2. Episode
Das Fang- und Verarbeitungsschiff
ROS 313 "Willi
Bredel" wurde im August 1966
in Dienst gestellt.
1. Kapitän war Ulrich Berndt
1.Steuermann
Hans Engelhardt
2. Steuermann
Eckardt Riediger
3. Steuermann
Heinz Scherbinski
Leitender Ing
War Rudolf von Zweydorff
Meine Person
war Lehrling und ich wurde am 16. August 1966 durch Herrn Schuldt
ins Musterbüro gerufen und erhielt meinen "Marschbefehl"
zur ROS 313 zu meiner ersten Reise mit einem nagelneuen Schiff.
Alles verlief
normal und am Sonnabend, den 20 August um 15. 00 Uhr legte die Willi
Bredel in Richtung Nordatlantik ab.
Ein
bewegender Moment.
Ich hatte mich nach bestandenem Abitur in der BBS offiziell in Anwesenheit
beider Eltern im Sommer mit meiner Freundin Edith ,die auch im
Fischkombinat
in der BBS im Vorzimmer des Direktors Herrn Franz Bönsch den Beruf
einer Sekretärin erlernt hatte und seit 01.09. in der Transportabteilung
als Sekretärin arbeitete, verlobt.
Jetzt sind
wir im 43. Jahr verheiratet.
Die Reise verlief
ohne Vorkommnisse bis in den Nordatlantik , wo wir eine Reihe
anderer Schiffe unseres Kombinates trafen.
Kapitän Berdt
führte ein strenges Regime und der Fischfang verlief so olala. Zufrieden
war niemand, weil andere Einheiten mit ihren
eingefahrenen
Besatzungen mehr Erfolg hatten und unsere nagelneuen Baader-Fischverarbeitungsmaschinen
nicht so wie erwartet einschlugen.
An
Bord waren 20 Baader-Techniker zusätzlich, so dass die Kammern der
Mannschaften auf der Backskiste mit einem Mann zusätzlich zum Schlafen
belegt waren.
Aber bei einem
6/6 Rythmus ging das , man war ja nach der Schicht "Totmüde"
Wir waren inzwischen
schon über 2 Monate auf See und es näherte sich der 29/30 Oktober
1966.
Gegen 17. OO
Uhr gab es einen Hacker und die Fischerrei wurde eingestellt. Ich
hatte die 12.-18.00 Uhr Brückenwache und stand am Ruder.
Der
"Alte"
war auf der Brücke, Der Chief und noch irgendwelche andere Leute und
schimpften über Gott und die Welt. Dann stellte sich heraus, das Netz
war in der Schraube und es musste ein Taucher zum Einsatz kommen
. Das war bei uns Horst Schmidtchen, der Fischmeister aus der Produktion,
der diese Ausbildung hatte. Der war auch bereit diese Aufgabe zu lösen.
Ein
2. Mann, der noch Ruhe hatte war der Netzmacher der Schicht,
die um 18.00 Uhr aufzog.
Zu dieser Zeit
mussten einige wichtige Absprachen mit dem Taucher abgesprochen werden,
da die Luftversorgung über den heute kaum noch bekannten Weg
einer Sauerstoffpumpe, die von 2 Mann im Wechsel mit beiden Armen
bedient werden . Dazu standen an Deck mehrere Ablösungspärchen
bereit.
Mir auf der
Brücke kamen viele Details zur Kenntnis, die ich dort zwangsläufig
mit hören musste.
Nach meiner
Ablösung um 18.00 Uhr stand ich dann auch an Deck, in Höhe der Winsch
an Backbord.
Dann ging das
Unternehmen los. Nach ca. 12 Minuten kam von dem Taucher
nicht das abgesprochene Zeichen mit dem Notseil. Sofort machte sich
der 2. Taucher bereit und stieg hinterher. Es dauerte keine 2 Minuten
und der meldete sich wie vereinbart und ließ sich hochziehen
und meldete, dass der 1 Taucher leblos in den Seilen hing und wie
sich dann herausgestellt hatte , wahrscheinlich hervorgerufen durch
nichtzuberechnende Schiffsbewegungen wie auch Wasserbewegungen, war
wohl
der Sauerstoffschlauch abgeklemmt worden und
der Taucher
sofort ohnmächtig
geworden. Andere Ursachen sind mir nicht bekannt.
Das
Ergebnis der späteren Obduktion ist mir auch nicht bekannt. Bekannt
und schockiert waren wir nur durch die unweigerliche Tatsache, dass
unser Schiffsarzt den Tod feststellte. Am geschocktesten war der 2.
Taucher, der den P. S. dort unten befreite, zumal die beiden
Freunde waren und den Taucherlehrgang
zusammen absolviert hatten.
Die Stimmung
an Bord war am Boden. Ein Z-Trawler übernahm noch in der Nacht den
Seemann und fuhr damit nach St. John`s ,wo die Einsargung vorgenommen
wurde. Zu diesem Vorgang durfte aus der Freiwache niemand an Deck
sein.
Am nächsten
Tag , den 31. 10 wiederholte sich die Übernahme in
den Abendstunden und dann ging es auf Heimreise. die so von Niemandem
so gewünscht war.
Dann wurde
in Rostock etwas organisiert, was ich so nie wieder gehört und gesehen
habe. Am 07.11.1966
liefen wir
gegen o5.00 uhr auf Reede auf. Dort wurde der Sarg aufgebart. mit
der Staatsflagge geschmückt.
Aus
der Freiwache wurden 3 Trupps zu je 6 Mann in neue Taklerhosen und
Pullover eingekleidet . Die wechselten sich als Ehrenwache
an Deck alle
30 Minuten ab. Aus Richtung Warnemünde kam ein gr0ßes Lotsenboot,
darauf war der Zoll und die "Schwarze Gang", mitgeliefert
wurden Kränze
und Fahnen, Tonbandmusik usw.
Die "Willi
Bredel" wurde über den Toppen geflaggt. Der Zoll und die andere
Truppe begann mit ihrer Arbeit. Eine solche Einklarierung habe ich
nicht wieder erlebt. Kaum Fragen , keine großen Suchaktionen, alles
verlief gedämpft und in großer Stille.
Kapitän
und Offiziere trugen Uniform und alle hatten ansehnliche Zivilsachen
an, bis auf die Ehrenwachen.
Dann lief der
Dampfer in den Seekanal. InHöe des Leuchtturmes übernahmen 2 Schlepper
den Dampfer, die waren auch über den Toppen geflaggt, entgegenkommende
Schiffe ließen das Typfon ertönen.
Ich erinnere
mich, das alle Schiffe , die wir in Warnemünde passierten geflaggt
waren.
An
der Warnowwerft das gleiche Bild.
Als wir in
Marienehe ankamen, alle Schiffe beflaggt, am Kai standen über 1000
Menschen mit Fahnen.
Die
Betriebskapelle spielte gedämpfte Musik.
Unsere Besatzung
stand an der Reeling und der Dampfer wurde durch die Schlepper an
die Kaikante gedrückt. Der Aufgang heruntergelassen und dann
grüßten alle Schhiffe wie auf Kommando mit ihrem Typhon.
Der Kombinatsdirektor
und anderePersonlichkeiten sowie die junge Ehefrau des
Peter Schmidtchens wurden an Bord geführt.
Dann spielte
die Kapelle "La Paloma" und es wurde eine kurze Rede gehalten und
die Verdienste des Verunglückten gewürdigt.
Das war schon
beeindruckend und emotional hergerichtet. An Land standen tausend
Mitarbeiter und waren bewegt.
Meine
Verlobte hatte ich auch entdeckt. Die Freude war gedämpft durch den
traurigen Anlaß.
Nach der Zeremonie zogen wir "Lords" und die Fischverarbeiter
uns um und bildeten 2 Ketten um das Leergut an die Kaikante zu stellen.
Das ganze dauerte 15 Minuten . Als wir ausliefen haben wir 2 Tage
zum Einlagern gebraucht.
Als das erledigt
war kam ein Herr mit 2 Koffern an den Händen angeschlossen vorgefahren,
wurde mit
"Hallo" begrüßt
und verschwand in der Messe.
Da es noch keine Gehaltskonten gab bekam jeder sein Geld als
Abschlag ausbezahlt und seinen Schein für den "Basar".
Das war eine
traurige Episode ,aber eine reale,
weil so das
Leben ist.
Herzliche
Güße Rudi