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In wenigen Tagen jährt sich
die Eishavarie der " Jungen Garde " zum 41.Mal.
Auch ich habe dieses Unglück hautnah miterlebt. 1966 hatte
ich meinen Facharbeiterbrief als Matrose der Hochseefischerei
in der Tasche und stieg als junger Matrose auf ROS. 210 "
Henningsdorf " auf.
Diese Truppe war es
dann auch, die im Sommer 1967 den Zubringertrawler
ROS. 415 " Heinz Priess " als damals 100 -e Schiffseinheit
des Fischkombinates Rostock in Dienst stellte. Kapitän war Helmut
Hegermann, 1. NO Dietmar Fabritz. Wir waren glaube ich mich zu erinnern
der erste Spezi, der ohne größere Probleme die ersten Reisen durchfahren
konnte.
Dann kam die Winterreise
1968. Jeder wußte, das das eine sehr schwere, aber auch eine
sehr gute Reise werden konnte. Damals gab es bei Labrador
noch viel Kabeljau zu fangen. Allerdings war uns auch klar, das
Temperaturen bis -20 Grad auch nichts ungewönliches sind.
Und so kam es dann ja auch. Wir hatten unsere Zubringertätigkeit
schon fast beendet, als das Unglück passierte.
Unsere Reise
brachte ein hervorragendes Ergebnis, ich erinnere mich an 1600
t Konsumfisch und an einen LVP von ca. 750 TM, ein damals
hervorragendes Fangergebnis. Dann passierte es.
Wir waren wohl als einer
der ersten Spezis bei der Garde und sollten versuchen, eine Schleppverbindung
herzustellen, damit sie nicht wieder ins Eis treiben kann. Wir
übernahmen als Vorläufer einen Gienläufer und zusammen mit
Ankerkette von unserem Ankergeschirr stellten wir ein Schleppgeschirr
zusammen. Jeder der auf einem Spezi ohne Back gefahren war
weiß, was alleine das Hieven der Kette aus dem Kettenkasten
für eine schwere Arbeit war. Dazu noch der Frost und die
Vereisungen auf dem Vorschiff.Aber wir schafften es und irgendwann waren
wir klar und konnten den ersten Versuch starten. Nicht das wir
nun die Garde gleich nach St. Johns schleppen wollten, nein
wir sollten sie nur vom Eis freihalten, damit die Garde mit ihrem Lechsegel
besser arbeiten konnte.
Irgendwann war es dann geschafft
und die Schleppverbindung war hergestellt. Wir schleppten
langsam an und alles schaute gebannt auf die Trossenzüge
unserer Netzwinde, ob wir es denn auch schaffen.
Es war eine Totenstille
auf der Brücke, man getraute sich nicht einmal zu husten.
Auf einmal ging das Funkschott auf und unser Funker, ein
schon älterer Kollege, er war schon während des 2. Weltkrieges
als Puster gefahren, stürmte auf die Brücke um uns die neuesten
Oberligaergebnisse vom Fußball mitzuteilen.
Das Gesicht von unserem
" Alten " hättet ihr sehen sollen, aber irgenwie
hat sich das alles ganz schnell wieder beruhigt. Der weitere
Verlauf der Aktion ist ja schon öfter beschrieben worden.
Das Wetter war grausam,
die Schleppverbindungen brachen öfters, man muß bedenken wir hatten
damals auch nur 26mm Kurrleine und die hatte auch schon eine Eisreise
hinter sich. Zusammen mit ROS. 419 " Phillip Müller
" und ROS. 413 " Karl Wolf " schafften wir
es dann aber doch und lieferten die Garde, ich glaube nach 10
Tagen in St. Johns ab. Die Karl Wolf hatte dann wohl nur
noch Ankerkette als Schleppgeschirr und wenn sie mal alleine
beim Schleppen war, ist die Garde dann mit der Wolf durch
die Gegend getrieben und vom Schleppen war dann keine Rede
mehr.
Ich habe es auch deshalb
noch so gut in Erinnerung, weil ich damals als Windenfahrer meinen
Dienst auf der Brücke hatte. Nachdem wir dann endlich
in Kanada waren und alles erledigt war konnten wir unsere wohlverdiente
Heimreise antreten, aber wir mußten noch eine weitere Traurigkeit
erleben, denn wir mußten dann noch einen tödlich verunglückten
Kollegen Maschinisten mit nach Rostock nehmen. Das war dann
nach der erfreulich guten Reise, dem glücklichen Ende der
Rettungsaktion doch noch ein trauriger Abschluß der Winterreise
Labrador 1968.
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