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Guntram
Suczek berichtet über seine Erlebnisse auf den Fischereischiffen
des DFK Rostock
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Erinnerungen an einen Obst-und Gemüseeinkauf für die Flotte in ArgentinienAnfang Dezember 1977 lief ROS 317 „ Junge Garde „ von Rostock nach Süd-Georgien aus. Unsere Flotte sollte erstmals in der Geschichte der DDR -Hochseefischerei den Eisfisch ( Nototheniidae ) fangen und verarbeiten. Trotz 27 Reisetagen hin ,kamen alle Fahrzeuge gut an ( auch ohne Satellitennavigation ) und alle kehrten auch wohlbehalten nach Rostock wieder zurück. Die Länge der Reise ist mir nicht mehr in Erinnerung,sie muß aber lang gewesen sein,denn es wurde in der Flotte verstärkt der Wunsch geäußert nach frischem Obst und Gemüse . Es ist bestimmt noch in Erinnerung, dass es selbst der gut funktionierenden Schiffsversorgung im Winter schwerfiel, unsere Schiffe ausreichend mit Obst und Gemüse zu versorgen. Problemlos erhielten wir von Rostock umgehend die Erlaubnis, für 20.000 $ US in Argentinien einzukaufen. Das war zur damaligen Zeit eine große Summe Valuta. Da ein eigenes KTS zur erforderlichen Übernahme von Frostware am Platz war, mußte kein Fahrzeug aus dem Fangprozess zum Einkauf nach Argentinien geschickt werden. Mein Fangleiter See erkannte zwar, das dieser Einkauf und die nachfolgende detaillierte Verteilung auf alle Fahrzeuge unserer Flotte zentral gesteuert werden sollte, aber dass ich mich dafür prädesteniert hielt, löste anfangs bei ihm keinen Begeisterungsturm aus. Damit wäre ich ja für ihn ca.2 Wochen nicht erreichbar gewesen. Er wurde überzeugt. Die Hinreise auf dem KTS nach Bahia Blanca dauerte , so glaube ich mich zu erinnern, mehr als 4 Tage. In einer unserer Unterhaltung ließ der Kapitän freundschaftlich durchblicken, er wäre auch gern ohne „ Obrigkeit „ an Bord nach Argentinien gefahren. .Wenn ich ihn nicht missverstanden habe, sprach er so nebenbei von einer neuen Lederjacke. Auch ich war , wie man so treffend formulierte, gelerner DDR-Bürger und wenig bewandert in der Politik und den praktischen Verhältnissen in fremden Staaten. Der Aufendhalt in Bahia Blanca war recht aufregend und brachte völlig neue Erkenntnisse in mein Leben ( ehrlich , deshalb habe ich mich ja auch nach der Aufgabe gedrängelt). Allerdings hatte ich auch erstmalig ein Angstgefühl und richtige Gänsehaut.. Wir mußten auf Reede ankern , zwei Besatzungsmitglieder und ich wurden in einem Motorboot vom Makler abgeholt. Dieser war ein gebürtiger Österreicher, somit konnte ich die paar Vokabeln Spanisch vergessen. Während der Bootsfahrt zum Hafen verließ mich die Erwartungsfreude auf dieses unbekannte Land. Der Makler erklärte uns u.a., in Argentinien herrscht eine Militärdiktatur, da wird nicht lange gefackelt. Im Auto grundsätzlich den Kopf an die Frontscheibe,keine Bewegung und die Hände mit den Handflächen nach oben auf das Armaturenbrett legen , keine ruckartigen Bewegungen. Heute gehört das schon zum Alltag eines Filmes. Die erste Gänsehaut bildete sich im Hafen. Angekommen, die Leiter hoch , da ging es gleich los .Wir wurden von mehreren Soldaten mit starren Gesichtern, völlig unbekannten Uniformen und anlegten Sturmgewehren zu den Autos eskortiert. Das sollte aber noch nicht alles gewesen sein. Hinter dem Stacheldraht der Hafenbegrenzung führte eine breite Straße zur Stadt. Also Hände aufs Armaturenbrett und ängstlich starr nach vorne geblickt , jetzt ist es aus, so dachte ich. In unregelmäßigen Abständen standen links und rechts der Straße Betonklötzer mit Schießscharten. Aus jeder Schießscharte wurde der große,hässliche Lauf eines MG auf uns gerichtet und bewegte sich mit uns,bis wir in das Schussfeld des nächsten MG-Laufs gelangten. Ich konnte mich bis zur Stadt nicht daran gewöhnen. Natürlich wurde auf uns nicht geschossen. Im Büro des Maklers wurden die nötigen Fragen geklärt und da es mittlerweile auch abends geworden war, schaffte er uns in ein Hotel. Absolutes argentinisches Flair. Der Makler mußte wieder weg, sagte aber , dass wir essen können nach Karte ,was wir möchten . Spanische Speisekarten konnten wir natürlich nicht lesen, aber die Preise rechts sehr gut. An eine kleine Diskussion unter uns dreien kann ich mich noch gut erinnern. Wir fühlten uns echt als Vertreter unserer DDR und wollten diese keinesfalls blamieren . Wenn wir uns für billiges Essen entscheiden, könnten die anderen denken, dass muß aber ein armer Staat sein. Essen wir zu teuer,verfressen wir dringend benötigte Devisen unseres Staates. Ich glaube , wir trafen uns in der Mitte. Danach machten wir uns zu einem kleinen Spaziergang um unser Hotel auf. Ich muß hier nicht näher darauf eingehen , welchen Eindruck diese hell erleuchteten Schaufenster und Straßen auf uns machten. Gänsehaut war weg. Etwas verwunderlich, wenig oder gar keine Menschen auf der Straße. Senioritas erst recht nicht. Plötzlich ein schriller Ton und schon war die Gänsehaut wieder da. Auf der schnurgeraden Prachtstrasse kam eine Kolonne Millitärfahrzeuge angefahren. Während der Fahrt sprangen Soldaten mit ihren Waffen ab und postierten sich in den Hauseingängen. An einigen mußten wir auf dem Weg zurück vorbei. Die kalten, starren Augen veranlassten uns , den schnellsten Weg zum Hotel zu nehmen. Was wussten wir, was eine Militärdiktatur macht , oder nicht. Wir wurden aber nicht belästigt oder drangsaliert. Die Bereitstellung unseres Einkaufs, trotz der großen Menge, verlief recht zügig. Zu der Zeit sollen wir DDR-Bürger alle gern Bananen gegessen haben. Ich hatte auch reichlich bestellt und von Einkäufen in Norwegen her daran gewohnt, dass diese eine bestimmte Form und Farbe vorweisen mußten. Von den mir gezeigten war ich nicht begeistert. Viel reifer und kleiner als die uns bekannten und gewünschten. Ich dachte an die harten Valuta, die unser Staat dafür bezahlen sollte und wollte eine andere Sorte mit besserer Qualität. Die Verantwortlichen zeigten mir ihren gesamten Kühlbereich. Da war nicht eine Banane mehr. Im Stillen dachte ich, da hat der Händler seine ganzen Altbestände an uns verkauft und bin dabei auch etwas unhöflich geworden. In nachfolgenden Gesprächen versuchten sie mir zu erklären , was eine Militärdiktatur auch für den Handel bedeutet. Argentinien hat wohl keine eigene Bananen. Außerdem wurden zu dem Zeitpunkt ( und so etwas Ähnliches ) kannte ich aus der Heimat )möglichst viel im Gebiet Mar del Plata zur Fußball-WM konzentriert. Na ja. Die letzte Frage des Händlers war , was ich mir für die 3% Provision wünsche. Das war eine ansehnliche Summe. Da fiel mir der Wunsch des Kapitäns des KTS ein. Lederjacke. Das wäre da als normales Geschäftsgebaren angesehen worden. Ich hatte zu viel Respekt vor harten Devisen und kaufte für die Provision noch zusätzlich Obst. Ich war zu jeder Zeit erstaunt, mit welcher Achtung , man kann bald sagen großem Respekt uns die Argentinier behandelten. Der Makler klärte uns auf. Das deutsche Panzerschiff „ Admiral Graf Spee „ versenkte sich 1939 vor Montevideo selbst. Die überlebende Besatzung siedelte sich in Argentinien an und muß sich wohl Achtung und Respekt erworben haben. Und da wir Deutsche waren, färbte das wohl etwas auf uns ab. Mir fiel bei unser Rückfahrt zum Hafen auf, es lagen einige sowjetische Frachter an der Pier,die mühsam mit Getreide beladen wurden. Aus unserer Presse wusste ich, dass die USA und Kanada für Getreide , welches die SU kaufen wollte, ein Lieferboykott ausgesprochen haben. Dass aber Argentinien liefert, war mir nicht bekannt. Später dachte ich mir, ob da ein Zusammenhang bestand zwischen dem Gerücht von möglichen Satelliteninformationen der SU an die argentinische Luftwaffe währen des Falklandkrieges. Ich fragte nur den Makler , warum das Getreide nicht in so einem großen Hafen mit Elevatoren oder Exhaustern verladen wird. Er zeigte es mir. Er zeigte mir reichlich davon. Aber alle waren gesprengt. Wer das war , sagte er nicht .Er wies nur in Richtung Norden. Die Rückreise und Verteilung an die Flotte verlief problemlos. Aber dann folgten die Spitzen. Wie befürchtet , gelangten die Bananen mehr als sehr reif auf die Schiffe. Man fragte sich dann spöttisch über UKW ( wohl wissend ,dass ich das auch hören würde ), ob denn schon Bananensuppe pur gekostet wurde und ähnliche Spitzen. Ich glaube nicht, dass unsere offizielle Erklärung zur Lage in Argentinien überzeugt hat. Wir dachten doch damals alle , in jedem Land, außer unserem eigenen, gibt es nur Superqualität, erst recht für harte Devisen . Ob wir diese Meinung in den vergangenen Jahren relativiert haben ? |