Wahre Erlebnisse an Bord der Fischereischiffe der DDR

 

Ein Proddi konnte sich auf einer Reise sehr langweilen, dann nämlich wenn totale Fischflaute herrschte.

 

So geschehen 1987 vor Clouchester / USA.Wir lagen vor der Küste Massechusetts.

Die einheimischen Fischer sollten den Fisch fangen und wir hatten ihn dann zu verarbeiten. Makrele oder Hering. Beifang Seehecht.Nun lagen wir also da und warteten auf Fisch. Nichts passierte, tagelang, wochenlang. Also langweilten wir uns.

Wir hatte genug Farbe gewaschen und somit wurde es eine Knüpfreise, wie es Ossi so schön formulierte.Der Grund warum wir "arbeitslos" unter Deck waren, fanden die Offiziere schnell heraus, als sie eine amerikanische Lokalzeitung in den Händen hielten.

Darin wurden die Fischer in Clouchester aufgerufen uns nicht mit Fisch zu beliefern. Die DDR-Hochseefischer sind in Wirklichkeit alles ausgebildete Spione und überzeugte Kommunisten. Nochmal : Kein Fisch den Ostdeutschen !!

Und was taten wir ? Wir ließen uns vom amerikanischen Musiksender Boston 66 mit Musikvideos vom Feinsten berieseln. Peter Gabriel, Big Country, David Lee Roth,Berlin u.s.w.liefen über die Matscheibe.

Unser Politoffizier fand das garnicht gut, aber er fügte sich den Massen, die vor der Glotze saßen. Doch die Ami's waren ein neugieriges Volk.

Zuerst wurde das Bier getauscht. So ließ der Kapitän einen Kaste Hafenbräu nach dem anderen an die vielen Seglern aushändigen und erhielt im Gegenzug Budweiser. Sie kamen immer wieder und schließlich war die ROS 337 eine kleine Attraktion im Hafen von Clouchester. ROS 337 als Familienausflug.

Und dann passierte es, der erste Fisch war da ! Vollkommen ungewohnt für uns Proddis. Doch habe ich bei der Fischverarbeitung selten erlebt, das die Jungs bei der Arbeit lachten und laut sangen. Naja, schwarzer Humor, denn Geld war auf dieser Reise eh nicht mehr zu verdienen. Bei aufkommenden Sturm, packten die Ami's ein und wir saßen wieder vor der Glotze.

Doch zwischendurch ging es einmal zurück zum Raykijanes-Rücken auf Rotbarsch. Doch dieser war klein und der größte Hol lag bei 500 Korb. Also zurück nach Clouchester und die Knüpfmatten raus. Dennoch bekamen wir jetzt immer mehr Fisch und einmal schafften es die amerikanischen Jungs unsere vier Bunker zuzusch..ßen. Donnerwetter !

Übrigens, Clouchester war auch der Heimathafen der "Andrea Gail", einem Schwertfischtrawler, der am 31.10.1991 vor der Ostküster der USA ( New England ) sank.Schuld daran war der Jahrhundertsturm "Grace". Alle 6 Seeleute kamen damals ums Leben. Bekannt wurde dieses Ereignis durch die Verfilmung von Petersens "Der Sturm". - Bis zur nächsten Erinnerung Lothar

 

 

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