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Horst Seffner berichtet
über Hochseefischer-Begebenheiten
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"Hafensylvester!"
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Meinen ersten Jahreswechsel erlebte ich in Havanna 1973/74. Ich war erst seit Anfang Dezember Fischereivertreter in Havanna und kannte mich in den Gepflogenheiten noch nicht so recht aus. Die Sylvesterfeier der HPA, Handelspolitische Abteilung, der ich ja zugeordnet war, sollte auf den Villengrundstück der Seereederei stattfinden. Ich ging rechtzeitig zu Fuß los und kam doch viel zu spät und schweißtriefend an, weil ich die Entfernung völlig unterschätzt hatte. Nun wurde ich vorgestellt, weil mich ein großer Teil noch nicht als Fischerei- und Interflugvertreter kannte und es wurde gesagt: Stellt euch mal vor, der ist zu Fuß gekommen. Das war außergewöhnlich. Es war eine fröhliche Feier der Rum floss in Strömen. Der zweite Handelsrat hatte mir angeboten mich mit nach Hause zu nehmen, da er den gleichen Weg hatte. Als es los gehen sollte, hatte er aber mächtige Schwierigkeiten beim Einsteigen. Das mag aber daran gelegen haben, dass er einige Zentimeter über zwei Meter groß war und der Wartburg für solche Männer auch nicht besonders günstig war. In einer seltsam nach vorn gebeugten Haltung hielt er mir nun einen Vortrag: Für Autofahrer ist es nicht verboten Alkohol zu trinken und es gäbe immer wieder Situationen in denen man Auto fahren müsse obwohl man Alkohol getrunken habe. Dann würde man hier ganz anders an die Sache rangehen. Man würde bewusst, dass man nicht voll reaktionsfähig wäre, übervorsichtig fahren und die vielen Autounfälle, die, die DDR Bürger immer wieder auf Kuba verursachten, würden immer ohne Einfluss von Alkohol passieren. Ich bin gut zu Hause angekommen und die Belehrung auch. Mein zweites Sylvester 1975/76 feierte ich mit einem Bekanntenkreis in unserer Wohnung. Zum Jahreswechsel gibt es kein Geknalle und Geballer auch keine Raketen und Feuerwerke. Für uns fast erschreckend ruhig. Da fehlt einfach etwas. Der einzige Brauch es wird Wasser von den Balkons und aus den Fenstern geschüttet, eimerweise. Mit dem Wunsch, dass man im kommenden Jahr immer Wasser habe,beendeten wir um 00.30 Uhr unsere Feier. Ich wollte noch in den Fischereihafen. Dort lag die Peter Nell und ich wollte der Besatzung und ihren Kapitän, Rudi Andres, noch ein gesundes neues Jahr wünschen. Unvorstellbar das Hafentor stand weit offen, der Schlagbaum war hoch, die Wache offen und auch die Tür zum Büro des Chefs stand weit auf. Ich rief immer Hallo und betrat das Chefzimmer. Dort war auch niemand. Mir fiel aber auf, dass der Schrank in dem immer „MEIN“ Schnaps stand auch auf und ........ leer war. Der sonst so, so streng bewachte Fischereihafen ohne Wache. Dass war unvorstellbar für mich. Ich fuhr zur Peter Nell. Vor dem Schiff viele Autos und an Deck viele Menschen mit cubanischer Musik. Das hatte sich wohl einfach so ergeben und im improvisieren sind die Kubaner ja Weltmeister. Ich kam in die Kapitänskammer und dort war auch der Chef der Hafenwache. Er und Rudi Andres waren mächtig Stolz darauf, wie die Freundschaft zwischen unseren Bruderländern funktionierte. Für den Chef der Hafenwache hatte dieses Fischereihafensylvester kein gutes Nachspiel. Er wurde strafversetzt und damit war dann auch meine Quelle zum Reprä-Schnaps versiegt.
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