Wahre Erlebnisse an Bord der Fischereischiffe der DDR

 

Teil II

Das Angeln von Vögeln auf See als Freizeitsport.

Das Angeln von Vögeln auf See als Freizeitsport.
Um eines gleich klarzustellen. Diese Art von Freizeitbeschäftigung war Tierquälerei und kam auf DDR Schiffen ganz, ganz selten vor und wurde in der Regel von der Schiffsleitung kaum tolleriert !!! Anderst sah es bei der rauhen christlichen Seefahrt aus. Nicht nur Meeresbewohner waren vom Jagdfieber der Seeleute bedroht, sondern auch Vögel, wenn der Fang Abwechslung versprach, oder sie genießbar erschienen. Da waren zunächst jene Vögel, die vom Sturm auf das Meer hinausgetrieben worden waren und an Bord notlandeten. Sie zu fangen war keine große Kunst, denn sie waren häufig so erschöpft, dass sie kaum Fluchtversuche machten. Man nahm sie mit ins Logis, bewirtete sie mit Wasser und Kakerlaken. Meißt siechten sie dahin und verstarben kurz, oder lang. Ein ständiger Begleiter auf der südlichen Halbkugel war der Albatros, der König der Lüfte. Albatrosse fliegen zu sehen, ist ein unvergeßliches Erlebnis ! Der Albatros ist der Weltmeister der Flugkunst und als solcher mit allen Finessen der Fliegerei ausgestattet.. Er segelte stundenlang auf gleicher Höhe wie das Schiff, die günstigen Luftbewegungen ausnutzend, ohne die Flügel zu rühren. Er sieht wie eine zu groß geradene Möwe aus, und mit einer Flügelspannweite bis zu vier Metern war er ein beeindruckender Vogel. Die Seeleute brachten dem stolzen Flieger eine große Hochachtung entgegen, und sie vermuteten, dass jeder Albatros eine Seele eines toten Seemanns beherbergt - was sie allerdings nicht davon abhielt, den Vogel zu fangen und zu töten. Üblicherweise ging man dem Albatros mit einer speziellen Angel zu Leibe. Die war ein cirka 10 cm langes, 3 - 4 cm breites rautenförmiges Blech, das innen ausgestanzt war. An einer Seite nietete man ein Stück Holz daran, damit die Angel auf dem Wasser schwamm. An diesem Holz war eine Angelleine befestigt. Auf der gegenüberliegenden Seite befanden sich Löcher im Blech, an denen der Speck als Köder festgenäht wurde. Warf man die Angel über Bord und ließ sie achteraus schwimmen, so stürzte sich der Vogel sogleich darauf, denn er war genau so fressgierig, wie bei uns auf der nördlichen Halbkugel die Möwen sind. In dem Augenblick, in dem er den Speck fasste, musste man die Leine ruckartig anziehen, und schon war der Albatros gefangen, denn das scharfe Blech hakte hinter der Schnabelkrümmung des gefangenen Vogels, der nun die Flügel ausbreitete und die breiten Schwimmfüße gegen das Wasser stemmte, was ihm jedoch nichts nützen kann. Bei viel Wind und starker Fahrt geht das nicht, oder nur sehr schwer. Interessanter Weise wird der Albatros - der ja sein ganzes Leben auf dem Meer verbringt - seekrank, sobald er an Deck kommt. Er muß sich sofort übergeben und bekommt Durchfall !! - Auf unseren Schiffen wurden die Vögel von den " Sportanglern " sofort wieder frei gelassen. Nicht immer bei der christlichen Seefahrt. Die Brustfeder wurde z.B. als Daunen verwendet. So mancher Seemann kam früher mit ein selbstangefertigtes Kopfkisseninlett nach Hause. Aus den holen Flügelknochen machte man Pfeifenstiele, auch wenn der Rauchgenuß zunächst durch den Trangeschmack etwas beeinträchtigt war. Die abgezogenen Schwimmhäute gaben Tabakbeutel her. Der Schnabel mußte als Souvenier herhalten. Manchmal konsevierte man den ganzen Kopf noch dazu. Wohlgemerkt Tierquälerei wurde auf Schiffen der DDR Hochseefischerei nicht gedultet. Doch hin und wieder verirrte sich auch bei den Hofi's eine Möwe vor lauter Freßlust an einen Angelhaken, was vorkam, wenn man die Angel ins Meer werfen wollte. Klar war das Gelächter groß ! - Das solls für heute gewesen sein in Sachen Freizeit an Bord ( gestern und heute ) Nun bin ich gespannt auf den Bericht von Bestmann Uwe Berger in " Unfall an Bord " . Gruß Allerseits Lothar