.... ein Hochseefischer erzählt über Ereignisse an Bord eines Z-Trawlers (Spezi)

 

Aus den Erinnerungen des Hochseefischers Heizer Tom

"Explosion vor SüdOst-Afrika"

Teil VII

 

 

Seit Jahren wurden die Spezialzubringertrawler, die sogenannten" Spezis" nach Sczcecin auf die Szczeciska Stocznia Remontowa Gryfia , kurz die
Inselwerft inmitten der Oder zur turnusmäßigen Werftüberholung geschickt.
Deshalb gingen die Garnelentrawler ebenfalls nach Sczcecin. Bei den Werftarbeitern und Verantwortlichen hatte sich schon eine gewisse Routine herausgebildet, so dass sie die Überholung gelassen angingen.


Die Besatzung kannte im wesentlichen auch den Ablauf, die Erfahrenen gaben ihre Kenntnisse beim Umtausch von DDR Mark in Zloty, sowie
ihre Kenntnisse von Kaskade, Bristol und mehreren einschlägigen Clubs gern weiter, so machten aller 2 Jahre auch die Jungen ihre immer neuen Erfahrungen in den polnischen Gegebenheiten............
Aber vor dem Vergnügen wurde oft der Schweiß gesetzt, denn nach 90 Tagen auf See, davon 30 Tagen Heimreise von Mocambique um das
Kap der Guten Hoffnung herum bis nach Rostock gab es nicht die ersehnte Freizeit, sondern das Schiff musste "abgerüstet" werden.


Fluchend schlugen alle Decksleute sämtliche Netze an, hievten sie von Bord, kurz , das Schiff wurde leergeräumt, die Maschinisten überprüften alle Türschlösser, Schlüssel. Es wollte alles gut abgesichert werden auf den Weg nach Polen.
Dann die Überführung, gern liess man das Schiff vor Świnoujście - Swinemünde auf Reede liegen. Die Werft hatte noch keinen Platz und das nach 90 Tagen, die Stimmung war im Keller und führte dazu, dass nach dem endlich erfolgten Festmachen in der Werft die ersten einfach verschwanden...

Sie warteten nicht erst ihr Seefahrtsbuch ab, sondern der PA reichte und fort waren sie. Manchen trafen wir abends wieder, drüben auf dem Festland in der Werftwache, ohne Personalausweis, ohne Geld, ja sogar ohne Hosen und schimpfte über die Nutten, Taxifahrer und die Miliz. Oh,oh nur gut, dass das Schiff noch da war.
Die Wachen waren eingeteilt und uns blieb noch die Werftabsprachen. Hatte in Rostock der Bauleiter schon um einiges den Bauauftrag gekürzt, so kam jetzt der Vertreter des Kombinates und kürzte den Auftrag auch um einiges ( wir waren vorbereitet und hatten schon diverse Aufträge erteilt, bei denen wir wussten, sie würden sowieso gestrichen....).
Endlich konnte die eigentliche Absprache mit dem polnischen Bauleiter beginnen. Ich glaube, ich konnte "gut" mit ihm. Er wollte respektiert werden und dem haben wir jeden Morgen erstmal mit 100 gr. Zubrowka und Salamifrühstück Rechnung getragen.

Danach konnte er die Aufträge flüssig durchgehen und mein Polnisch hatte sich erstaunlich verbessert, besonders beim Fluchen, wenn wieder etwas nicht so laufen wollte, wie es sollte! Unser Interesse lag während der gesamten Werftzeit darin, frisch überholt, in guter Qualität endlich wieder auf See zu kommen!
Daher wunderten sich so manche polnischen Wertarbeiter, bzw. Studenten, die die Tanks reinigen sollten, dass wir selbst in die letzten Ecken der Doppelböden unter der Hauptmaschine krochen und die vergessenen Putzlappen ans Tageslicht brachten. Dennoch, wie sich zeigen sollte, bei der Fülle der Arbeiten, man konnte nicht alles kontrollieren und war auf die eigenständige Qualitätsarbeit angewiesen. Leider war dies noch nicht vergleichbar mit heutigen Ansprüchen, waren die Verhältnisse doch noch ganz anders.

Selbst die beiden Gesellschaftssysteme spielten eine Rolle Z.B.der Maschinenmeister, der die Hauptmaschine auseinandergenommen hatte, war auf
einmal weg, wie ich hörte, absolvierte er seinen jährlichen mehrmonatigen Seeeinsatz auf einem westdeutschen Frachter, so verdiente er sich
ein mehrfaches als sein Werftgehalt.
Auch blickten wir voller Neid auf die westdeutschen Schiffe, die in der Werft überholt , bzw durch Einfügen neuer Sektionen erweitert wurden,
wie deren Korrosionschutz erfolgte, mit Sandstrahlen, Grundierungen, Schleifen....aber dafür reichten wohl unsere Rubelverrechnungen nicht,
dabei wäre so ein Korrossinsschutz für die tropischen Gewässer vor Mocambique bitter nötig, stattdessen mussten schon in Rostock
die ersten Rostflecken wieder bearbeitet werden :(
Natürlich zog sich so die Werftzeit hin, wurde für alle zur Belastung und nicht nur die Besatzung war froh, wenn das Schiff endlich die
Probefahrt absolviert hatte. Nun in Rostock die letzten Prüfungen überstand, ausgerüstet wurde und wir endlich auf dem Weg nach Afrika, zum Kap und nach Mocambique waren.......



Vor den ruhigen Gewässern hatten wir aber noch die Biskaya vor uns, hier geriet das Schiff das erste Mal so richtig in's Schaukeln und siehe,
was war das ? Auf einmal dreht es Kreise. Das Ruder reagierte nicht mehr, lag nach Bb, also drehte das Schiff, einmal gegen die Wellen,
gleich darauf dwars See, mächtig schaukelnd drehte es sich vor die Wellen...bis der Alte aufstoppte. Natürlich wieder der Ruf :" Heizzzzeeeer!"
Gemeinsam mit dem E-Meister stand ich im Rudermaschinenraum unter der Heckslip rätzelnd vor dem Hydraulikaggregat, dass die zwei
gewaltigen Hydraulikzylinder, die die Ruderdüse bewegen sollte, mit Oeldruck versorgte. Äußerlich alles in Ordnung, die Pumpen liefen, die Ventile schienen in Ordnung, aber nichts bewegte sich...Schon wollten wir die komplizierten Hydraulikventilen auseinanderreissen, da erinnerte mich der E-Meister an unsere alte Regel, nach der Werftzeit erst dort zu schauen, wo gearbeitet wurde......und das war hier der kleine Oeltank unter der Pumpe, er war zum Reinigen aufgegeben! Schnell den Deckel aufgemacht, mit der Hand, dem Arm suchend im Tank herumgefischt und siehe da, direkt unter dem Saugrohr der Pumpe ein Putzlappen, in der letzten Ecke, schon halb in das Rohr gesaugt, versperrte er dem Oel den Weg und das Schiff drehte Kreise.........

Wenn das im Hafen oder im Engl.Kanal, der gerade hinter uns lag, passiert wäre....

Hier mussten wir nur das Schaukeln aushalten! Weiter konnte unsere Reise gehen , ohne Kreise, auf dem richtigen Kurs, der ging geradewegs nach Süden, an Mauretanien vorbei. Vor Namibia kamen fast "heimatliche" Gefühle auf. Auf dem UKW die Stimmen von Peter, Rudi und, und......
Und da waren sie schon zu sehen; Supertrawler, eine dunkle Rauchfahne hinterherziehend, schleppten am Horizont. Das Gelb, grau schon verwittert gegen unseren fast neuen Werftanstrich!
Dort kam ein Päckchen in Sicht, die "Lichtenhagen" hatte einen Supertrawler an der Bb-Seite.
Schon stand unser Alter mit seiner massigen Gestalt in der Nock mit seinem berühmten "Tropenhelm", eine weisse Schiebermütze auf dem Kopf,
und gab seine ruhigen Kommandos an den 2. Steuermann weiter, der in der Brücke am Fahrpult stand."Maschine langsam, Ruder 20 Grad Bb", " Ruder geradeaus", "Ruder hart Stb. Maschine halbe zurück". "Maschine Stopp" .Der steuermann drehte den Verstellproeller in die gewünschte Stellung, Der Alte beobachtete das Schraubenwasser und wie das Schiff langsam an der Bb- Seite des Supertrawlers zum Stehen kam.
Flugs flogen die Wurfleinen, die Decksleute setzten die Spring-, Vor-und Achterleinen.
Fest waren wir am Supertrawler. Unser Dampfer viel kleiner als solch ein riesiges Fabrikschiff, schoss an den "Bulleneiern ( Fendern) immer auf und ab, aber in der langen Dünung wurden die Bewegungen ruhiger und wir konnten zu unserer eigentlichen Aufgabe übergehen.

Bereits noch kurz vor dem Auslaufen in Rostock wurden plötzlich zwei Kesselwagen neben unseren Dampfer geschoben. Mein Maschineninspektor und der Fangleiter kamen am Sonnabend in der Frühe. Der Supertrawler hatte viel Motorenoel durch Wassereinbruch verloren, brauchte dringend 40 Tonnen Motorenoel.
Solch eine Tankkapazität hatten wir gar nicht. Also wurde beschlossen, die Achterpiek, mit ihren 45 T Diesel wieder abzupumpemn, den Tank zu reinigen, trocken zu wischen und dann darin das Oel zu lagern.
Also wieder einmal, All Hands, den Tank belüftet , eingestiegen, gereinigt und durch den offenen Tankdeckel das Motorenoel eingefüllt.Wie sollte es übergeben werden? Schnell eine transportable Pumpe von den Motorenschlossern aus der Werkstatt und Schläuche aus dem Lager mit dem Inspektor persönlich geholt und ab ging die Post. Den Rest werden wir erleben!

Nun lagen wir hier, meine Jungs machten die Pumpe klar, öffneten den Tankdeckel, ich sprach mit dem Alten in der Nock den Vorgang ab.
Als an Deck des Suppi's ein Geschrei ertönte, einer mit frisch gestärkten weissen Hemd, schrie dort einige Leute an, die dabei waren den Schlauch zu verlegen, auch zu mir herüber schrie er, kann das nicht schneller gehen, wir wollen wieder fischen!
Ich, laut zu meinem Kapitän:" Hein, was ist das für ein gelackter Heini?", es dauerte keine zwei Minuten scharrt das UKW:" Hein komm mal auf 77", "Ja?";
"Hein, wer ist das in der dreckigen Kombi in deiner Nock"; " Mein Heizer!"," Na, iss gut, meiner wollte sich gerade über ihn beschweren, lass uns mal unser Geschäft in Ruhe durchführen, dann kommen wir wenigstens mit dem Motorenoel über die Runden und können hier bleiben!"
Die Kapitäne reagierten also in dieser schwierigen Situation viel ruhiger und ausgeglichener, als wir Heizer!

In Maputo angekommen, erhielt ich meine Lektion, der Alte zu mir :" Heizer, treck di mol ne saubere Buchs övver, de Botschafter kommt!", natürlich habe ich mir schnell eine saubere Hose angezogen, mich aber nach kurzer Zeit unter dem Vorwand "unaufschiebbare Reparaturarbeiten warten auf mich" in den Maschinenraum verholt!

Nun waren wir auch wieder im Fanggebiet angemeldet, der Fischereivertreter hatte aber noch einen Auftrag für uns, zur Versorgung der Sassnitzer Fischer oben in Beira. Also auf nach Beira, den Stützpunkt der Sassnitzer und Hafenstadt der Provinz Sofala.


Es war immer interessant die Sassnitzer zu erleben, deren Arbeit ich bewundern musste auf ihren 27 m Kuttern, aber noch interessanter war ein uns
dort gebotener Ausflug zum Camp der "Reichsbahnleute" aus der DDR, die mitten im Busch die alte Eisenbahnlinie nach Malawi wieder befahrbar machen sollten und die wir in einem Restaurant der Stadt bei Serveza und Krabbensuppe (..eine wässrige Lösung und darin schwamm ein Dwarsläufer, igit,igitt, aber ohne Suppe gab es kein Bier!))! antrafen.

Schon die Fahrt mit deren Toyota war ein Erlebnis. Zusätzlich zu den Schlaglöchern der Piste, Allenthalben ein Schlagbaum, Kontrollen der schwerbewaffneten Frelimo, deren finstere Gesichter sich bei dem Ausspruch "RDA" (DDR) aufhellten und den Schlagbaum öffnen lies!
(Hier im Busch von Afrika, Mocambique hatten die drei Buchstaben einen guten Klang, dagegen in der Heimat selbst, die Menschen sich
mehr und mehr davon nicht mehr beeindrucken ließen!)

Die Reichsbahnleute, ein bunter Haufen, die früh morgends mit ihren Reparaturzug aufbrachen, die Strecke reparierten, die in der Nacht wieder von den Rebellen zerstört wurde........
Ein langes Wechselspiel, man kann froh sein, dass die Jungs dort unbeschadet raus gekommen sind, denn auch ihre Beschützer waren beim ersten Schuss verschwunden, so konnten sie nur ordentlich Dampf machen und mit ihrem Zug verschwinden. Erstaunlich der Alkoholkonsum im Camp, aber unser Gastgeschenk, Rostocker Hafenbräu und Sauerteig, zur Herstellung von Schwarzbrot war hochwillkommen.

Wir freuten uns über frisch geerntete Kartoffeln, hatten unsere Kartoffeln an Bord doch schon wieder ellenlange Triebe angesetzt......


Im Dorf, das zum Camp gehörte, konnte man die fleißigen schwarzen Frauen sehen, die die Felder bestellten, alle Arbeiten erledigten und ihre Männer bestaunen, die den Tag dösend vor der Rundhütte verbrachten. Natürlich wurden wir ebenso bestaunt von den vielen Kindern, denen so bleiche Gesellen auch nicht normal vorkamen!

Aber unser Kapitän drängte, endlich, endlich wollte er wieder fischen nach so langer Zeit und nicht noch mehr Zeit hier oben in der Mitte Mocambiques vertrödeln. Deshalb hat er auch gleich südlich von Beira unterhalb der Seepferdchenwiese ausgesetzt. Die Netze endlich am Grund, ordentlich ausgeatmet:"..nun kann das wahre Leben beginnen". Zufrieden schaute er auf das Echolot, verschränkte die Arme über dem Radargerät und schaute nach vorn, nichts ahnend was im Bauch des Schiffes vor sich ging.

Ich saß beim Kino in der Messe, als der M-Assi außer Atem angelaufen kam: " Tom, komm schnell...!" Das war ernst, ich schnell hinterher. Schon auf dem Betriebsgang alle Sinne angespannt, auf den Handläufern runtergerutscht in den Maschinenraum. Die Augen nahmen nichts Unnormales auf,
auch die Geräusche wie immer, eben sprang der Luftkompressor ratternd an, drüben "sang" der Separator.
Aber die Nase spürte unnormal heiße Luft, es roch nach heißen Teilen im sonst schon heißen Maschinenraum! Runter an der Hauptmaschine entlang,
die Hände prüfend an die Schauklappen gehalten, dort die Gebläseklappen - knallend heiß. Schnell hinauf in den Schalttafelraum, die Wache komplett hier und der Maschinist deutet nur auf die Oeltemparatur der Hauptmaschine,.schon betätigte ich den Notausschalter.
Sofort stand die Maschine, damit auch kein Licht mehr, alles Dunkel...Nachtstille, mit einmal ertönt ein mächtiger Knall, rumms, ein Schlag erschütterte das Schiff! Durch das Schalttafelfenster war mit dem Knall Feuerzungen unterhalb der Abgasleitung zu sehen und nun flackerte Feuerschein an der Bb Seite des Maschinenraums.

Wir schauten uns hier unten an. Ich glaube wir hatten alle weiche Knien. In der Stille und Dunkelheit ertönten auf einmal von oben Rufe. Der Alte!
"Ja, wir sind okay!" gab ich ihm zur Antwort und gleichzeitig schmiß der Maschinist den grossen Hilfsdiesel an, wir hatten Licht, konnten die Absauglüfter in Betrieb nehmen. Gemeinsam liefen wir um die Hauptmaschine, es brannten zum Glück nur einige Putzlappen an der Vakuumpumpe, die der Kälteing. zerlegt hatte.Schnell waren diese gelöscht und wir konnten auch die Zulüfter in Betrieb nehmen, um die beißenden Abgase aus dem Maschinenraum zu bekommen.
Natürlich war der Alte jetzt zu uns in den Maschinenraum gekommen,berichtete, dass eine Druckwelle durch das Schiff gelaufen ist, der Netzmacher auf dem Betriebsgang dadurch stürzte, sich aber nicht verletzte. Also alle gesund, Maschine kaputt! Wir mussten erst einmal Bestandsaufnahme machen, uns selbst "organisieren"!

Inzwischen waren alle "Maschinesen" im Schalttafelraum angekommen, bei so etwas hielt es keinen in der Koje, schon die plötzliche Stille im Schiff lies uns munter werden und jetzt noch das Explosionsgeräusch......!

Wir mussten feststellen, soeben eine klassische Kurbelwannenexplosion erlebt zu haben. Die durch die Dekompressionsklappen abgeleitet wurde.
Verständlich, dass der Kapitän sofort die Ursache erfahren wollte, aber wer sollte dies schon sagen, wenn wir uns alle noch selbst ungläubig
anschauten. Dennoch, die ersten Schritte wollten eingeleitet werden, dazu wurde abgesprochen, alle öffnen gemeinsam sämtliche Schauklappen an der Hauptmaschine. Danach legen wir weitere Schritte fest.

Schon mit der ersten geöffneten Schauklappe am Kurbeltrieb fiel das Ausmaß der Explosion ins Auge. Die ganze Kurbelwanne war mit feinen weissen Explosionsrückständen bedeckt. Feinste weisse Asche muss entfernt, also der ganze Kurbeltrieb gewaschen werden. Aber an den Kolben, Pleullagern konnten keine Schäden festgestellt werden. Noch lag ich mit dem Oberkörper in der Maschine, als mich der 2.Heizer zum Gebläse holte, dass eigentlich bei Betrieb frische Luft von Deck ansaugte, über große Luftkanäle die Luft zu den Zylindern drückte und wenn der Kolben die Schlitze freigab, strömte die Luft in den Zylinder, spülte dabei gleichsam die alten Abgase hinaus, wurde bei der Aufwärtsbewegung des Kolbens verdichtet
und zündetet erneut mit dem eingespritzten Diesel.
Aber jetzt war offensichtlich, die Gebläsewelle saß fest, ein Kugellager blau angelaufen, selbst jetzt konnte man es noch nicht berühren, so heiss war es! Ein Wechsel des Lagers unvermeidlich.Nun konnten wir uns absprechen. Keiner, aber auch keiner von uns hatte in all den Jahren so einen Schaden schon einmal erlebt. Neuland für alle. Das weitere Vorgehen wurde abgesprochen, alle Maschinesen in zwei Gruppen geteilt ( das hieß bei uns , je 3 Mann), die sofort in 6/6 Wach - und Arbeitsstundensystem gingen. Nur ich, als Heizer werde alle zwei Schichten durchgehend begleiten, so war gewährleistet, dass alle im "Normalzustand" arbeiten können und einer die Arbeitsabläufe zuordnen konnte.

Das Schiff lag "gut" vor Anker, die zwei Netze auf über 400 m Wassertiefe mit fast 2000 m Kurrleine hielten das Schiff und zum Glück lag es in der langen Dünung ruhig.
Noch am Abend, wir hatten fast das Gebläse ausgebaut, wurde ich in den Funkraum gerufen. Der Funker drückte mir den Hörer in die Hand :"Rostock", flüsterte er fast erfurchtsvoll. Ich hatte noch nie von See telefoniert, wer hatte schon damals ein Telefon zu Hause? Jetzt krächzte eine Stimme im Hörer:" Heizer, sind sie gesund, gab es Personenschäden?". Die Stimme des Fangleiters in Rostock klang ehrlich besorgt und es war ihm hoch anzurechnen, dass er sich als erstes nach unserem Befinden erkundigte. Ich schilderte unsere Situation und unser Vorgehen.
Er wünschte uns Glück bei der Reparatur und schon war die Verbindung mit der Heimat beendet.

 



Es folgte anstrengende Arbeit, alle "unsere" Mittel wurden eingesetzt, so wurde die neue Welle im Gefriertunnel tiefgekühlt, in der Kombüse auf dem Herd, im besten Topf vom Koch Maschinenoel erhitzt und darin das neue Kugellager erwärmt. Als alles auf Temperatur war, lief der Kälteing vom Gefriertunnel mit der Welle und der Deckschlosser von der Kombüse mit dem Lager gleichzeitig los, ein regelrechter Staffellauf, so konnten die beiden Teile im Maschinenraum vereinigt werden, das Lager flutschte nur so auf die Welle, nachdem beide Teile die Umgebungstemperatur angenommen hatten, saßen sie so fest, dass sie wieder Jahre halten konnten!



Natürlich kam jetzt die Frage auf, warum lief das alte Lager fest und hatte solch eine dramatische Wirkung? Die Lösung war simpel und offenbarte Mängel der Werftüberholung (da hatte der Maschinenmeister gefehlt!).
Das Lager, ein sogenanntes Z-Kugellager, bei dem eine Seite des Lagers völlig abgedeckt ist und die andere Seite den Blick auf die Kugeln freigibt, war vermutlich in der Werft verkehrt eingebaut worden. Die abgedeckte Seite zeigte zum Oelstrahl, so konnte das Lager nicht geschmiert werden, das Oel lief einfach an der Abdeckung ab! Mit dem ersten Aussetzen wurde die Maschine erstmals voll belastet und das Lager ging mangels Oelmangel fest! Durch das Auslösen des Notstopps wurde dem Lager das letzte bißchen Kühlung beraubt und der Oeldunst entzündete sich in der Maschine!
Mein Fehler, hinterher ist man schlauer.....,ein "normales" Abstellen mit laufenden Oelpumpen hätte zumindest die Explosion verhindert!
(Habe ich mir beim nächtelangen Grübeln über unser eigenes Handeln gedacht. So eine Sache hat uns schon wochenlang "beschäftigt".

Nach 48 Std war die Reparatur beendet, natürlich hofften wir alle, dass es gelungen sein möge.....Als die Maschine lief, das Gebläse normale Werte anzeigte, stieg die Stimmung! Mich schickten die Jungs in die Koje, ich muss wohl fürchterlich ausgesehen haben, aber schlafen konnte ich dennoch nicht. Der Körper musste wohl zuviel Adrenalin abbauen..........

Nur jetzt hatten die Matrosen die Sorgen, wie werden die Netze heraufkommenen? Es war nicht zu schlimm, nur die inneren Bretter hatten sich verharkt. Das hatten die Jungs schnell im Griff! Endlich konnten wir fischen, für die nächste Zeit konnten wir die Beine im Schalttafelraum hoch legen, es lief wieder alles wunderbar.

Doch da hatten wir die Rechnung nicht mit dem Fangleiter gemacht, der stieg auf unser Schiff über und offerierte uns seine Pläne für neue Garnelentrawler. Es hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, auf Dauer müssten unsere Schiff durch Neubauten ersetzt werden. Schon jetzt sollten wir an
den Bedingungen für diese mitarbeiten, nix mit Beine hoch legen!

Dabei war abzusehen, die Garnelenfischerei, so wie wir sie betrieben, obwohl erfolgreich, mussten doch jährlich zu
den 900 Tonnen über Lizenzen für Garnelen, weitere Tonnen bei der Fischereibehörde in Mocambique nachgekauft werden, wird es so nicht mehr geben. Das bedeutete auch damals für uns Arbeitsplatzabbau, Minimalbesatzung. So wie es Japaner, Spanier seit Jahren in Mocambique mit einheimischen Besatzungen betrieben.

Die Ereignisse im Jahr 1990 ließen dann diese Pläne nicht mehr Wirklichkeit werden. Dennoch hatte unser Engagement im Land auch danach noch einige Zeit Wirkung hinterlassen. So äußerte sich doch ein mocambiquanische Vertreter sinngemäß einmal :" ..die kleine DDR hat mehr Engagement und Anteilnahme für unser Land gezeigt, als das gemeinsame grosse Deutschland....!"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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