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Guntram
Suczek berichtet von einem unangenehmen Erlebnis auf See
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Es soll nur eingangs nochmals erwähnt werden, dass alle Naturgewalten die ein Schiff treffen konnten ( und sie haben unsere Fahrzeuge getroffen ) von unseren Besatzungen verlustfrei überstanden wurden. Dies spricht doch auch heute noch für sehr solide seemännische Ausbildung, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse von uns Hochseefischern. In diesem Zusammenhang muss aber auch die wirklich hervorragende Arbeit unser Schiffbauer aus Wolgast, Stralsund , Wismar und Rostock anerkannt werden. Dank dieser guten Voraussetzungen haben wir zwar kein Schiff verloren, aber einen Verlust der anderen Art habe ich erlebt. Ist mir heute noch gegenwärtig. Ein Arzt, der auf See seine Patienten verließ und mit einem englischen Fischdampfer ins Asyl fuhr.
Wir waren mit unserem FVS bei Island auf Rundfisch .Unter anderen waren auch englische Fischdampfer ( wir nannten sie umgangssprachlich „ Tommys „) mit am Platz. Da wir das einzige Schiff waren ,welches einen Arzt an Bord hatten blieb es nicht aus ,dass wir med. Hilfe geleistet haben. An einen dieser „ Tommys „,der in unserem Lazarett vom Doc. operiert wurde,kann ich mich noch erinnern. Sehr gut auch an den Doktor. Wir von der Decksgang saßen oft mit ihm in seiner Kammer. Er ergötzte sich an unseren erfundenen ,oder tatsächlichen Erlebnissen mit Frauen,wir hielten uns dafür an seinem „ Spritus für med. Zwecke“schadlos. Ehrlich gesagt ,es hat uns auch etwas geschmeichelt,dass ein so guter Doktor sich so ohne Standesdünkel mit uns unterhielt. Eines Tages , ich hatte Ruderwache,wurde unser Kapitän von einem „ Tommy „über UKW gerufen. Diese Stimme würde ich heute noch unter vielen erkennen. Sehr rauchig,mehr krächzend wurde die Bitte hervorgebracht ob unser Doktor nicht zu einem Verunfallten an Bord kommen könnte. Wie gesagt , wir hatten schon einen Mann von diesem Schiff in unserem Lazarett,welches dazu auch noch voll belegt war. Ich erinnere mich noch sehr genau,dass deshalb unser Kapitän starke Bedenken hatte. Wie der Doktor die Bedenken ausräumte,entzog sich naturgemäß meiner Kenntnis. Der Arzt wurde mit unserem Boot übergesetzt. Die Zeit verging,unser Kaptän wurde auch wegen des vollen Lazeretts unruhig,da immer noch keine Rückkehr unseres Doktors sich abzeichnete. Anfragen über UKW wurden ausweichend,oder gar nicht beantwortet. Nachts rief unser Kapitän mich auf die Brücke und sprach einen Verdacht aus. Seine Order an mich war eindeutig. Suche dir noch drei kräftige Männer aus ,fahrt rüber und bringt den Doktor zu seinen Patienten zurück. Aus taktischen Gründen nahmen wir auch den nun wieder transportfähigen Seemann zum „ Tommy „mit. Er hatte bei uns ja vorzügliche Hilfe und Pflege erhalten. Vielleicht,so dachten wir,könnte er positiven Einfluss auf seinen Kapitän zur baldigen Rückkehr des Doktors nehmen. Als wir drüben waren ,fiel mir die gedrückte Stimmung der Brückenwache auf. Die rauchige Stimme hörte ich allerdings nicht .Irgend etwas stimmt hier nicht,das war mir klar. Der Verdacht meines Kapitäns schien sich zu bewahrheiten. Aber ich brauchte Gewissheit. Eine Auskunft von der Brückenwache bekam ich nicht. Auf meine höfliche Frage,ob ich unseren Doktor auf dem Schiff suchen dürfe,wurde mit Achselzucken beantwortet. Eine Hoffnung redete ich mir noch ein. .Er ist eventuell versumpft und schläft. Wir suchten,fanden ihn aber nicht. Da mein Auftrag klar war,suchte ich die Kammer des Kapitäns. Die zu finden,ist nicht schwer für einen Seemann. Ich formulierte im Kopf meine Frage im besten Oxford-Englisch ( ha,ha). Da ich mich im Recht befand, schließlich sollte der Arzt zu seinen Patienten zurück,klopfte ich recht energisch an die Tür des Kapitäns. Nach einer Weile wurde diese aufgerissen. In diesem Augenblick sah ich unseren Arzt mit dem Rücken zu mir am Tisch sitzen. Da hörte ich diese unverwechselbare ,rauchige,krächzende Stimme: What is the matter? Als ich sagte ,ich möchte nur unseren Arzt sprechen, steigerte sich die Lautstärke erschreckend und ich vergaß das Gesagte bis heute nicht. „ Hock it you fucking german bastard communist“. Dann fiel die Tür lautstark ins Schloß,der Schlüssel wurde umgedreht. Ich hatte also keine Chance unseren Patienten ihren Arzt zurückzubringen. Auf der Brücke sprach ich über UKW mit meinem Kapitän. Ich bin sicher ,es hörten viele mit. Wir sollten zurück. Bis zur Bordwand wurden wir vom I.Offizier und dem Patienten begleitet. Wir hörten von beiden beim Ablegen ein leises „ sorry „ Paar Tage war der „ Tommy „ noch am Fangplatz,wurde aber von den eigenen Kollegen geschnitten. Irgendwie später haben wir gehört ,die Reederei des „ Tommy“ habe den Kapitän abgelöst. Der Arzt soll in die BRD gereist sein. Ich würde diese Episode ,wenn schon nicht als Schiffsverlust,so doch als Verlust der niederen Art bezeichnen.
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