Besatzung von ROS 337 "Ludwig Renn" rettet pakistanische Besatzung mit Schlauchboot

sich erinnert und zugesandt von Lothar Kutsche/PA

email Lothar Kutsche

 

Unvergessenes bewegendes Erlebnis !

 

Danke für die Erinnerung an ROS 337 und der damals dramatischen Rettungsaktion der pakistanischen Seeleute ! Ich selbst fuhr damals als PA unter Kapitän Meissner auf dieserSturmüberfahrt mit.

Meine Position während der Rettungsaktion war die Steuerbordnock neben den Scheinwerfer. Was die beiden Schlauchbootfahrer geleistet haben war Weltklasse !

Ich selbst räumte meine Kammer für die Schiffsbrüchigen und zog beim Prod.-Meister auf die Ducht. Der Sturm nahm noch während der Überfahrt an Schärfe zu.Ich erinnere mich,daß alte Seehhasen nach vielen,vielen Jahren wieder seekrank wurden.

Eine Stewardess, die Frau Kutsche machte ihre erste Seereise. Sie war übrigens meine Ehefrau. Ich glaube,sie hat nur 5 Tage gearbeitet, den Rest lag sie in der Schlingerkoje z.Teil am Tropf.

In den USA , bei New York wurde sie zur Heimreise abgeholt. Dabei mußte sie über die Jacobsleiter um auf das andere Schiff zu gelangen. Ein Drama !

In Winterport USA wurden wir von winkenden Leuten aus der DDR empfangen. Sie waren von der " Aktuellen Kamera ". Sie drehten einen Film über uns.


Übrigens, 1981 brannte die ROS 332 " Kurt Barthel " vor den Farörs. Das Schicksal wollte es, das dieses mir auch nicht erspart blieb. Gibt es davon auch noch Zeitungausschnitte ?

 

 

Quelle: Lothar Kutsche, vom 12.02.2009

Jetzt wo ich einen Computer besitze lebt in mir die Hochseefischerei auf. Die 20 Jahre dazwischen sind wie vom Wind verweht.

Ich möchte noch einmal kurz auf den 27.12.1987 zurückkommen, der Tag, der so einschneidend für die gesamte Besatzung der " Ludwig Renn " wurde. Wenige Tage vor Weihnachten war der Besatzungsaustausch. Mit der TU 134 hoben wir in Berlin Schönefeld ab in Richtung Glasgow. Dort angekommen, stiegen wir sofort in Busse in Richtung Ullapool, im äußersten Nordwesten Schottlands.
Traumhaft schöne Ecke ! 6 Stunden dauerte die Reise, vorbei u.a.an Loch Ness. (Nessy sollte uns erst im Atlantik begegnen.)
Sofort ging es weiter nach Foynes / Irland. Nach einem ausgiebigen Landgang musste zudem 700 t Frostfisch aufgenommen werden, der für die USA bestimmt war. Es herrschte mildes Wetter bei fast 18 Grad Celsius.
Heilig Abend 17:00 Uhr hieß es Leinen los, bei plötzlich einfallenden Schneetreiben und Temperaturen um 0 Grad Celsius.
Auf der Brücke das beste Personal was der Fischfang Rostock zu bieten hatte. Kapitän D.Meißner  (übrigens wie ich gebürtig aus Halle / Saale ) und "Ali"Baum,1.Offizier.Ich habe ihn noch als etwas streng in Erinnerung.
Tja, und dann in mitten der nächtlichen Ruhe der durchschneidene "Bootsalarm " Mann über Bord“. Tausend Mal geübt, wusste jeder was zu tun war.
Aber ein Ernstfall ist eben ein Ernstfall. Über die Rettung ist schon einiges gesagt. Aber nur wenige haben gesehen wie die Schlauchbootfahrer im Schlauchboot von den riesigen Wasserbergen hin und her geschleudert wurden. Beim Wellengang von 10 Meter sahen wir das Schlauchboot nur als sie ganz oben auf der Welle saßen, während die verzweifelten Seeleute aus Pakistan im Wellental auf die ersehnte Rettung warteten. Nun, der Ausgang ist bekannt. Die beiden Wolfgangs erhielten in Rostock die Lebensrettungsmedaille und die Besatzung von ROS 337 erhielt ebenfalls einen Ehrentitel, was einmalig zu diesen Zeitpunkt war.

Da ich in der Steuerbordnock neben dem Scheinwerfer stand bekam ich alles mit, was auf der Brücke geschah. Immer wieder griff der Kapitän selbst zum Scheinwerfer. Am liebsten wäre er mit der Schlauchbootbesatzung selbst mitgefahren.
Dennoch passierte etwas auf der Reise das erwähnenswert war. Der Sturm nahm massiv an Stärke zu. Zeitweise war es so heftig, dass die " Ludwig Renn " regelrecht im Wasser steckenblieb und keinen " Meter " voran kam. Ich erinnere mich, dass wir von einen Kavensmann getroffen wurden (heute sagt man Monsterwelle ). Das Schiff legte sich auf die Steuerbordseite. Alles was nicht" angenagelt" war, fiel zu Boden. Höllenlärm in der Kombüse. Teller, Töpfe, ja sogar die Tassen von der Decke (!). Einfach alles. Einige stürzten vor Schreck aus der Kammer . Wir sahen uns leichenblass an. Später erfuhren wir ,dass 4 Grad Neigungswinkel bis zum möglichen Unglück fehlten.
In den USA angekommen wurden wir nachts von minus 17 Grad Celsius empfangen. Was heißt das ? Richtig Eisklopfen !
Computerschreiben macht richtig Spaß. Viele Grüße sagt Lothar Kutsche / PA.