Wilfried Gille berichtet über Hochseefischerei-Begebenheiten

 

"Erfahrungsaustausch unter Hochseefischern "

 

Hochseefischer halten Erinnerungen wach

Das Leben der Hochseefischer war hart. Aber sie hatten Erfolge mit ihrer Arbeit. Foto: Deutsches Meeresmuseum
Trotz stürmischer See blieben die Rostocker Hochseefischer auf den Fangplätzen und kehrten oft mit reichen Fängen heim.


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Aus Anlass von 60 Jahren Hochseefischerei und Fischereihafen Rostock bereiten Ehemalige das Jubiläumsjahr 2010 vor.
Rostock (ddp) - An ihre Fahrenszeit können sich die pensionierten Hochseefischer noch genau erinnern. Eduard Otto war 13 Jahre Kapitän auf dem Fabrikschiff „Kurt Bart
hel“. „Das habe ich Ende 1978 in der Volkswerft Stralsund abgeholt“, erinnert sich der 69-Jährige. Silvester 1990 habe er es in China an den neuen Eigentümer übergeben, er sei von Bord gegangen, ohne sich umzudrehen. „Traurig“ sei es zum Schluss gewesen, als zur Wende die gesamte Flotte der Hochseefischerei zerschlagen wurde. Bis heute sind nur noch eine Handvoll Schiffe übrig geblieben.

Im kommenden Jahr wollen die Fahrensleute an Gründerzeiten vor 60 Jahren erinnern, mit einer Ausstellung, Treffen und Symposien. Mit im Vorbereitungskomitee sitzt Bernd Coijanovics.

Er war Kapitän und engagiert sich im Freundeskreis Hochseefischerei.

1950 sei in Rostock der Grundstein für die größte deutsche Hochseeflotte und einen eigenen Hafen gelegt worden. Fast 500 Schiffe mit bis zu 5000 Besatzungsmitgliedern seien unterwegs gewesen, erinnert sich der gebürtige Thüringer. Für DDR-Bürger sei Seemann ein Traumberuf gewesen. „Wer einmal an der Ostsee Urlaub gemacht hatte, wollte einfach nicht wieder weg vom Meer. Mir ging es genauso“, erzählt Coijanovics.

Ein Treffen Ehemaliger soll es zum 60. geben. Die Resonanz dürfte groß sein, schon im vergangenen Jahr kamen zu einem Treffen mehr als 2000 Fischerei-Mitarbeiter. Das solle aber mehr sein, als in alten Erinnerungen zu schwelgen, sagt Hermann Cziwerny.

Der 63-Jährige war über Jahrzehnte auf zahlreichen Schiffen für die Fischverarbeitung auf See verantwortlich. Seit 1991 betreibt er mit Tochter Katrin in Rostock das international agierende Fischhandelsunternehmen Venfisk. Der Start erfolgte fast auf den Tag genau, als die DDR-Hochseefischerei aufhörte zu existieren.

„Leider haben wir kaum Exponate für eine Ausstellung retten können. Fast alles ist verloren gegangen, auch aus unserem ehemaligen Traditionskabinett“, bedauert der Ex-Seemann. Jetzt hofft er auf möglichst viele Gäste im kommenden Jahr, die etwas zur Präsentation beisteuern können.

In Rostock erinnert heute kaum noch etwas an die Flotte. Nach mehreren Eigentümerwechseln seit der Wende gehört die Mecklenburger Hochseefischerei als Nachfolger des einstigen Fischkombinates zur holländischen Muttergesellschaft Parlevliet & Van der Plas. Von 500 Schiffen blieb weniger als ein halbes Dutzend übrig, von 5000 Seeleuten blieben 200.

Den Einsatz der Flotte koordiniert Uwe Richter, auch er war DDR-Hochseefischer. In seinem Büro im Fischverarbeitungszentrum „Euro-Baltic“ in Sassnitz-Mukran stehen viele der ehemaligen DDR-Fangschiffe — als Modelle.

Mecklenburg-Vorpommern hat indes immer noch die größte deutsche Hochseeflotte. Neben der Mecklenburger Hochseefischerei sind weitere Hochseefischerei-Unternehmen mit ihren Schiffen eingetragen. Modern und zukunftsträchtig ist die Branche allemal. So wird ab kommendem Jahr weltweit zum ersten Mal ein Fischtrawler unter Segeln auf Fischfang gehen, sein Heimathafen ist Sassnitz.