|
Horst Seffner berichtet
über Hochseefischer-Begebenheiten
|
"Abflugsorgen "
|
Wenn die Interflug in Havanna ankam, dann schwärmten ja zusammen mit der Besatzung von Robert Koch, so an die 200 Hochseefischer abends in Havanna aus. Da kann man sich vorstellen, dass irgendetwas immer daneben ging. Das Einfachste war ja, dass sich jemand hoffnungslos in der großen Stadt verirrt hatte und nun, auch weil er sich nicht verständigen konnte, auf einer Polizeistation landete. Die Polizei rief dann den Bereitschaftsdienst der Botschaft an und der dann den Fischereivertreter. Einmal 1977 rief mich abends gegen 23.00 Uhr die Polizei direkt an, denn mittlerweile kannten sie unsere Telefonnummer auch. Dort auf der Wache seien zwei hilflose Männer von uns. Ich fuhr sofort hin. Ja sie waren hilflos, weil sie stockbesoffen waren. Sie erkannten mich nicht einmal. Ich sprach mit den Polizisten ab, dass sie erst einmal ausnüchtern sollten und ich sie dann nächsten Morgen abholen würde, denn sie sollten ja nach Hause fliegen. Ich hatte ja am nächsten Morgen erst einmal damit zu tun, dass die Abflieger in die Busse und zum Flugplatz kamen. Die Sachen von den beiden ließ ich einpacken und mitnehmen. Die beiden müssen fürchterliches durchgemacht haben, denn sie wussten ja nicht, dass ich sie abholen würde. Inzwischen war es 09.00 Uhr geworden und sie wussten um 08.00 Uhr sollte Abfahrt zum Flugplatz sein.. Als sie dann vor mir standen ungewaschen und ungekämmt mit verkaterten Gesichtern und sicher auch mit einem mächtigen Brummschädel, war ihre fast weinerliche Frage: „Was wird nun?“ Ein bisschen Strafe musste ja sein und ich sagte: „Es wird knapp, denn wir müssen ja noch eure Sachen vom Schiff holen und zum Flugplatz brauchen wir ja auch noch unsere Zeit. Aufgeregt erklärten beide, dass sie die Sachen nicht benötigten. Wichtig sei nur, dass sie das Flugzeug noch schaffen und obwohl ich wusste, dass wir es noch gut schaffen würden, denn Abflug war diesmal erst um 11.00 Uhr, sagte ich, dass wir es versuchen werden. Als wir dann am Flugplatz ankamen und sie ihre Besatzung sahen, da habe ich aber Steine plumpsen hören. Ich sah Überglückliche die alle Welt umarmen konnten und als sie dann noch ihr Gepäck von den Kollegen übergeben bekamen, war das Glück unendlich. Das erleichterte Dankeschön an mich in dem Glücksgefühl, habe ich heute noch in den Ohren.
|