Hochseefischer erzählt aus seiner Fahrenszeit

 

"Erklärung für den Begriff "Lords"

 

 

 

von Fischers Fritze (anonym)

 

Also wie war das mit den Lords?

 

Ich kann mich noch gut an die Logger- und Seitentrawlerfahrtzeit erinnern.

Die Zeit am Fangplatz war, wenn richtig gute Fischerei war, schon manchmal eine elende Schinderei. Hieven, dicker Hol, aussetzen, 3 Stunden schleppen, davon 2 Stunden Fische verarbeiten und wenn wir gut waren, dann 1 Stunde Schlaf. Hieven, dicker Hol, aussetzen, 3 Stunden Fische schlachten und in den Raum bringen. Kein Schlaf. Manchmal 36 Stunden und mehr an Deck gestanden, ohne Schlaf. Und das bis zu 14 Tage lang.

Fische verarbeiten heißt, alle Mann an Deck und schlachten, schlachten, schlachten, im Küt stehen. Wasser kommt an Deck, nassen Arsch gekriegt, Seestiefel voll, ausgekippt und wieder angezogen. Krank, was war das? Wenn ja, dann auf die Brücke ans Ruder, also lieber an Deck.
Wenn der Fischersmann dann an Land (Rostock) kam, ging er in das Hansa-Kaufhaus, später Centrum und kaufte sich erst einmal einen tollen Anzug und ein Hemd. Man wollte erst mal raus dem Geruch des Schiffes. Geld hatte man ja genügend und unter den schwierigsten Bedingungen verdient.

Ja, und hier kam dann der Ausdruck für den Fischer her: "Sieht aus wie ein Lord". Ich kenne Leute, die dann diesen tollen Anzug auf der nächsten Reise wieder bei der Fischerei anhatten.

Ja und nächste Reise wieder dasselbe, Anzug war nun abgetragen, also musste ein Neuer her.