Wahre Erlebnisse an Bord der Fischereischiffe von Hilmar Klotz

 

"Harte Zeiten"

 

 

Als Erstes muss ich Dir Recht geben, auch weil Kritik noch nicht groß angesagt war. Aber wie in jeden Job gab es auch bei uns weniger gute Zeiten oder schlechte Entscheidungen. Wer immer Recht hatte das wissen wir ja, es war nicht der Alte. Nun zu Deine Frage, es war Gewohnheit, Hassliebe sowie das liebe Geld was uns gehalten hat und da stecken wir heute noch drin. Deshalb sind wir so. Die Zeit und die Erfahrungen haben uns geprägt und zu Männern gemacht .Jeder sieht das Kombinat ja auch aus seinem Blickwinkel. Jetzt einmal Beispiele von meiner Zeit. Wir waren auf Heimreise mit einen Trawler Typ I , also Heldenkeller kenne ich, wir kamen von der Georgebank und hatten Decksladung Salzhering im Fass. Also, vor den Kanal bekamen wir eine 10 von achtern. Natürlich war das kein Grund Fahrt aus dem Dampfer zu nehmen und schon krachte es während dem Abendbrot. Eine rollte über uns weg. Auf Steuerbord hatten Alle den Salat um die Ohren und der Rest kam auch noch nach. Danach sackte er noch mal durch. Es herrschte Stille. Es waren gute 60° Kränkung. Weiter ging es mit Halbe voraus. Schadensmeldung, Notruder weg und ansonsten war das Bootsdeck gut aufgeräumt. Das war meine erste und letzte Reise mit dem Alten. Noch ein Beispiel, wieder auf Heimreise auf Höhe Skagen bekamen wir die Order Ausgang Belt anzulaufen. Was war passiert, denn wir wollten ja in 24 Std. zu Hause sein. Es waren die Espenheim und die Lütten-Klein welche zusammen gekracht waren und uns drei Tage Reiseverlängerung brachten. Aber das wussten nicht die Frauen. Unsere Frauen wurden jeden Tag verarscht. Also täglich HdH-Kombinat und zurück. Keine der Frauen wurde aufgeklärt. Und so könnte man die Liste der Ereignisse fortsetzen. Jetzt kommt Paul Junge dran, wer kennt ihm nicht! Mit Paulchen, wie wir ihm nannten bin ich gerne gefahren. Es gab immer etwas zum Schmunzeln. Ob er zum Frühstück einen Schnapsdieb suchte, nachdem wir am Vorabend bei ihm Doppelkopf gespielt hatten oder ob er seinen kleinen Korb suchte mit dem er die Stecker aus dem Vornetz zog bevor wir Aussetzen konnten. Auf der Barentssee wurde ich dann noch von Paulchen zum Netzmacher geschlagen. Der Korb tauchte nie wieder auf. Gerne bin ich auch auf der Eisenhütte bei Gerhard Lormes oder auf der Friedrich Wolf bei Möller und später Helmut Schulz ,ihm kann ich heute antworten, ja, er weiß vielleicht noch was ich meine, ja und da war noch die Eisenach auf der ich gefahren bin. Nach der Wende war ich noch in der Binnenschifffahrt tätig. So, Seezunge(?) ich kann Dir nur sagen es wird überall geflucht, aber auch hart gearbeitet und manchmal gefeiert. Es muss bloß Alles beim Namen genannt werden. Wir sind doch keine Weicheier!