Seit Jahren wurden die Spezialzubringertrawler,
die sogenannten" Spezis" nach Sczcecin
auf die Szczeciska Stocznia Remontowa Gryfia ,
kurz die
Inselwerft inmitten der Oder zur turnusmäßigen
Werftüberholung geschickt.
Deshalb gingen die Garnelentrawler ebenfalls nach
Sczcecin. Bei den Werftarbeitern und Verantwortlichen
hatte sich schon eine gewisse Routine herausgebildet,
so dass sie die Überholung gelassen angingen.
Die Besatzung kannte im wesentlichen auch den
Ablauf, die Erfahrenen gaben ihre Kenntnisse beim
Umtausch von DDR Mark in Zloty, sowie
ihre Kenntnisse von Kaskade, Bristol und mehreren
einschlägigen Clubs gern weiter, so machten
aller 2 Jahre auch die Jungen ihre immer neuen
Erfahrungen in den polnischen Gegebenheiten............
Aber vor dem Vergnügen wurde oft der Schweiß
gesetzt, denn nach 90 Tagen auf See, davon 30
Tagen Heimreise von Mocambique um das
Kap der Guten Hoffnung herum bis nach Rostock
gab es nicht die ersehnte Freizeit, sondern das
Schiff musste "abgerüstet" werden.
Fluchend schlugen alle Decksleute sämtliche
Netze an, hievten sie von Bord, kurz , das Schiff
wurde leergeräumt, die Maschinisten überprüften
alle Türschlösser, Schlüssel. Es
wollte alles gut abgesichert werden auf den Weg
nach Polen.
Dann die Überführung, gern liess man
das Schiff vor Świnoujście - Swinemünde
auf Reede liegen. Die Werft hatte noch keinen
Platz und das nach 90 Tagen, die Stimmung war
im Keller und führte dazu, dass nach dem
endlich erfolgten Festmachen in der Werft die
ersten einfach verschwanden...
Sie warteten nicht erst ihr Seefahrtsbuch ab,
sondern der PA reichte und fort waren sie. Manchen
trafen wir abends wieder, drüben auf dem
Festland in der Werftwache, ohne Personalausweis,
ohne Geld, ja sogar ohne Hosen und schimpfte über
die Nutten, Taxifahrer und die Miliz. Oh,oh nur
gut, dass das Schiff noch da war.
Die Wachen waren eingeteilt und uns blieb noch
die Werftabsprachen. Hatte in Rostock der Bauleiter
schon um einiges den Bauauftrag gekürzt,
so kam jetzt der Vertreter des Kombinates und
kürzte den Auftrag auch um einiges ( wir
waren vorbereitet und hatten schon diverse Aufträge
erteilt, bei denen wir wussten, sie würden
sowieso gestrichen....).
Endlich konnte die eigentliche Absprache mit dem
polnischen Bauleiter beginnen. Ich glaube, ich
konnte "gut" mit ihm. Er wollte respektiert
werden und dem haben wir jeden Morgen erstmal
mit 100 gr. Zubrowka und Salamifrühstück
Rechnung getragen.
Danach konnte er die Aufträge flüssig
durchgehen und mein Polnisch hatte sich erstaunlich
verbessert, besonders beim Fluchen, wenn wieder
etwas nicht so laufen wollte, wie es sollte! Unser
Interesse lag während der gesamten Werftzeit
darin, frisch überholt, in guter Qualität
endlich wieder auf See zu kommen!
Daher wunderten sich so manche polnischen Wertarbeiter,
bzw. Studenten, die die Tanks reinigen sollten,
dass wir selbst in die letzten Ecken der Doppelböden
unter der Hauptmaschine krochen und die vergessenen
Putzlappen ans Tageslicht brachten. Dennoch, wie
sich zeigen sollte, bei der Fülle der Arbeiten,
man konnte nicht alles kontrollieren und war auf
die eigenständige Qualitätsarbeit angewiesen.
Leider war dies noch nicht vergleichbar mit heutigen
Ansprüchen, waren die Verhältnisse doch
noch ganz anders.
Selbst die beiden Gesellschaftssysteme spielten
eine Rolle Z.B.der Maschinenmeister, der die Hauptmaschine
auseinandergenommen hatte, war auf
einmal weg, wie ich hörte, absolvierte er
seinen jährlichen mehrmonatigen Seeeinsatz
auf einem westdeutschen Frachter, so verdiente
er sich
ein mehrfaches als sein Werftgehalt.
Auch blickten wir voller Neid auf die westdeutschen
Schiffe, die in der Werft überholt , bzw
durch Einfügen neuer Sektionen erweitert
wurden,
wie deren Korrosionschutz erfolgte, mit Sandstrahlen,
Grundierungen, Schleifen....aber dafür reichten
wohl unsere Rubelverrechnungen nicht,
dabei wäre so ein Korrossinsschutz für
die tropischen Gewässer vor Mocambique bitter
nötig, stattdessen mussten schon in Rostock
die ersten Rostflecken wieder bearbeitet werden
:(
Natürlich zog sich so die Werftzeit hin,
wurde für alle zur Belastung und nicht nur
die Besatzung war froh, wenn das Schiff endlich
die
Probefahrt absolviert hatte. Nun in Rostock die
letzten Prüfungen überstand, ausgerüstet
wurde und wir endlich auf dem Weg nach Afrika,
zum Kap und nach Mocambique waren.......
Vor den ruhigen Gewässern hatten wir aber
noch die Biskaya vor uns, hier geriet das Schiff
das erste Mal so richtig in's Schaukeln und siehe,
was war das ? Auf einmal dreht es Kreise. Das
Ruder reagierte nicht mehr, lag nach Bb, also
drehte das Schiff, einmal gegen die Wellen,
gleich darauf dwars See, mächtig schaukelnd
drehte es sich vor die Wellen...bis der Alte aufstoppte.
Natürlich wieder der Ruf :" Heizzzzeeeer!"
Gemeinsam mit dem E-Meister stand ich im Rudermaschinenraum
unter der Heckslip rätzelnd vor dem Hydraulikaggregat,
dass die zwei
gewaltigen Hydraulikzylinder, die die Ruderdüse
bewegen sollte, mit Oeldruck versorgte. Äußerlich
alles in Ordnung, die Pumpen liefen, die Ventile
schienen in Ordnung, aber nichts bewegte sich...Schon
wollten wir die komplizierten Hydraulikventilen
auseinanderreissen, da erinnerte mich der E-Meister
an unsere alte Regel, nach der Werftzeit erst
dort zu schauen, wo gearbeitet wurde......und
das war hier der kleine Oeltank unter der Pumpe,
er war zum Reinigen aufgegeben! Schnell den Deckel
aufgemacht, mit der Hand, dem Arm suchend im Tank
herumgefischt und siehe da, direkt unter dem Saugrohr
der Pumpe ein Putzlappen, in der letzten Ecke,
schon halb in das Rohr gesaugt, versperrte er
dem Oel den Weg und das Schiff drehte Kreise.........
Wenn das im Hafen oder im Engl.Kanal, der gerade
hinter uns lag, passiert wäre....
Hier mussten wir nur das Schaukeln aushalten!
Weiter konnte unsere Reise gehen , ohne Kreise,
auf dem richtigen Kurs, der ging geradewegs nach
Süden, an Mauretanien vorbei. Vor Namibia
kamen fast "heimatliche" Gefühle
auf. Auf dem UKW die Stimmen von Peter, Rudi und,
und......
Und da waren sie schon zu sehen; Supertrawler,
eine dunkle Rauchfahne hinterherziehend, schleppten
am Horizont. Das Gelb, grau schon verwittert gegen
unseren fast neuen Werftanstrich!
Dort kam ein Päckchen in Sicht, die "Lichtenhagen"
hatte einen Supertrawler an der Bb-Seite.
Schon stand unser Alter mit seiner massigen Gestalt
in der Nock mit seinem berühmten "Tropenhelm",
eine weisse Schiebermütze auf dem Kopf,
und gab seine ruhigen Kommandos an den 2. Steuermann
weiter, der in der Brücke am Fahrpult stand."Maschine
langsam, Ruder 20 Grad Bb", " Ruder
geradeaus", "Ruder hart Stb. Maschine
halbe zurück". "Maschine Stopp"
.Der steuermann drehte den Verstellproeller in
die gewünschte Stellung, Der Alte beobachtete
das Schraubenwasser und wie das Schiff langsam
an der Bb- Seite des Supertrawlers zum Stehen
kam.
Flugs flogen die Wurfleinen, die Decksleute setzten
die Spring-, Vor-und Achterleinen.
Fest waren wir am Supertrawler. Unser Dampfer
viel kleiner als solch ein riesiges Fabrikschiff,
schoss an den "Bulleneiern ( Fendern) immer
auf und ab, aber in der langen Dünung wurden
die Bewegungen ruhiger und wir konnten zu unserer
eigentlichen Aufgabe übergehen.
Bereits noch kurz vor dem Auslaufen in Rostock
wurden plötzlich zwei Kesselwagen neben unseren
Dampfer geschoben. Mein Maschineninspektor und
der Fangleiter kamen am Sonnabend in der Frühe.
Der Supertrawler hatte viel Motorenoel durch Wassereinbruch
verloren, brauchte dringend 40 Tonnen Motorenoel.
Solch eine Tankkapazität hatten wir gar nicht.
Also wurde beschlossen, die Achterpiek, mit ihren
45 T Diesel wieder abzupumpemn, den Tank zu reinigen,
trocken zu wischen und dann darin das Oel zu lagern.
Also wieder einmal, All Hands, den Tank belüftet
, eingestiegen, gereinigt und durch den offenen
Tankdeckel das Motorenoel eingefüllt.Wie
sollte es übergeben werden? Schnell eine
transportable Pumpe von den Motorenschlossern
aus der Werkstatt und Schläuche aus dem Lager
mit dem Inspektor persönlich geholt und ab
ging die Post. Den Rest werden wir erleben!
Nun lagen wir hier, meine Jungs machten die Pumpe
klar, öffneten den Tankdeckel, ich sprach
mit dem Alten in der Nock den Vorgang ab.
Als an Deck des Suppi's ein Geschrei ertönte,
einer mit frisch gestärkten weissen Hemd,
schrie dort einige Leute an, die dabei waren den
Schlauch zu verlegen, auch zu mir herüber
schrie er, kann das nicht schneller gehen, wir
wollen wieder fischen!
Ich, laut zu meinem Kapitän:" Hein,
was ist das für ein gelackter Heini?",
es dauerte keine zwei Minuten scharrt das UKW:"
Hein komm mal auf 77", "Ja?";
"Hein, wer ist das in der dreckigen Kombi
in deiner Nock"; " Mein Heizer!","
Na, iss gut, meiner wollte sich gerade über
ihn beschweren, lass uns mal unser Geschäft
in Ruhe durchführen, dann kommen wir wenigstens
mit dem Motorenoel über die Runden und können
hier bleiben!"
Die Kapitäne reagierten also in dieser schwierigen
Situation viel ruhiger und ausgeglichener, als
wir Heizer!
In Maputo angekommen, erhielt ich meine Lektion,
der Alte zu mir :" Heizer, treck di mol ne
saubere Buchs övver, de Botschafter kommt!",
natürlich habe ich mir schnell eine saubere
Hose angezogen, mich aber nach kurzer Zeit unter
dem Vorwand "unaufschiebbare Reparaturarbeiten
warten auf mich" in den Maschinenraum verholt!
Nun waren wir auch wieder im Fanggebiet angemeldet,
der Fischereivertreter hatte aber noch einen Auftrag
für uns, zur Versorgung der Sassnitzer Fischer
oben in Beira. Also auf nach Beira, den Stützpunkt
der Sassnitzer und Hafenstadt der Provinz Sofala.
Es war immer interessant die Sassnitzer zu erleben,
deren Arbeit ich bewundern musste auf ihren 27
m Kuttern, aber noch interessanter war ein uns
dort gebotener Ausflug zum Camp der "Reichsbahnleute"
aus der DDR, die mitten im Busch die alte Eisenbahnlinie
nach Malawi wieder befahrbar machen sollten und
die wir in einem Restaurant der Stadt bei Serveza
und Krabbensuppe (..eine wässrige Lösung
und darin schwamm ein Dwarsläufer, igit,igitt,
aber ohne Suppe gab es kein Bier!))! antrafen.
Schon die Fahrt mit deren Toyota war ein Erlebnis.
Zusätzlich zu den Schlaglöchern der
Piste, Allenthalben ein Schlagbaum, Kontrollen
der schwerbewaffneten Frelimo, deren finstere
Gesichter sich bei dem Ausspruch "RDA"
(DDR) aufhellten und den Schlagbaum öffnen
lies!
(Hier im Busch von Afrika, Mocambique hatten die
drei Buchstaben einen guten Klang, dagegen in
der Heimat selbst, die Menschen sich
mehr und mehr davon nicht mehr beeindrucken ließen!)
Die Reichsbahnleute, ein bunter Haufen, die früh
morgends mit ihren Reparaturzug aufbrachen, die
Strecke reparierten, die in der Nacht wieder von
den Rebellen zerstört wurde........
Ein langes Wechselspiel, man kann froh sein, dass
die Jungs dort unbeschadet raus gekommen sind,
denn auch ihre Beschützer waren beim ersten
Schuss verschwunden, so konnten sie nur ordentlich
Dampf machen und mit ihrem Zug verschwinden. Erstaunlich
der Alkoholkonsum im Camp, aber unser Gastgeschenk,
Rostocker Hafenbräu und Sauerteig, zur Herstellung
von Schwarzbrot war hochwillkommen.
Wir freuten uns über frisch geerntete Kartoffeln,
hatten unsere Kartoffeln an Bord doch schon wieder
ellenlange Triebe angesetzt......
Im Dorf, das zum Camp gehörte, konnte man
die fleißigen schwarzen Frauen sehen, die
die Felder bestellten, alle Arbeiten erledigten
und ihre Männer bestaunen, die den Tag dösend
vor der Rundhütte verbrachten. Natürlich
wurden wir ebenso bestaunt von den vielen Kindern,
denen so bleiche Gesellen auch nicht normal vorkamen!
Aber unser Kapitän drängte, endlich,
endlich wollte er wieder fischen nach so langer
Zeit und nicht noch mehr Zeit hier oben in der
Mitte Mocambiques vertrödeln. Deshalb hat
er auch gleich südlich von Beira unterhalb
der Seepferdchenwiese ausgesetzt. Die Netze endlich
am Grund, ordentlich ausgeatmet:"..nun kann
das wahre Leben beginnen". Zufrieden schaute
er auf das Echolot, verschränkte die Arme
über dem Radargerät und schaute nach
vorn, nichts ahnend was im Bauch des Schiffes
vor sich ging.
Ich saß beim Kino in der Messe, als der
M-Assi außer Atem angelaufen kam: "
Tom, komm schnell...!" Das war ernst, ich
schnell hinterher. Schon auf dem Betriebsgang
alle Sinne angespannt, auf den Handläufern
runtergerutscht in den Maschinenraum. Die Augen
nahmen nichts Unnormales auf,
auch die Geräusche wie immer, eben sprang
der Luftkompressor ratternd an, drüben "sang"
der Separator.
Aber die Nase spürte unnormal heiße
Luft, es roch nach heißen Teilen im sonst
schon heißen Maschinenraum! Runter an der
Hauptmaschine entlang,
die Hände prüfend an die Schauklappen
gehalten, dort die Gebläseklappen - knallend
heiß. Schnell hinauf in den Schalttafelraum,
die Wache komplett hier und der Maschinist deutet
nur auf die Oeltemparatur der Hauptmaschine,.schon
betätigte ich den Notausschalter.
Sofort stand die Maschine, damit auch kein Licht
mehr, alles Dunkel...Nachtstille, mit einmal ertönt
ein mächtiger Knall, rumms, ein Schlag erschütterte
das Schiff! Durch das Schalttafelfenster war mit
dem Knall Feuerzungen unterhalb der Abgasleitung
zu sehen und nun flackerte Feuerschein an der
Bb Seite des Maschinenraums.
Wir schauten uns hier unten an. Ich glaube wir
hatten alle weiche Knien. In der Stille und Dunkelheit
ertönten auf einmal von oben Rufe. Der Alte!
"Ja, wir sind okay!" gab ich ihm zur
Antwort und gleichzeitig schmiß der Maschinist
den grossen Hilfsdiesel an, wir hatten Licht,
konnten die Absauglüfter in Betrieb nehmen.
Gemeinsam liefen wir um die Hauptmaschine, es
brannten zum Glück nur einige Putzlappen
an der Vakuumpumpe, die der Kälteing. zerlegt
hatte.Schnell waren diese gelöscht und wir
konnten auch die Zulüfter in Betrieb nehmen,
um die beißenden Abgase aus dem Maschinenraum
zu bekommen.
Natürlich war der Alte jetzt zu uns in den
Maschinenraum gekommen,berichtete, dass eine Druckwelle
durch das Schiff gelaufen ist, der Netzmacher
auf dem Betriebsgang dadurch stürzte, sich
aber nicht verletzte. Also alle gesund, Maschine
kaputt! Wir mussten erst einmal Bestandsaufnahme
machen, uns selbst "organisieren"!
Inzwischen waren alle "Maschinesen"
im Schalttafelraum angekommen, bei so etwas hielt
es keinen in der Koje, schon die plötzliche
Stille im Schiff lies uns munter werden und jetzt
noch das Explosionsgeräusch......!
Wir mussten feststellen, soeben eine klassische
Kurbelwannenexplosion erlebt zu haben. Die durch
die Dekompressionsklappen abgeleitet wurde.
Verständlich, dass der Kapitän sofort
die Ursache erfahren wollte, aber wer sollte dies
schon sagen, wenn wir uns alle noch selbst ungläubig
anschauten. Dennoch, die ersten Schritte wollten
eingeleitet werden, dazu wurde abgesprochen, alle
öffnen gemeinsam sämtliche Schauklappen
an der Hauptmaschine. Danach legen wir weitere
Schritte fest.
Schon mit der ersten geöffneten Schauklappe
am Kurbeltrieb fiel das Ausmaß der Explosion
ins Auge. Die ganze Kurbelwanne war mit feinen
weissen Explosionsrückständen bedeckt.
Feinste weisse Asche muss entfernt, also der ganze
Kurbeltrieb gewaschen werden. Aber an den Kolben,
Pleullagern konnten keine Schäden festgestellt
werden. Noch lag ich mit dem Oberkörper in
der Maschine, als mich der 2.Heizer zum Gebläse
holte, dass eigentlich bei Betrieb frische Luft
von Deck ansaugte, über große Luftkanäle
die Luft zu den Zylindern drückte und wenn
der Kolben die Schlitze freigab, strömte
die Luft in den Zylinder, spülte dabei gleichsam
die alten Abgase hinaus, wurde bei der Aufwärtsbewegung
des Kolbens verdichtet
und zündetet erneut mit dem eingespritzten
Diesel.
Aber jetzt war offensichtlich, die Gebläsewelle
saß fest, ein Kugellager blau angelaufen,
selbst jetzt konnte man es noch nicht berühren,
so heiss war es! Ein Wechsel des Lagers unvermeidlich.Nun
konnten wir uns absprechen. Keiner, aber auch
keiner von uns hatte in all den Jahren so einen
Schaden schon einmal erlebt. Neuland für
alle. Das weitere Vorgehen wurde abgesprochen,
alle Maschinesen in zwei Gruppen geteilt ( das
hieß bei uns , je 3 Mann), die sofort in
6/6 Wach - und Arbeitsstundensystem gingen. Nur
ich, als Heizer werde alle zwei Schichten durchgehend
begleiten, so war gewährleistet, dass alle
im "Normalzustand" arbeiten können
und einer die Arbeitsabläufe zuordnen konnte.
Das Schiff lag "gut" vor Anker, die
zwei Netze auf über 400 m Wassertiefe mit
fast 2000 m Kurrleine hielten das Schiff und zum
Glück lag es in der langen Dünung ruhig.
Noch am Abend, wir hatten fast das Gebläse
ausgebaut, wurde ich in den Funkraum gerufen.
Der Funker drückte mir den Hörer in
die Hand :"Rostock", flüsterte
er fast erfurchtsvoll. Ich hatte noch nie von
See telefoniert, wer hatte schon damals ein Telefon
zu Hause? Jetzt krächzte eine Stimme im Hörer:"
Heizer, sind sie gesund, gab es Personenschäden?".
Die Stimme des Fangleiters in Rostock klang ehrlich
besorgt und es war ihm hoch anzurechnen, dass
er sich als erstes nach unserem Befinden erkundigte.
Ich schilderte unsere Situation und unser Vorgehen.
Er wünschte uns Glück bei der Reparatur
und schon war die Verbindung mit der Heimat beendet.
Es folgte anstrengende Arbeit, alle "unsere"
Mittel wurden eingesetzt, so wurde die neue Welle
im Gefriertunnel tiefgekühlt, in der Kombüse
auf dem Herd, im besten Topf vom Koch Maschinenoel
erhitzt und darin das neue Kugellager erwärmt.
Als alles auf Temperatur war, lief der Kälteing
vom Gefriertunnel mit der Welle und der Deckschlosser
von der Kombüse mit dem Lager gleichzeitig
los, ein regelrechter Staffellauf, so konnten
die beiden Teile im Maschinenraum vereinigt werden,
das Lager flutschte nur so auf die Welle, nachdem
beide Teile die Umgebungstemperatur angenommen
hatten, saßen sie so fest, dass sie wieder
Jahre halten konnten!
Natürlich kam jetzt die Frage auf, warum
lief das alte Lager fest und hatte solch eine
dramatische Wirkung? Die Lösung war simpel
und offenbarte Mängel der Werftüberholung
(da hatte der Maschinenmeister gefehlt!).
Das Lager, ein sogenanntes Z-Kugellager, bei dem
eine Seite des Lagers völlig abgedeckt ist
und die andere Seite den Blick auf die Kugeln
freigibt, war vermutlich in der Werft verkehrt
eingebaut worden. Die abgedeckte Seite zeigte
zum Oelstrahl, so konnte das Lager nicht geschmiert
werden, das Oel lief einfach an der Abdeckung
ab! Mit dem ersten Aussetzen wurde die Maschine
erstmals voll belastet und das Lager ging mangels
Oelmangel fest! Durch das Auslösen des Notstopps
wurde dem Lager das letzte bißchen Kühlung
beraubt und der Oeldunst entzündete sich
in der Maschine!
Mein Fehler, hinterher ist man schlauer.....,ein
"normales" Abstellen mit laufenden Oelpumpen
hätte zumindest die Explosion verhindert!
(Habe ich mir beim nächtelangen Grübeln
über unser eigenes Handeln gedacht. So eine
Sache hat uns schon wochenlang "beschäftigt".
Nach 48 Std war die Reparatur beendet, natürlich
hofften wir alle, dass es gelungen sein möge.....Als
die Maschine lief, das Gebläse normale Werte
anzeigte, stieg die Stimmung! Mich schickten die
Jungs in die Koje, ich muss wohl fürchterlich
ausgesehen haben, aber schlafen konnte ich dennoch
nicht. Der Körper musste wohl zuviel Adrenalin
abbauen..........
Nur jetzt hatten die Matrosen die Sorgen, wie
werden die Netze heraufkommenen? Es war nicht
zu schlimm, nur die inneren Bretter hatten sich
verharkt. Das hatten die Jungs schnell im Griff!
Endlich konnten wir fischen, für die nächste
Zeit konnten wir die Beine im Schalttafelraum
hoch legen, es lief wieder alles wunderbar.
Doch da hatten wir die Rechnung nicht mit dem
Fangleiter gemacht, der stieg auf unser Schiff
über und offerierte uns seine Pläne
für neue Garnelentrawler. Es hatte sich die
Erkenntnis durchgesetzt, auf Dauer müssten
unsere Schiff durch Neubauten ersetzt werden.
Schon jetzt sollten wir an
den Bedingungen für diese mitarbeiten, nix
mit Beine hoch legen!
Dabei war abzusehen, die Garnelenfischerei, so
wie wir sie betrieben, obwohl erfolgreich, mussten
doch jährlich zu
den 900 Tonnen über Lizenzen für Garnelen,
weitere Tonnen bei der Fischereibehörde in
Mocambique nachgekauft werden, wird es so nicht
mehr geben. Das bedeutete auch damals für
uns Arbeitsplatzabbau, Minimalbesatzung. So wie
es Japaner, Spanier seit Jahren in Mocambique
mit einheimischen Besatzungen betrieben.
Die Ereignisse im Jahr 1990 ließen dann
diese Pläne nicht mehr Wirklichkeit werden.
Dennoch hatte unser Engagement im Land auch danach
noch einige Zeit Wirkung hinterlassen. So äußerte
sich doch ein mocambiquanische Vertreter sinngemäß
einmal :" ..die kleine DDR hat mehr Engagement
und Anteilnahme für unser Land gezeigt, als
das gemeinsame grosse Deutschland....!"