Teil XIX Bernd Leverenz erzählt über seine Erlebnisse als Hochseefischer

 

"Wenn Hochseefischer hungerrn und dursten sollen, kann so manches passieren!"

 

 

BERNHARD KELLERMANN

Verschiedene Berichte und Ansichten

 

Bevor ich von meinen letzten Reisen vom 22.06.1966 bis zu meinem Abschied aus dem Fiko berichte, werde ich erst einmal von vielen unterschiedlichen Ereignissen berichten, die während der Fahrenszeit auf der KELLERMANN sich ereigneten, jedoch zeitlich nicht mehr von mir eingeordnet werden können.

 

"Rache der Hochseefischer im Überseehafen"

Wir liefen unter Schlepperhilfe zu einer neuen Fangreise aus und wurden bis kurz hinter der Warnemünder Mole von zwei Schleppern bugsiert. Soweit ich mich erinnere drehte unsere Maschine mit wenigen Umdrehungen mit. Nach dem Verlassen des Molenfahrwassers in Richtung See warf zuerst der achtere Schlepper nach Signal die Leine los. Kurze Zeit später gab der vordere Schlepper ebenfalls Signal und warf, da bereits genügend Fahrt im Schiff war, die Schlepptrosse ab. Zum gleichen Zeitpunkt merkten wir, dass unsere Hauptmaschine unnatürlich schnell hochgefahren wurde.

Als nächstes gab es so etwas wie einen dumpfen Knall, der Schornstein spie dicken schwarzen Qualm aus und dann war Ruhe im Schiff. Die Schlepper, die bereits abgedreht hatten kamen nach Typhonsignal zurück und nahmen uns wieder auf die Haken. Das geschah alles in Windeseile. Wir wurden im beengten Fahrwasser um 180° gedreht und nun ging es wieder zurück bis in den Überseehafen. Was auf der Brücke los war hat uns später der Rudergänger erzählt.

Angekommen im Überseehafen legten wir uns im Päckchen neben einen 10000 Tonner der Friedenklasse. Wie die Größenverhältnisse hierbei sich uns darstellten merkten wir erst, als wir an Land wollten und von unserem Peildeck auf das Schanzkleid des Großen treten konnten. Natürlich nur unter Einsatz eines Laufstegs, der uns vom Großen zur Verfügung gestellt wurde. Da wir vom Zoll inzwischen frei gegeben wurden, sowie Hunger und Durst bekamen, meldeten wir uns zu viert an Bord ab und begaben uns nichts ahnend, in unseren Fischereiklamotten, in den KONSUM an der Pier.

Nachdem wir unseren Einkauf im Korb hatten, wollten wir bezahlen. Plötzlich sahen wir uns einer aufgebrachten Frau gegenüber, die von uns verlangte sofort das Geschäft zu verlassen. Was wir selber nicht riechen konnten hat dieser Verkäuferin die Sinne geraubt. Den ganzen Laden hat sie gegen uns in Rage gebracht. Damit es nicht noch eskalierte haben wir ohne Einkauf den Laden vorerst verlassen. Was war der Anlass für diesen Eklat, ganz einfach, es war der Geruch unserer Klamotten.

Da wir so etwas nicht auf uns sitzen lassen wollten haben wir an Bord uns intensiv umgesehen und hatten Glück. Einige Kollegen der Verarbeitung haben den Laderaum gesäubert und dabei ein Stück Filet gefunden welches bereits sehr stark gerochen hat. Wahrscheinlich hatte die Löschgang sich verbotenerweise mit Filet versorgt und dieses Stück Filet wohl übersehen, oder sie wurden gestört. Nun hatten wir was wir wollten. Daraufhin hat einer von uns sich umgezogen und ist mit dem Stück Gammel in einer Tüte zurück zum KONSUM gegangen. Dort hat er das Stück, da wegen der kalten Jahreszeit geheizt wurde, zwischen einem Heizkörper und der Wand versenkt.

Es hat auch nicht sehr lange gedauert und die nächsten Einkäufer kamen aus dem besagten KONSUM zurück und schimpften, dass der Konsum aus Not geschlossen hat, da es dort unsäglich gestunken hat und die gesamte Konsumbesatzung nach der Ursache gesucht hat. Wir haben darüber unseren Mund gehalten und einige Verarbeiter haben uns mit Freude in den Augen angesehen. Am nächsten Vormittag wurden wir wieder neu ausklariert, die Maschine lief wieder wie eine Biene und wir waren auf dem Weg zum Fangplatz.

 

 

Hier folgt die Fortsetzung Teil XX