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Hallo Wilfried, ich finde Deine Seite, bis auf die Artikel über die Flucht und Deine Meinung dazu, super. Besonders die Bilder von den Loggern. Ich bin 1964 selber von der "Eisenhüttenstadt in England geflüchtet, weil mir das Seefahrtsbuch nach der "Republikflucht" meines Freundes Norbert Kuntze entzogen wurde und ich mich zur Bewährung in der Löschgang wieder fand. Voraus ging eine Vernehmung durch ältere Stasileute im Kombinat. Hier bin ich ziemlich rüde behandelt worden mit solch Sprüchen wie du Drecksau oder Feind der Sowjetunion (weil ich in russisch eine 4 hatte. Auf die Idee, daß ich in Norwegen mit hätte verschwinden können sind die nicht gekommen. Ich habe dann, wegen Personalmangel, mein Seefahrtsbuch wiederbekommen und bin nach einer Reise auf der "Eisenach", die in die Werft ging an einem Sonntag auf der "Eisenhüttenstadt" eingestiegen. Der damalige Heuermensch Herr Fett hat uns (Albrecht Graupner und mir) noch etliche Runden Wodka im Seemannsheim spendiert. Von diesem Schiff sind wir dann, erst 2 und in der Nacht noch zwei), bei der 2. Maschinenreparatur in England abgehauen. Du kannst mir glauben, daß mir die Entscheidung nicht leicht gefallen ist, zumal ich sehr an meinem Job gehangen habe und ich das Risiko, bei der kleinsten Äusserung endlich mein Seefahrtsbuch zu verlieren nicht eingehen wollte.
Helmut Weitz |
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Gedanken des Webmasters: Ich habe mich lange nicht zu dieser "Republikflucht" geäußert, weil ich mir vor Jahren nicht die Mühe gemacht habe, dieses Schicksal geistig nachzuvollziehen, obwohl auch mir das Seefahrtsbuch 1963 entzogen wurde, weil das "System" niemand traute. Heute möchte ich klar Stellung nehmen und sagen: "Wenn ich damals nach dem Entzug in Rostock geblieben wäre und dann diese Chance auch bekommen hätte, wäre mir das gleiche Schickal widerfahren und ich wäre ebenfalls abgehauen." Ich wurde noch ein 2.Mal als Intertankstellenleiter aus dem Job entfernt, weil ich mich mit französischen Fahrenn zu gut verstand (sie hatten mir ein Ersatzteil für meinen Dacia 1300 = Renault 12TL besorgt), trotzdem konnte ich noch an anderer Stelle meinen Ingenieurökonomstudium absolvieren und danach als Materialwirtschaftler zufrieden arbeiten bis 1991, danach war auch dort Ende, wie überall! Ich danke Helmut nachträglich, dass er uns von seinem Schicksal berichtet hat. D.h. jedoch nicht, dass alle Flüchtlinge so edlen Charakters gewesen sind und das Recht hatten das Schiff im Stich zu lassen.. |