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Wahre Erlebnisse an Bord der Fischereischiffe der
DDR
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Hallo! Also fangen wir einmal mit den Übergaben an. Für mich war das immer ein Albtraum, denn ich fing als dürres Gemüse bei der Hochseefischerei an. Als ich im Fischmehlladeraum zum ersten Mal ein Fischmehlsack zur Netzbrook tragen wollte, bekam ich diesen kaum von der Stelle. " He, faß mal mit an..." sagte ich zu einem. Der fauchte und giftete mich an "... nimm deinen Finger aus dem A..." Diese Fischmehlsäcke wogen meistens ab 60 Kg und waren unhandlich. Ich zog meinen Finger aus dem A. und quälte mich im wahrsten Sinne des Wortes 12 Stunden lang diese Säcke fortzubewegen. Genauer gingen wir nur 9 Stunden in den Laderaum, denn zwischen der Stunde lag immer eine 30-minütige Pause. Wir schwitzten erbarmungslos,vor allem wenn die Übergaben immer in Afrika waren.Dort herrschten Temperaturen weit über + 30° C. Wir stanken nach dem Fischmehl, das die Fliegen tot von der Wand fielen. Dann gab es noch die Frostwaren-Übergabe. Jetzt das Gegenteil. Im Laderaum bis minus 30°C und die Frostkartons wogen zwischen 30 kg ( VmK ) und 45 kg ( Filets). Dann stämmte man die harten Kisten auf den Ast und lief zur Brook. Die Laderäume waren groß und um so mehr Kisten den Laderaum verlassen hatten, um so weiter wurden die Wege. Dann lief man sich einen Wolf und notfalls mußte die Stelle gepudert werden. Nach der Übergabe begann die Fischerei. Glück hatte der, der einen etwas leichteren Job hatte. Was heißt leichter ? An der Baader-Maschine, wo die Rohware eingelegt wurde, kamen entweder fertige Filets heraus ( oder Lappen ) oder AoK-Ware. Das Einlegen der Fische in die routierenden Schalen erzeugte schon nach 10 Minuten enorme Kreuzschmerzen. Durchhalten war die Parole - 12 Stunden ! Erlösung kam nur nach eine 30 minütigen Pause, oder zum Feierabend, wenn sich das Kreuz entspannen konnte. Den Takt gab die Maschine an, 12 Stunden lang. Man war von oben bis unten voller Küt ( Abfallreste ) und wenn man an der Schlachtwanne stand, dann tat schon nach 30 Minuten einem das Handgelenk weh, weil die Filetiermesser schlechte Qualität hatten und schnell stumpf wurden. Am LBH ( Lang-Band-Gefrierautomat ), wurde der Fisch gefrostet. Hier war Ohrschutz erforderlich, denn der Lärm war sehr gesundheitsschädigend. Auch hier gab die Maschine den Takt an. Am LBH konnte man schnell eine an die Klatsche bekommen vor lauter Stress und Eintönigkeit. Auf den alten Verarbeitern gehörte der Job als Glasierer neben den Beschicker zur absoluten Knochenmühle.Erst wurden die gefrosteten Eisplatten aus den Beschickertunnel mit der Brechstange gestemmt. Notfalls mußte in den Tunnel gekrochen werden, um an die Frostplatten zu gelangen.Dann mußte der Glasierer die Frostplatte aus der Schale klopfen. Das geschah an einem Wasser-Beckenrand. Mit voller Kraft wurde nun versucht das eisige Ding aus der Schale zu klopfen.Oftmals schlug man daneben. Dann waren die Finger blau und man hatte zudem das halbe Wasserbecken im Gesicht. Im Winter ein "Muntermacher", wenn man einmal gefeiert hatte. Der Stauer lief von einem Laderaum in den nächsten und verstaute seine 20 Tonnen a 30 - 40 Kg allein. Hier mußte er höllisch aufpassen, das er die Ware nicht durcheinander bringt. Kam Sturm auf, oder wurde generell falsch gestaut, dann wurde umgestaut. Ja, das war eine Kurzreise unter dem " Portugiesendeck " ( so Landolf Scherzer ) . Es war ein Knochenjob, doch ich würde es nocheinmal tun. Warum ? Weiss ich nicht ! Gruß Lothar |
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