzung mit Ausnahme des Kapitäns und anderer leitender Personen
  65. heuern = Seeleute einstellen, ein Schiff chartern
  66. Heuflut = volkstümlich für ein in Sommer auftretendes, um 1 bis 2 m erhöhtes Tidehochwasser, das die Vorlandwiesen überflutet und dort zum trocknen liegendes Andelheu (Salzgras) fortschwemmt.
  67. Heulboje = tönendes Seezeichen an besonders gefährlichen Stellen
  68. Heuler = 1. junge Seehunde, die vom Muttertier noch gefüttert werden müssen. Sie stoßen beim Schwimmen im Wasser ständig "Heulrufe" aus, um den Kontakt mit der vorausschwimmenden Mutter nicht zu verlieren. 2. akustische Warnanlage auf Kriegsschiffen (früher mit Dampf) Die Zeichengebung erfolgt nach internationalen Regeln, z.B. beim Ausweichen oder bei Nebelfahrt.
  69. Hilfskessel = Dampfkessel auf Schiffen, dessen Dampf nicht für die Hauptmaschinen sondern für Hilfszwecke, z.B. Heizung, Kombüse usw. verwendet wird. Wird meist nur im Hafen gebraucht, da in See der Dampf für Wirtschaftszwecke abgezweigt wird.
  70. Hilfskreuzer = im Kriege bewaffnete Handelsschiffe
  71. Hiev, Hieve = die mit einem Arbeitshub eines Hebezeuges (Kran, Ladebaum) beförderte Ladungsmenge
  72. Hiev up = Kommando für den Kranführer, eine Kranhieve (Last) hochzuziehen
  73. hieven = eine Last hochziehen, hinaufziehen
  74. HI-Tech = saloppe Formulierung für neuste technische Materialien und Hochleistungs-Konstruktionen bei Segeln, Rumpf und Spieren.
  75. H.M.S. = Abkürzung für: His (Her) Majesty's Ship (Seiner (Ihrer) Majestät Schiff)
  76. Hochsee = die See außerhalb des Küstenbereiches
  77. Hochseeminensuchboot = Kriegsschiff, speziell zum Minenräumen und - legen auf hoher See eingerichtet. Hauptmerkmale: Wendigkeit, hohe Standfestigkeit, großer Aktionsradius. HM-Boote werden führungsgemäß zu Geschwadern zusammengefaßt.
  78. Hochseebergungsschlepper = Ein Spezialschiff, der auf hoher See ein Havarist (in  Seenot geratendes Schiff)  am Haken nimmt und  versucht ihn in einem sicheren Hafen zu schleppen ( ziehen)
  79. Hochseefischerei, Meeresfischerei = gewerbsmäßige Fischerei auf dem Meeren mit Schiffen
  80. Höchstverdrängung = (Marine) Gewicht des völlig ausgerüsteten Kriegsschiffes mit sämtlichen Brennstoff- und Kesselspeisewasservorräten an Bord; siehe Wasserverdrängung
  81. Höft = vorspringende Ecke im Hafen oder an der Küste
  82. Hohe See = offenes Meer, der nicht zu den Territorialgewässern und  inneren Seegewässern der Küstenstaaten gehört und somit keiner staatlichen Souveränität unterliegt. Jeder Küsten- und Binnenstaat kann die Hohe See gleichberechtigt zu Zwecke der Schiffahrt, der Verlegung von Unterseekabeln und  -leitungen sowie durch Überfliegen nutzen. Allerdings ist die Konvention der 3. UN-Seerechtskonferenz über die  Ausschließliche  Wirtschaftszone und den Festlandsockel zu beachten, die die Grundrechte der Freiheit der Meere in gewisser Hinsicht einschränkt.
  83. Hoheitsgrenze = Grenze des Hoheitsgebietes eines Küstenstaates gegen die offene See. Sie liegt (früher 3) 12 Seemeilen seewärts der Staatslandgrenze.
  84. Hol = Arbeitsgang beim Fischen vom Geschirrsetzen bis zum Einholen des Netzes; auch ganz allgemein die Menge der gefangenen Fische.
  85. Holtbuck, Holtwurm = Bezeichnung für den Schiffszimmermann
  86. Hooftau = Trosse, die den Mast nach den Seiten stützt
  87. Horizont, Kimm = Begrenzungslinie zwischen Himmel und Meer bzw. Erde
  88. Hosenboje = Rettungsring mit eingearbeiteter Hose zur Rettung aus Seenot. Wird wie eine Schwebebahn an einem Tau zwischen dem gestrandeten Schiff und der Küste gefahren.
  89. Hovercraft = Luftkissenfahrzeug
  90. Huari-Takelung = Steilgaffeltakelung, die auf die indianische Takelung von Segelbooten zurückgeht.
  91. Hütte = Aufbau auf dem Achterdeck, auch Poop genannt; früher befand sich dort die Unterkunft der Offiziere.
  92. Huk = bedeutet soviel wie Ecke, Vorsprung, besonders im Verlauf einer Küste
  93. Huker = Küstensegler mit zwei Masten
  94. Hulk = 1. Schiff, das dauerhaft verankert oder vertäut eine anderwärtige Verwendung gefunden hat ( z.b. Wohnschiff); 2. großes Segelschiff  (Lastschiff) um 1200 und später Kogge; auch Holk
  95. Hundekoje = auf Segelyachten mit Einrichtung die koje, die neben der Pflicht und neben dem Niedergang liegt.
  96. Hundepünt, Hundspünt = verjüngtes Ende ( kunstvolle Verjüngung) einer Leine; auch Hundepint
  97. Hundewache = Wache von Mitternacht bis 4 Uhr
  98. Hundsfott = Blockauge , Halterung für die feste Talje an einem Block
  99. Hurrikan = tropischer Wirbelsturm im Westatlantik mit einer Windgeschwindigkeit ab 64 Knoten. Windstärke 12 auf der Beaufortskala.
  100. Huze = Schacht zur Luftzuführung ins Schiffsinnere
  101. Hydrometrie = Teilgebiet der Gewässerkunde, das sich mit der Beobachtung und Messung von Wasserständen, Strömungen, Seegangserscheinungen, Schwebstoffgehalt, Salzgehalt, Sandtransport durch fließendes Wasser sowie mit der Entwicklung der für diese Messungen notwendigen Geräte und Appaarate befaßt.
  102. Hygrometer = Feuchtigkeitsmesser, Meßgerät zur Bestimmung der Feuchtigkeit der Luft
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