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BERNHARD
KELLERMANN
Verschiedene
Berichte und Ansichten
Bevor
ich von meinen letzten Reisen vom 22.06.1966 bis zu meinem Abschied
aus dem Fiko
berichte, werde ich erst einmal von vielen unterschiedlichen
Ereignissen berichten, die
während der Fahrenszeit auf der KELLERMANN sich ereigneten,
jedoch zeitlich nicht mehr von mir eingeordnet werden können.
"Rache
der Hochseefischer im Überseehafen"
Wir
liefen unter Schlepperhilfe zu einer neuen Fangreise aus und
wurden bis kurz hinter der
Warnemünder Mole von zwei Schleppern bugsiert. Soweit ich
mich erinnere drehte unsere
Maschine mit wenigen Umdrehungen mit. Nach dem Verlassen des
Molenfahrwassers in Richtung See warf zuerst der achtere Schlepper
nach Signal die Leine los. Kurze Zeit später gab der vordere
Schlepper ebenfalls Signal und warf, da bereits genügend
Fahrt im Schiff war, die Schlepptrosse ab. Zum gleichen Zeitpunkt
merkten wir, dass unsere Hauptmaschine unnatürlich schnell
hochgefahren wurde.
Als
nächstes gab es so etwas wie einen dumpfen Knall, der Schornstein
spie dicken schwarzen
Qualm aus und dann war Ruhe im Schiff. Die Schlepper, die bereits
abgedreht hatten
kamen nach Typhonsignal zurück und nahmen uns wieder auf
die Haken. Das geschah
alles in Windeseile. Wir wurden im beengten Fahrwasser um 180°
gedreht und nun
ging es wieder zurück bis in den Überseehafen. Was
auf der Brücke los war hat uns später der Rudergänger
erzählt.
Angekommen im Überseehafen legten wir uns im Päckchen
neben einen 10000 Tonner der Friedenklasse. Wie die Größenverhältnisse
hierbei
sich uns darstellten merkten wir erst, als wir an Land wollten
und von unserem Peildeck auf das
Schanzkleid des Großen treten konnten. Natürlich
nur unter Einsatz eines Laufstegs, der uns vom Großen
zur Verfügung gestellt wurde. Da wir vom Zoll inzwischen
frei gegeben wurden, sowie Hunger und Durst bekamen, meldeten
wir uns zu viert an Bord ab und begaben uns nichts ahnend, in
unseren Fischereiklamotten, in den KONSUM
an der Pier.
Nachdem
wir unseren Einkauf im Korb hatten, wollten wir bezahlen. Plötzlich
sahen wir uns einer aufgebrachten Frau gegenüber, die von
uns verlangte sofort das Geschäft zu verlassen. Was wir
selber nicht riechen konnten hat dieser Verkäuferin die
Sinne geraubt. Den ganzen Laden hat sie gegen uns in Rage gebracht.
Damit es nicht noch eskalierte haben wir ohne Einkauf den Laden
vorerst verlassen. Was war der Anlass für diesen Eklat,
ganz einfach, es war der Geruch unserer Klamotten.
Da wir so etwas nicht auf uns sitzen lassen wollten haben wir
an Bord uns
intensiv umgesehen und hatten Glück. Einige Kollegen der
Verarbeitung haben den Laderaum
gesäubert und dabei ein Stück Filet gefunden welches
bereits sehr stark gerochen hat. Wahrscheinlich hatte die Löschgang
sich verbotenerweise mit Filet versorgt und
dieses Stück Filet wohl übersehen, oder sie wurden
gestört. Nun hatten wir was wir wollten. Daraufhin hat
einer von uns sich umgezogen und ist mit dem Stück Gammel
in einer
Tüte zurück zum KONSUM gegangen. Dort hat er das Stück,
da wegen der kalten Jahreszeit geheizt wurde,
zwischen
einem Heizkörper und der Wand versenkt.
Es
hat auch nicht sehr lange gedauert und die nächsten Einkäufer
kamen aus dem besagten
KONSUM zurück und schimpften, dass der Konsum aus Not geschlossen
hat, da
es dort unsäglich gestunken hat und die gesamte Konsumbesatzung
nach der Ursache
gesucht hat. Wir haben darüber unseren Mund gehalten und
einige Verarbeiter haben
uns mit Freude in den Augen angesehen. Am nächsten Vormittag
wurden wir wieder neu ausklariert, die Maschine lief wieder
wie eine Biene und wir waren auf dem Weg
zum Fangplatz.
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