Erinnerungen an das "Aufsteigen" vom Schriftsteller

Landolf Scherzer und seine

Reise als "Prodi" auf der ROS 303 "Friedrich Wolf"

Erzählt von Hans-Joachim Franz

 

 

 Heute möchte ich über das "Aufsteigen" vom Schriftsteller Landolf Scherzer und seine Reise als "Prodi" auf der ROS 303 "Friedrich Wolf", sowie das Entstehen seines Buches "Fänger und Gefangene" berichten.

Es ist zwar über 30 Jahre her, aber mir ist es wie heute : Die Neujahrsfeiertage 1977/78 waren vorbei und Mitte Januar ging es wieder Richtung HdH (Haus der Hochseefischer oder "Hölle"), da kamen mir schon die ersten Kollegen entgegen und murrten.

Grund: Alle welche die mehr als 100 Tage Urlaub gespart hatten oder im Mai zur "Fahne" mussten, durften nicht mehr aufsteigen. Auch Tauchlehrgänge und andere Qualifizierungsmaßnahmen wurden vorgezogen sodass fast die halbe Stammbesatzung ausfiel. Es kamen dafür jede Menge Lehrlinge mit, die ihre "Praktikumsreise" absolvieren mussten. Jeder gefahrene Kollege weis was es heißt, wenn eine eingespielte Crew auseinandergerissen wird und dementsprechend war die Stimmung.

Auf der "Fietje" angekommen ging es sogleich ans "Ausrüsten". Unsere Meister B. Dammeier und I. Schmidt teilten Gruppen ein und ich musste mit ein paar "Neuen" Proviant auf die Brooken packen die der Kran dann Richtung Kühllast beförderte.

Zwischenzeitlich war der "Buschfunk" in Aktion getreten und die "Spitzenmeldung" lautete:

Wir kriegen auch noch einen Schriftsteller an Bord. Nun waren wir alle hell "begeistert", noch einer neben den GdK der einem über die Füße stolperte so dachten wir. Dass sich das als großer Irrtum herausstellte zeigte sich bald. Aber erstmal moserte ich, beim Mehlsäcke und Schweinehälften schleppen, so über die neue Lage vor mich hin.

Ein neuer etwas älterer Kollege hörte mich und  schaute mich etwas traurig und betroffen von der Seite an, arbeitete aber emsig mit. Kurze Zeit später fragte mich Meister Schmidt, na wie macht sich der Schriftsteller?

Uff!!! Das war also der stille fleißige Kollege neben mir. Später auf See, bei der Überfahrt zum Fangplatz sah ich, Landolf packte überall mit zu, ob Kartonage schleppen oder Laderaum ausfegen immer "mittenmang". Nur, vom für "Neulinge" obligatorischen, Trautank reinigen blieb er verschont, denn er konnte im Gegensatz zu uns Schreibmaschine schreiben und so vereinnahmte ihn unser "Produktionsboss" Engelbert Nowakowski sofort zum Berichte- und Listenschreiben.

Es ergab sich, dass Landolf Scherzer mit einem Lehrling (Rüdiger Vollmar) in meine Nachbarkammer zog, dann gab er mir mal eines seiner Erstlingswerke, es lautete "Spreewaldfahrten", zum Lesen. So entdeckte er meine Neigung für ein gutes Buch. Da ich nicht Teppich knüpfte oder Modelle baute, las ich auf jeder Reise immer mal was Gutes. Als ich ihm offenbarte, dass ich auch Homers "Illias"! nicht verschmähte, bekam ich von da an den Spitznamen "Odysseus" verpasst und so geistere ich mit diesem durch die Literaturgeschichte der DDR.

Um es kurz zu machen, Landolf Scherzer stand seinen Mann bei "Voll Fisch" und "Schwere See", er schrieb dabei eines der bekanntesten und zutreffendsten Bücher über die Hochseefischerei im Fiko. Wie gesagt die Reise dauerte meines Wissens nach von Jan 1978 bis Anfang Mai 1978. Danach trennten sich unsere Wege, erst im April 1979 kam er mich in meiner Urlaubszeit in meiner damaligen Heimatstadt Merseburg besuchen. Er brachte den Entwurf des Buches mit (also das Manuskript), es war ziemlich umfangreich und beinhaltete nicht nur unsere Reise sondern auch Fragen der Umwelt und deren Folgen der Massenfischerei.

Erst im Jahre 1983!!! ging das Buch in den Druck. Zwar hatten zuständige Lektoren und andere das Manuskript um über die Hälfte "abmagern" lassen, aber es blieb noch genug Brisanz und ungeschminkte Darstellung der oftmals harten Arbeit an Bord übrig.

Vielleicht hatte sich die Kombinatsleitung damals eine fröhliche Werbeschrift für´s Fiko erhofft, denn zu einer Einladung des Kombinats oder gar einer Buchlesung durch Landolf im "Tred Wehrenberg-Saal" ist es meines Wissens nie gekommen. Aber auf See wurde das, was vom "Fänger und Gefangene" zu erhaschen war gierig verschlungen.

Das Buch war zu DDR-Zeiten immer eine Rarität. Auch ich musste erst Landolf um Hilfe bitten eins für mich zu "organisieren".

Mit seiner persönlichen Widmung : <Für Franzel-Odysseus in Erinnerung an unsere gemeinsame Reise. Landolf>

Bleibt es eine meiner schönsten Erinnerungen an die Fahrenszeit im Fiko Rostock. Auf See wurde damals von den Funkern das Buch seitenweise abgeschrieben und über Funk von Schiff zu Schiff weitergegeben.

 

So nun zum Abschluss meine schon im Gästebuch geäußerte Bitte:

Kollegen die diese, ich glaube 45. Fangreise von "Friedrich Wolf", mit gemacht haben:

 

Versucht über diese Homepage oder über meine am Schluss stehende Adresse Kontakt mit mir aufzunehmen. Leider bin ich an die Musterrolle dieser Reise nicht rangekommen. Da spielen wohl "datenschutzrechtliche" Gründe eine Rolle.

So verblasst mancher Name nun langsam in der Erinnerung, denn Landolf hatte sich ja auch für jeden einen Spitznamen ausgedacht. Vielleicht kann man sich im Rahmen des großen Hochseefischertreffens im April 2010 mal wiedersehen.

 

Landolf Scherzer habe ich das erstemal nach 20 Jahren im Jahr 1998 in Neubrandenburg wiedergesehen und danach ca. alle 5 Jahre noch 2 mal zu Buchlesungen.

Er schreibt immer noch, auch jetzt offen und kritisch über die über uns gekommene neue Zeit.

 

So liebe Kollege, dir Ihr hier durch Gilles Seiten surft, das waren meine Erinnerungen an eine "Reise mit Schriftsteller Landolf Scherzer"

 

Es grüßt wie immer mit fröhlichem "Hei geit"

 

Hans-Joachim Franz (Odysseus)

 

(Auch Mitglied im Warener Hochseefischer-Stammtisch)