Teil XXXI Bernd Leverenz erzählt über seinen Abschied als Hochseefischer

 

"Leider müssen wir ab hier Bernd seinen weiteren Lebensweg allein gehen lassen."

 

 

Bernd Leverenz

 

Der weitere Weg und ein schwieriger Anfang




Der Alltag hat mich nach meinem Verlassen des Fiko gepackt. Die Aussicht auf eine privat vereinbarte Ausbildung zum EDV-Techniker zerstob nach einem Einstellungsstop und damit ergab sich für mich nur noch ein zurück in den Beruf als Tischler.

Es war ernüchternd in den Kaderabteilungen zu hören, dass ein Tischler nach 6-jähriger Abwesenheit im Beruf nicht benötigt wird. Als Hilfsarbeiter wäre ich sofort eingestellt worden. Nach einer Woche Arbeitssuche traf ein Brief vom Arbeitsamt Berlin ein,im Inhalt wurde mir unterstellt, ich würde ein asoziales Leben führen.

Trotz intensiver Arbeitssuche dann so etwas. Um diesen Brief habe ich mich nicht gekümmert, jedoch plötzlich sah ich Licht am Horizont, denn ich wurde in einer Möbelfabrik als Tischler eingestellt. Nach einer Tätigkeit von sechs Monaten wurde ich von diesem Betrieb zum Erwerb des Industriemeisters an eine Abendschule delegiert.

Mitten während der Ausbildung wurde ich kurz vor meinem 26 Lebensjahr aus meiner Berufsplanung zur Ableistung meines 18 Monaten Grundwehrdienstes bei der Armee einberufen. Ich war total bedient.

Im Anschluß wollte ich von einem neuerlichen Schulbesuch nichts mehr wissen. Drei Jahre später wurde ich noch einmal zur Reserve für 8 Wochen eingezogen. Im Jahre 1974 hat mich mein Betrieb zum ersten Mal auf Auslandsmontage geschickt und war in der Folge bis 1989 immer wieder in den verschiedensten Ländern unterwegs.

Bereits 1979 wurde ich als Leiter einer Montagebrigade mit einem entsprechenden Arbeitsvertrag ausgestattet. Wir bauten Hotels, Kongresszentren und Botschaften aus. Da war es selbstverständlich, dass ich wochenlang von zu Hause fort war. Die sogenannte Wende habe ich unbeschadet überstanden, mußte mir jedoch einen neuen Arbeitgeber suchen.

Auch mein Betrieb wurde abgewickelt und alle Kollegen ohne irgendeine Abfindung entlassen. Ich blieb in Berlin und habe bis zum 31.10.2004 in der Dekorationswerkstatt der Deutschen Staatsoper als Tischler gearbeitet. Einen Tag später war ich dann mit vorgezogener Altersrente im wohlverdienten Ruhestand. 47 Arbeitsjahre lagen hinter mir. Für diese 47 Jahre wurde meine Rente mit 10,8% Abzug belegt. Von wegen, 45 Arbeitsjahre mit voller Rentenberechnung. Da vergessen unsere Politiker zu gerne das entscheidende, von ihnen vorgegebene, Geburtsjahr.

 


Anmerk.: So wurde Bernd zum Ende seiner Berufslaufbahn doch noch zum Verlierer der deutschen Wiedervereinigung.

Alle Leser Deiner Lebensgeschichte wünschen Dir noch viele sorgenfreie Jahre im Ruhestand und

vergiß nicht Deine 6 Jahre bei der Hochseefischerei, auch wenn sie nicht immer ganz leicht waren!