.... Hochseefischer erzählen über Ereignisse an Bord der Fangschiffe-

 

."Aus den Erinnerungen des Hochseefischers Heizer Tom"

 

 

 

Verflixte Krankheiten an Bord

 

 

sind wir jetzt bei Krankheiten.....irgendetwas auf See zu bekommen war wirklich Schei,,,,,,,!
In der Hauptsache hatte ich es mit den Zähnen zu tun ( abgesehen von den kleinen Krabbeltieren ), aber werde mal krank auf so einem Kleinen Trawler....keine Krankenschwester, kein Arzt....nur ganz "vertrauensvolle" und experimentierfreudige II. Steuerleute, die ihr angelerntes Wissen von der Seefahrtschule ausprobieren wollten, also wurde erstmal ein 1mm Bohrer ausgeglüht, damit in das Loch im Zahn herum gebohrt! "Junge, halt still", war die harmloseste Hinweis...ich in den Maschinenraum verabschiedet: " spüle mit Kamille".So bin ich tagelang durch den M-Raum getigert, dicke Backen voller Kamillentee und des Nacht's über den Betriebsgang voller Schmerzen!

Als gar nichts mehr ging, trotz "Bohren" die Backe immer dicker wurde hieß es ab, auf den "Großen".
Nun musste der Alte fluchend die Fischerei unterbrechen zum "Grossen" dampfen, die Jungs machten das Schlauchboot klar und haben mich
zum "Grossen" hinüber gepaddelt (auf den Seitenschuh's wurde noch gepaddelt). Mit der ersten grossen Welle sprang ich an die Jakobsleiter und
krallte mich fest, bei Minusgraden da oben in Labrador wurde die Wand an der "Garde" immer höher, die Finger gefroren zu gebogenen Krallen ehe
ich oben ankam - da waren meine Jungs schon lange auf dem Rückweg, verschwanden in der Dunkelheit zwischen den Wellen. Nur der Suchscheinwerfer meines Dampfers versuchte sie zu erfassen - und ich hing immer noch an dieser langen Wand.

...als ich oben ankam, interessierte sich kein "Schwein" für mich. Die Decksgang war mit den Übergabesteerten beschäftigt, so dass ich mich zum Arzt durchfragen musste, der schaut mich an, meint, egal der muss raus, das geht am schnellsten. So war es auch, kaum hatte ich mich versehen, war der Zahn raus, der Arzt schickte mich danach auf die Brücke.


Wie komm ich zur Brücke auf dem "Grossen"? Ein riesenlanger Betriebsgang, der langsam am Ende sich senkte, ich dachte, will der nicht mal wieder
hoch kommen, dann begann er zu steigen,zu steigen und hörte nicht mehr auf, ich hatte das Gefühl einen Berg besteigen zu müssen!
Froh war ich, als ich auf der Brücke ankam, durch die Fenster den Horizont sah - ich glaube die Langsamkeit der Bewegungen hatte mich Seekrank
gemacht, dagegen war ja unser Seitentrawler ein "Stehaufmännchen"! Und Leute waren auf der Brücke, jede Menge, auch das war ich nicht
gewohnt, da wurde palavert, die Flotte dirigiert, sich über die Steerte gestritten. Ich hatte zu warten und war heilfroh, als mich "meine" Jungs wieder
"nach Hause" auf meinen Trawler holten!


So habe ich noch manchen Zahn gelassen, einen auf einer Russenbase, einen Zahn auf einem polnischen Verarbeiter, einen Zahn bei einem portugiesischen Zahnarzt im tiefsten Afrika! Auf diese Art kann man auch den Lebens - und Leidensweg eines Seemannns verfolgen.............und sich jetzt Sprüche von den Zahnärzten an Land anhören: "Haben Sie Ihre Zähne nicht gepflegt? Oder warum fehlen die Alle? Toll, Erklärungen sinnlos, versteht eh keiner, also leben wir mit den Sprüchen......

Schönes Wochenende allen
Heizer Tom

Logische Fortsetzung zum Zähnebericht:

Ertappt !!

Wir fischten nun schon seit Wochen hier oben in Labrador, zum Teil war die Fischerei gut, und lies uns unsere Hoffnungen beim Auslaufen im November in Rostock auch bestätigen.Aber die Stürme warfen uns zurück, der Alte musste immer auf's Neue den Kabeljau suchen, die Angaben so mancher anderer Schiffe erwiesen sich auch als getürkt! So war die Stimmung nicht mehr auf dem Höhepunkt, jetzt in der Art: "Netz rein ,Netz raus ,
Tag ein, Tag aus" ......

Der Koch konnte die Stimmung mit seinem Essen auch nicht mehr aufbessern, im Gegenteil, er musste sich immer mehr Nörgeleien anhören, dabei gab er sich die grösste Mühe, aber wenn selbst das Weißkraut, für seinen durchaus schmackhaften Salat ausgegangen war, die vertrockneten Möhren und Schwarzwurzeln auch nichts mehr hergaben, blieb ja nur noch der Selleriesalat aus der Büchse und das Rotktaut aus Gläsern....

Da konnte der Alte noch soviel fischen, die Jungs nörgelten, motzten, am besten, man ging sich aus dem Weg! Man kannte ja doch schon alle Geschichten, Heimatpost war auch nicht in Sicht, die Filme nun schon zum dritten Mal gesehen, selbst das Zusammenschneiden "eigener" Liebesfilme aus den vorhandenen Filmkassetten war auch nicht mehr.

"Der" Brüller, selbst die Politik taugte nicht mal mehr für Streitgespräche...... In diese Situation platzte die Nachricht, so in der Art:" Partei und Regierung....in ihrer grenzenlosen Güte...., haben für Euch Devisen (sprich Dollar) zur Verfügung gestellt,damit in St.Johns/Newfoundland Obst und Gemüse gekauft werden kann für die Flotte". Ich weiß nicht mehr, ob die Kapitäne nun wie üblich eine Dankesmeldung absetzen mussten, aber Tatsache ist, dass ein Spezi nach St.Johns dampfte und Obst und Gemüse kaufte!

Einige Tage später, nach der Übergabe an den "Grossen" tauchte ein Schlauchboot auf, beladen mit Kisten voller grünbäckiger Äpfel, Apfelsinen, herrrlich duftender roter Tomaten, sogar ein 10 Kilo Karton mit schönsten Weintrauben, da leuchtete fast die kalifornische Sonne hier oben im trüben Labrador!
Alle, die irgendwie munter waren, halfen dem Koch die Kisten zu verstauen, damit ja nichts in der Kälte umkam, ein Duft zog durch den Betriebsgang, der nun allen ein Strahlen auf das Gesicht zauberte! Der Alltag war weg, jeder freute sich auf den nächsten Tag und was der Koch hervorzauberte!

Wie immer wurde ich am nächsten Morgen zur Wache 03:30 geweckt, mühsam schob ich mich aus der Koje, stand vorm Spiegel am Waschbecken und erschrak! Was war das, wie sah ich aus? Grosse rote Flecken im Gesicht, auf der Schulter und als ich mich umdrehte rote Flecken auf dem
ganzen Rücken! Was hab ich , die Pest? Oder was ist das?


Erst mal ganz ruhig, ab in die Maschine, Wache ablösen, Rundgang machen, Kaffee trinken. ... Der Steuermann hatte gehievt und war nun am Aussetzen....Nachdem er seine Schleppsteigung erreicht hatte, trat wieder Ruhe im Schiff ein, dann bin ich auf die Brücke! Erstmal den morgendlichen "Smalltalk", wie war die Nacht, der Steuermann konnte seinen Frust loswerden, weil der Alte einen Hacker gefahren hatte und seine Jungs nun wieder Arbeit hatten!!

Nachdem er sich beruhigt hatte, kam ich, ganz kleinlaut: " Steuermann, hör mal, ich hab hier was! Ist das die Pest oder was? Tut nicht weh, aber sieh mal!". Damit drehte ich mich um, zog mein Hemd leicht hoch und der Steuermann fängt lauthals an zu lachen:" Ertappt, Heizer, ha,ha, ha, Du hast von den Tomaten geklaut....!"

Ich musste zugeben, die eine oder andere Tomate beim hinunter tragen gegessen zu haben, zu verführerisch war der Duft, der alles enthielt, was uns hier so fehlte, sie rochen geradezu nach Land, Frische, Garten, ach hier rochen sie geradezu nach den süssesten Früchten, die an Land an der Pier auf uns warteten.....!

"Junge, Du hast eine Tomatenallergie, weil Du lange kein frisches Gemüse bekommen hast, das wird sich in den nächsten Tagen geben, du kannst beruhigt schlafen!"

Schnell das Hemd in die Hose gestopft und ab in meinen Maschinenraum, Mittags, beim Mittagstisch blinzelt mich der Steuermann verschwöhrerisch an, als er genüsslich seinen Tomatensalat zu sich nahm !

Das war eine Wiederholung aus " Krankheiten gestern und heute " von Heizer Tom !!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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