Meine 2. Reise

Erzählt von Lothar Kutsche

 

 

Vielleicht sollte ich alle mit einer Anektode aufheitern. -

Juni 1979. Meine erste Reise auf ROS 317 hatte ich hinter mich gebracht. Gott sei Dank, aus meiner Sicht, ging sie jetzt in die

Werft. Ein neuer Dampfer mußte her. Mein neuer Heuerschein,den ich bei der Arbeitslenkung überreicht bekam, machte mich froh. ROS 331 " Ludwig Turek " mit Ziel nach Luanda / Angola.

Ja ich war wirklich froh darüber,denn ich mußte nicht zurück in die Kälte nach Labrador. Außerdem war ich noch nie mit einem Flugzeug geflogen und der Stundenrhythmus von 12 / 12 war auf jedenfalls besser, als 6 Stunden arbeiten und 6 Stunden frei ! Im Flugzeug,der IL 62 bekam ich auch einen Fensterplatz, weil viele Kollegen. in der Fliege zusammensitzen wollten. Vorsichtshalber steckte ich Papiertüten ein,wegen der Flugkrankheit, die ich aber nicht benötigte.

Die IL 62 flog eine " Ehrenrunde " über den Berliner "Alex", was allerdings einmalig war,denn danach ging es nie wieder über die Stadt hinweg, sondern gleich südwärts.

Unter mir der Fernsehturm- Mann was war ich aufgeregt! Zwischenstop war in Tripolis / Lybien,Hier knapp 3 Stunden Aufenthalt. Auf dem Airport Soldaten mit MPi. Es gab nichts zu trinken,obwohl uns der Durst quälte. Ein Lybier zeigte mit voller Stolz ein Messer, worauf ein Spruch in deutscher Sprache stand.

Es war ein Messer von der SS, aus dem 2. Weltkrieg. - 2. Zwischenstop Lagos / Nigeria und nach 2 Stunden hoben wir wieder ab in Richtung Luanda. 19 Stunden waren wir unterwegs.

An Bord wurde ich zur Gangway-Wache eingeteilt. Die Hundewache um Mitternacht. Mein Kollege, mit dem ich eingeteilt wurde, war ein ganz alter Hase. Leider,leider, leider habe ich seinen Namen vergessen. Wir machten aber nur eine Reise zusammen.  Während der Wache erzählte er mir, was er alles so erlebt hat in der Vergangenheit. So berichtete er mir von einer Forschungsreise nach Jemen in den Indischen Ozean. Plötzlich brach dort Krieg aus und Bomben vielen auf die Häuser. Den Hafen verschonten sie. Ich hörte gespannt zu. Er berichte mir weiter von einer Forschungsreise in den Pazific und schwärmte dabei von Vancouver und Seattle. Die Nacht war drückend warm,obwohl doch eigentlich Winter dort unten war.

Wir sprachen über Piraten,was damals auch schon Thema war. Dann auf einmal sagte er zu mir : " Ich geh mal in die Messe und mach mir mal eine Fettstulle..." Er ging und ich stand allein an der Gangway. Heuschrecken flatterten um das Laternenlicht und ich genoss es an Bord eines Supertrawlers zu sein.

Doch plötzlich Schatten achtern vorraus ! Was war das ?  Schon wieder ! Ich war mir sicher, das waren schwarze Gestalten,die Achtern auf unser Schiff sprangen,denn das Deck achtern lag tiefer als die Pier. Ich rief nach meinem Kollegen , doch der kam nicht. Und schon wieder sprang eine Gestalt schwer zu erkennen auf unser Schiff. Ich dachte vor lauter Aufregung an Piraten und rief noch einmal heftig nach meinem Kollegen. Er kam ganz geduldig mit seiner Fettbemme nach oben. " Was schreist du denn hier so herum...?" Selbst als ich ihm erzählte was ich sah, blieb er "cool".  Na laß uns mal nachschauen meinte er. " Nee, da geh ich nicht hin..." weigerte ich mich und blieb an der Gangway wie festgenagelt.

Mein Kollege holte sich jetzt Unterstützung von der Brücke, genauer, Decksleute begleiteten ihn zur Slip. Mir klopfte das Herz und ich stand unmittelbar am Bootshaken, für den Fall aller Fälle. Was die Jungs zu sahen bekamen war für mich überraschend. Es waren angolanische Kinder, die sich an der Abfall- Netzbrook zu schaffen machten. Sie suchten nach allem was sich verwerten ließ, hauptsächlich jedoch nach Essbarem.

Die Decksleute verhielten sich sehr besonnen, schließlich durften die Kinder nicht aufgeschreckt werden, da sie ja ins Wasser fallen könnten. Ich glaube sogar das die Decksleute und mein Kollege den Kindern noch etwas zu Essen gaben. Ich jedenfalls hatte inzwischen den Bootshaken wieder losgelassen und hatte zudem ein aufregendes Erlebnis gehabt.

Während dieser Reise lernte ich tolle Kollegen kennen. Horst " Reddy " Rattmann und Günter " Schwede " Schwedesky brachten mir das Doppelkopfspiel bei. Eine Reise später gewann ich an Bord das Doppelkopfturnier.

Ich lernte Dietmar "Zwicke" Barth kennen. Er erzählte Witze Tag und Nacht und sein Repertoire schien unerschöpflich zu sein.

Ich lernte " Egon " Dietmar Finke aus Halle kennen. Wir wurden Freunde. Er wohnte in Halle nur ein Steinwurf von mir entfernt. Nach der Wende hörte ich, das er als Binnenschiffer in Duisburg seine neue Herausforderung gefunden hat. Da ich damals in der Nähe von Basel wohnte, hoffte ich ihn einmal zu begegnen mit seinem Boot, Duisburg - Basel, doch wir verloren uns aus den Augen. Schade !! 

Ja so war das mit meiner 2. Reise.  Wir fischten Schildmakrele vor Namibia. Die Reise war nach 90 Tagen vorbei.

Meine erste Reise auf ROS 317 immerhin nach 127 Tagen ! . Gruß Lothar Kutsche