Teil III Bernd Leverenz erzählt über seine Erlebnisse als Hochseefischer

 

"Mein Traum ging in Erfüllung-Fischfang mit einem Trawler"

 

 

Wie bereits gewohnt, begann diese Reise mit dem Ausrüsten und dem anschließenden Ausklarieren durch die Zoll- und Grenzorgane.

Zum ersten Mal nahm ich das Auslaufen mit der Fahrt aus dem Fischereihafen, die Warnow hinunter, und der Fahrt durch den Seekanal richtig wahr. Nun lag Warnemünde mit seinem Leuchtturm achteraus und die Reise zur Nordsee hatte richtig begonnen.

Ein Erlebnis war für mich die Fahrt durch den Öresund, vorbei an den beidseitig liegenden dänischen und schwedischen Städten Kopenhagen und Göteborg.

Während der Anreise war ich wieder als Tagelöhner eingesetzt und wurde sporadisch zum Lernen als Rudergänger auf die Brücke beordert. Kurs halten war auf dem größeren Trawler mit der Knopfsteuerung einfacher als auf dem Logger. Ich habe mich schnell in das Steuern hineingefunden und hatte keinerlei Schwierigkeiten. Durch die Arbeit als Tagelöhner an Deck sah ich zum ersten Mal ein Grundschleppnetz mit allem Fischereizubehör.

Nach Erreichen des Fangplatzes begann die Fischerei und ich machte die Erfahrung, dass die Fischerei mit dem Grundschleppnetz auf Rundfisch sich grundsätzlich von der pelagischen Heringsfischerei unterscheidet. Wenn ich an Deck auch nur Lose von der Winde abholte, den Bobby austurnte und den geschlachteten Fisch mit den Beinen spülte wurde die Arbeit immer in Hast und Eile verrichtet. Nur der schnell gefangene Fisch bringt den Verdienst. Zwischendurch wurde mir das Schlachten der gefangenen Fische gezeigt. Es kostete Überwindung den Fisch vom After bis zu den Kiemen aufzuschneiden und die Innereien zu entnehmen. Es war erstaunlich wie schnell ich mich daran gewöhnt habe.

Zu Beginn der Reise wurden wir als Zubringertrawler für das Fabrikschiff M.A.NEXÖ eingesetzt und mußten unseren gefangenen Fisch nach einigen Hols per Übergabesteert übergeben. Nach einigen Tagen wurden wir als Zubringer von der NEXÖ entlassen und konnten auf Eigenfang gehen. Es wurde Tag und Nacht gefischt, an Schlaf war nur zu denken, wenn der Steuermann mich für 1-2 Stunden in die Koje schickte. So war das auf allen Trawlern während der Fangzeit. Es war sehr anstrengend.

Irgendwann wurde an unserer Hauptmaschine ein Schaden festgestellt, und wir liefen zur Reparatur den Hafen Harstadt an.

 

 

Das war für alle eine angenehme Unterbrechung, denn der Aufenthalt in fremden Häfen ist bei Fischereifahrzeugen nicht vorgesehen. Bei dieser Gelegenheit lernten wir beim Landgang einen westdeutschen Fischer aus Lübeck kennen, der uns auf sein in der Werft liegendes Schiff einlud. Dieses Schiff war ein richtiger Dampfer des Baujahres 1949 und mächtig heruntergekommen. Es war ein Schock, das Innere dieses Schiffes zu sehen, wir waren uns einig in der Ansicht auf einem schönen und gepflegten Schiff zu fahren. Nach der Reparatur setzten wir die Fischerei fort.

Ein über den Fangplätzen heraufziehender Orkan zwang uns, Schutz in einem norwegischen Fjord zu suchen. Schutz fanden wir im Gryllefjord mit der gleichnamigen kleinen Fischersiedlung. Es war ein atemberaubender Anblick.

 


 

 

In dieser wunderschönen Landschaft haben wir 2 Tage geankert und liefen nach der Wetterberuhigung wieder zum Fangplatz aus und setzten die Fischerei noch einige Tage fort.

Endlich wurde mit noch an Deck zu verarbeitendem Fisch die Heimreise angetreten. Wieder war ich Tagelöhner und wurde nur gelegentlich auf die Brücke beordert. Ich war darüber ganz zufrieden, denn so hatte ich die Nächte zum Schlafen.

Die Heimreise verging wie im Fluge, als der Öresund hinter uns lag war es nicht mehr weit. Vor Warnemünde konnte ich bei ablandigem Wind bereits den Geruch der Fischmehlfabrik in Marienehe riechen. Oder war es nur Einbildung ?

Nach 28 Tagen Reisedauer machten wir wieder in Marienehe fest, der Geldmann kam mit der Lohntüte in der auch die Abrechnung der Loggerreise steckte. Es war ein Schock, als ich feststellte, dass meine Transitrechnung auf dem Logger 80,-M betrug. Das 5 Schachteln Zigaretten und ein Kasten Selters so teuer sein sollten ging mir nicht in den Kopf. In der Lohnbuchhaltung erfuhr ich auf Nachfrage, dass etliche Flaschen Schnaps, sowie Wein und Bier auf meiner Rechnung standen. Da haben wohl einige meinen Einstand ohne mein dabeisein gefeiert. Mir wurde der Rat gegeben beim Zoll Anzeige zu erstatten, das habe ich jedoch unterlassen.


Beim Verlassen der OELSNITZ habe ich dann gesehen das der Urlauber, den ich vertreten hatte, an der Pier stand. Da war für mich klar, dass die OELSNITZ zur nächsten Reise ohne mich auslaufen wird.


Zu der Zeit war es üblich, dass die in Rostock beheimateten Besatzungsmitglieder der eingelaufenen Schiffe mit einem ROBUR-Bus nach Hause gebracht wurden, bis vor die Haustür.

 

Hier folgt Fortsetzung Teil IV