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Mein Skorpion lebt nun schon mehr als
30 Jahre an meiner Seite........hat Verständnis aufgebracht,
sich durchgesetzt, mich "fast" immer noch fest im
Griff..........:)
So stand ich Anfang der 80er Jahre, Mitte Januar, wieder mal
in der Glastür, nein nicht der, wo man teils übermüdete,
teils fröhliche, feiernde junge Gesichter bei Hochseefischertreffen
an den drei Tischreihen des HDH sehen konnte, nein, vor der
Glastür, deren Scheiben milchig eingetrübt waren.
Keiner sollte hinein- oder hinausschauen können. Auch so
wurde dem Ankommenden klar gemacht, er ist zu Hause!
Schon zuvor hatte der Grenzbeamte mit wichtigem Blick mein
Gesicht gemustert, prüfend mein Seefahrtsbuch aufgeklappt
und mich mit einem mürrischen " Weiter", entlassen
zu seinem Kollegen vom Zoll, der mich und mein Gepäck mit
müden Ausdruck morgends 03 :00 Uhr am Flugplatz Schönefeld
bei der Einreise abschätzte. Ein leicht aufkommendes Lächeln
um seine Mundwinkel war nicht zu deuten, galt es meinem Aussehen?
Mit breitkrempigen Strohhut auf dem Kopf, leichten Hemd und
Jacke, die noch in der kleinen Umhängetasche hing, den
kleinen Koffer in der rechten Hand. Mit Links schwer an einem
grossen Bastkorb ziehend, aus dem die Strünke mehrerer
Annanas herausschauten und das Gelb Orange der Apfelsinen und
Mandarinen leuchtete und hier fast den Duft des Marktes von
Maputo hereinbrachten. Mit den Füssen die "Heimatware",
den Karton Garnelen in Styropor vor mir herschiebend, machte
ich wohl den Eindruck eines zufriedenen Bauers auf ihn, so dass
er mich einfach weiterwinkte..........
Mit der Schulter die Tür aufgedrückt und schon stürzte
eine Frau auf mich zu! Eine zweite sprang auf und zog die erste
an deren Jacke mit
den Worten zurück: " Halt Helga, das ist nicht Deiner,
das ist meiner...!".
Die Frau , die nun auf mich zukam hatte brünette Haare,
prüfend glitt mein Blick ganz schnell die Reihe der Frauen
ab, die wie Hühner auf der Stange im Bereich der Glastür
am Fenster saßen. Alle mit schick gemachten Haaren, meist
frischen weissen Blusen, erwartungsvollen Blicken und leicht
geröteten Wangen vor Aufregung - nur meine Blonde, die
ich vor mehr als drei Monaten verlassen hatte, war nicht zu
sehen!
" Du brauchst nicht suchen! Ich bin es", ja, jetzt
erkannte ich "Sie", Ihre lachenden Augen, ob der gelungenen
Überraschung hatten es mir verraten.
Es war "Meine", meine Frau, meine Biene, die Mutter
unserer Kinder!
Natürlich bewunderte sie meinen Strohhut, obwohl er zum
Wetter mit Schnee und Eis auf den Strassen ihr leicht "overdressed"
vorkam, aber sie wusste meine Mühen noch kurz vorm Heimflug
auf den Markt zu gehen und für die Familie frisches Obst
zu besorgen, zu schätzen und als sie meine Maschinenkollegen,
alle mit zünftigen Strohhut bekleidet sah, konnte sie den
meinigen auch schon "würdigen"..............
Natürlich war jetzt in der Nacht eine Weiterfahrt nach
Rostock den Frauen und uns nicht zuzumuten, also wurde der 1.Maschinist
mit seiner Frau in das Auto eingeladen und ab ging die Fahrt
in die Berliner Innenstadt, direkt zum Alex ins Interhotel "Stadt
Berlin".
Während mein Erster schon auf der Fahrt seiner Frau versuchte
zu verklickern, wieso er den weiten Weg von Maputo in das winterlichen
Berlin in Bordtagesklamotten und "Ochsenfellpantoffeln"
angetreten hat, konnte ich immer wieder verstohlen "Meine"
von der Seite mustern, was sie nicht abhielt, am liebsten auf
der kurzen Fahrt sämtliche Ereignisse von zu Hause und
den Kindern zu erzählen.......Im Hotel schnell Zimmer gebucht,
inmitten des "babylonischen" Stimmengewirrs im Hotel
zu früher Morgenstunde schwirrten uns Russische , Englische....polnische
Worte um die Ohren, so dass wir alle froh waren endlich die
Ruhe eines Zimmers weit oben über dem Alexanderplatz geniessen
zu können........
Bis es früh morgends um 08:00 Uhr laut an der Zimmertür
klopfte....Mein Erster!, "Tom, borg mir mal ganz schnell
Deine Schuhe, ich muss schnell drüben im Schuh - Ex ein
paar Neue kaufen!" Nun raubte er mir mit seiner Escapade
noch den Schlaf! Davor hatte ich bzw.wir schon vorm Abflug in
Maputo die grössten Sorgen.
Längst sollte er mit der ganzen Besatzung im Flugzeug
sitzen ,ja, sein Koffer war schon drin, aber er immer noch nicht
zurück vom "Landausflug".........Im letzten Moment,
als der kleine Botschaftsbus den Funker, Kapitän, Steuermann
und mich abholen wollte taucht mein "Erster" auf,
im wahrlich "letzten" Hemd. Abgebrannt ohne Hemd und
Hose, schnell auf dem Schiff noch Bordklamotten und Ochsenfellpantoffeln
angezogen und ab zum Flugplatz...............
Welche Geschichte er auch seiner Frau erzählt hatte, ich
gab ihm meine Schuhe und wir noch einige Zeit, morgends im Hotel
zum Kuscheln!
Nach einem gemeinsamen Frühstück, nun mit trockenen
Füssen, ab auf die Autobahn nach Rostock! Noch am gleichen
Tag bin ich in das Kombinat, alle Ereignisse der Reise frisch
im Kopf, damit hin zu meinen Bauleitern, die Notwendigkeiten
und Ersatzteilanforderungen mit Dringlichkeit dargelegt, kurz
beim Maschineninspektor vorbeigeschaut und schon hatte ich mir
die leidige Fahrt zu Beginn einer jeden Reise nach Rostock,
wegen der "Reisebesprechung", sprich Reiseziele, politische
Einweisungen und Darlegungen erspart
.
Meine Frau, die während dessen geduldig im HdH wartete,
wurde abends mit einem schönen Essen in der "Schillerstrasse",
dem "8" in einem Restaurant des Neptunhotels und am
nächsten Morgen der obligatorische Besuch des Basars in
Warnemünde, Alten Hafen oder HDH, belohnt.
Das wichtigste für Sie, "Schicke Kinderklamotten",
wobei ich schon bei ihr einige Überzeugungsarbeit leisten
musste, bis sie verstand, dass unser Lütter unbedingt noch
den tollen Matchboxlaster mit dem Bagger hintendrauf braucht!
Natürlich war bei mir auch schon ein bissel das Kind im
Manne geweckt, bestand doch unsere Kindheit auch aus Sehnsüchten,
deren Erfüllung wir nun unseren "Eigenen" gönnen
wollten.......!
Natürlich wurden diese Möglichkeiten, dass unsere
arbeitenden Frauen die Zeit ungeschmälert während
unseres Landaufenthaltes mit uns verbringen konnten, gern als
"soziale Errungenschaft" von Partei und Gewerkschaft
gefeiert. Vergessen wird dabei, dass nicht wenige, so auch ich,
diese unbezahlte Arbeitsfreistellung gegen die Widerstände
ihrer Chefs
durchsetzen mussten. Noch heute füllt der Briefverkehr
bis hinauf zum Minister eine Kladde. Meine Frau als Ergebnis
zwar die Freistellung erhielt, nun aber den Schikanen, dem Neid
und der Missgunst ihrer Kollegen ausgesetzt war!
So muss man heute klar stellen, dass diese Zeit, diese gemeinsame
Zeit, letztlich von uns, uns ganz allein getragen wurde. So,
wie sie nun als unbezahlte Arbeitsfreistellung galt, so zählt
sie heute natürlich als Fehlzeit bei der Rentenberechnung!
Dennoch bin ich heute froh, dass wir uns diese Zeit "gegönnt"
haben, niemand dafür danken müssen, sondern Stolz
sein können, diese Zeit für uns gewonnen zu haben..........
Ganz anders sieht es aus, als nach 1990 meine Frau, mein Sohn
als Passagiere bei freier "Kost und Logis"auf meinem
Kümo wochenlang mitreisen durften - der Reeder darin eine
Möglichkeit sah, "seine" Leute zu motivieren.
(Wer sich mal im Internet über Frachtschiffreisen informiert,
kann ersehen, was uns da zu Gute kam)
Natürlich stimmen solche Schicksale, wie in dem Brief
von "Elke" geschildert traurig. Aber ich glaube nicht,
dass dieses allein dem Umstand der Seefahrt des Mannes geschuldet
ist. Nein, dass gab, gibt es auch an Land!
Wie schwierig es ist "zwischenmenschliche" Beziehungen
zu pflegen sehen wir jeden Tag in den Medien..............
Für mich zählt nach wie vor - die "Richtige"
, oder für die Frauen, den "Richtigen " muss
man finden!
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