Kollision mit der Bundeswehr

erzählt von Bernd Meyer

 

 

Der Stolz der Rostocker Hochseefischer, in all den Jahren auf See kein Schiff verloren zu haben, ist berechtigt und zeugt von hohem seemännischen Können. Trotz allem kam es in den 40 Jahren immer mal wieder zu mehr oder weniger großen Kollisionen oder Havarien. Auf dieser und anderen HP wurden bereits einige erwähnt.

Am 06. Januar 1973 fischte der der Seitentrawler ROS 205 "Berlin" nördlich von Rügen und ca. 40 sm westlich von Bornholm. Es war ein kalter und vor allem nebliger Tag, also nichts außergewöhnliches. In der Nähe des Fanggebietes befand sich die westdeutsche Fregatte "Emden IV". Mit einem Nebelsignal, einem langen Ton aus dem Typhon, machte die Fregatte auf ihren Standort und Kurs aufmerksam. Einmal lang und zweimal kurz war die Antwort der ROS 205, also ein schleppendes Fischereifahrzeug. Nachdem der Sichtkontakt möglich war, in ca. 150 m Entfernung, versuchte die "Emden" mit 2 Manövern, erst "Hart Backbord" und dann "Hart Steuerbord" einer Kollision zu entgehen. Der Trawler "Berlin" schleppte mit einer Geschwindigkeit von ca. 4 sm. Um 08.31 Uhr kollidierten die Schiffe. Die "Berlin" hat mit ihrem Steven in die achterne Backbordwand der "Emden" ein Loch von ca. 5x3 m gebohrt. 08.35 Uhr setzte die "Emden" 2 schwarze Bälle und 2 rote Rundumlichter.Sie wurde nocham selben Tag nach Ronne/Bornholm geschleppt, da sie manövrierunfähig war. Der Sachschaden bei der "Emden" betrug ca. eine halbe Million DM. Die "Berlin" kam mit einem geringen Sachschaden von ca. 30.000 DM glimpflich davon. Schadenersatz wurde durch die Bundesmarine geleistet. ROS 205 hatte keine Schuld an der Kollision.
Die ROS 205 "Berlin" wurde am 12.12.1953 in Dienst gestellt. Der Trawler vom Typ I war 57,62 m lang, 9,03 m breit und hatte eine Wasserverdrängung von 1076 t. Dagegen war die am 24.10.1961 in Dienst gestellte Fregatte "Emden" 109 m lang, 10,50 m breit und hatte eine Wasserverdrängung von 2996 t.
Der kleine Trawler hatte also der fast 3 mal gößeren Fregatte schuldlos einen ziemlichen Schaden beigebracht und hat selbst die Kollision fast schadensfrei überstanden. Ich glaube, dies zeugt auch von der hervoragenden Qualität des ostdeutschen Schiffbaus.