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Fast auf den Tag genau vor einem Jahr gründete
sich in Gotha der 1. Thüringer Hochseefischer Stammtisch, wir feierten
also ein Jubiläum, als sich am Samstag dem 10.12.2011 der Stammtisch
zur 5 'ten Zusammenkunft in Weimar traf.
In seiner Begrüßungsansprache konnte Hans-Georg
dann auch eine durchweg positive Bilanz über die Arbeit im Stammtisch
ziehen.
Mehr als 120 ehemalige Hochseefischer der Fischkombinate Rostock und
Saßnitz trugen sich bisher in die Musterrolle des Stammtisches
ein, die Zusammenkünfte werden von den "Ehemaligen" sehr
gern besucht und im Durchschnitt sind 90 bis 110 HOFI's, die zum Teil
von ihren Ehepartnern begleitet werden, bei unseren Treffen in Weimar
dabei. Dafür und auch für die kontinuierliche Arbeit des Sprecherrates
bedankte sich Hans-Georg bei allen Anwesenden und drückte die Hoffnung
aus, das noch mehr ehemalige Hochseefischer den Weg in unseren Stammtisch
finden mögen, denn die Stammtische sind gelebte Traditionsarbeit,
sie sind Begegnung und Erinnerung zugleich, mit oft wehmütigem
jedoch, nie verklärtem Blick gemeinsamer Vergangenheit und Erlebtem.
Es folgten einige, notwendige Informationen zu den
geplanten, überregionalen Hochseefischertreffen im Jahr 2012, die
da sind :
1. Treffen ehemaliger Hochseefischer im Rostocker Fischereihafen- Marienehe
am 12. Mai 2012 , rund um die Hafenkantine Lührs
2. Treffen der Mitglieder der Hochseefischer Stammtische am 23. Juni
2012, in Dresden / Alberthafen.
Da sowohl die Anreise als auch die Quartiersuche individuell gestaltet
werden müssen, sollten sich alle Interessenten frühzeitig
um ihre Reisevorbereitungen kümmern. Sobald es neue Details über
Programm und Ablauf der Treffen gibt, wird umgehend über den Weg
der Homepage informiert.
Die Treffen des 1. Thüringer Hochseefischer Stammtisches
im Jahr 2012 sind:
- 6. Stammtisch am 14. April 2012 in Weimar, Restaurant "Cafe Hainfels"
- 7. Stammtisch und Großes Bordfest am 01. September 2012 in Weimar,
Restaurant "Cafe Hainfels"
- 8. Stammtisch am 08. Dezember 2012 in Weimar, Restaurant "Cafe
Hainfels"
Das Mitglied des Warener Stammtisches Hans-Joachim Franz, in "Hochseefischerliteraturkreisen"
besser bekannt als die Figur des "Odysseus" im "Scherzer
- Hochseefischerbuch" - Fänger & Gefangene -, schickte
uns brieflich die "herzlichsten Kampfesgrüße",
die natürlich sehr treffend zum Thema waren.
Nach den Informationen übergab Hans-Georg dann das Wort an das
Mitglied unseres Stammtisches und wohl bekanntesten thüringer Buchautor
der letzten dreißig Jahre, Landolf Scherzer, zu einer Lesung seines
bereits 1980 erschienenen Buches "Fänger&Gefangene"
und ja, es wurde der erwartete Höhepunkt unseres Treffens.
Nein, er wollte beim Lesen nicht sitzen, er Landolf Scherzer wollte
sich nicht verstecken hinter einem Pult oder Lesetisch mit Mikrofon
und Stammtischwimpel drauf, er las, berichtete und erzählte im
Stehen, eine freie Hand stets von Gestik begleitend. Er wollte direkt
in die Gesichter derer schauen, die wie er fünfunddreißig
Jahre älter geworden sind, seit seiner Reise auf ROS 303 "Friedrich
Wolf", in dessen Ergebnis sein und unser Buch entstand , das wohl
jeder Hochseefischer kennt und von dem nun bereits die 5. Auflage erschienen
und demnach das Interesse ungebrochen ist. Er wollte hautnah die Reaktionen
bei denen spüren, die die Realität des "Hochseefischerseins",
"nicht nur wie er eine Reise durchleben mußten", sondern
ein Großteil ihres Lebens ganz einfach - HOCHSEEFISCHER - waren.
Seine Lesung wurde so zu einem "Heimspiel", es war übrigens
seine allererste Lesung vor Hochseefischern !!! und schon nach seinen
ersten Sätzen hatte er die Zuhörer auf seiner Seite, denn
als Erstes bedankte er sich, er bedankte sich bei den Hochseefischern
für eine seiner härtesten, aber schönsten Erfahrungen
in seinem Leben, das verbindet und in dem Moment war Allen klar, er
war Einer von uns und er ist es auch heute noch. In seiner unnachahmlichen
Art berichtete Landolf von den schier unüberwindlichen, administrativen
Hindernissen, die er im Vorfeld seiner Recherchereise zu beseitigen
hatte. Erst ein geharnischter Brief an das damalige ZK Mitglied Hager,
indem er ihn fragte, wie er denn eine Reportage über die Hochseefischerei
schreiben solle, wenn er sie, die Hochseefischer nicht begleiten dürfe,
öffneten ihm dann die Tore ins Fischkombinat und auf die "Friedrich
Wolf". Nein, es sollte keine Reportage werden, so nach dem Vorbild
der Werbeflyer für den Beruf des Hochseefischers, mit Seemannsromantik,
die Taschen voller Geld, goldenen sozialistischen Produktionsbedingungen
und reihenweise sozialistischen Persönlichkeiten, es wurde, dem
lieben Gott und Scherzer Dank, eine Reportage, die schonungslos und
knallhart die Wirklichkeit auf einem Fang-und Verarbeitungsschiff der
DDR Fischfangflotte aufzeigen und dokumentieren sollte. Das gelang ihm
überzeugend, jedoch bekam Landolf dafür nicht von allen Seiten
uneingeschränktes Lob, wie man sich unschwer denken kann.
Ja, er lernte schnell wie ein "Neuer" im Kombinat zu ticken
hatte und er lernte schnell seine Arbeit zu hassen, die Arbeit in Kälte,
Nässe, Gestank und Kütt, die ständige Müdigkeit
und den Druck Tag für Tag, Stunde für Stunde ja Minute für
Minute seine körperlichen Grenzen auszuloten und er lernte es Wert
zu schätzen die Kameradschaft bei der Arbeit, die Gemeinschaft
bei der Problembewältigung und auch die Geselligkeit bei der wenigen
Freizeit an Bord.
In unterschiedlicher Weise näherte sich Landolf Scherzer in seinem
Buch den Menschen an Bord der "Wolf", im Roman die "Hans
Fallada". Er berichtet über seine Helden Widder, Dombrowski,
Baby, Roland und Odysseus, über Teichmüller , Just und Wendt,
die auch gut Krolli, Sweetly, Schorschi, Zwieback, Atze, Jonny, Hans
oder Othello hätten heißen können, unterschiedliche
Charaktere und Persönlichkeiten allemal, aber eben "HOCHSEEFISCHER"
- Wer ist mehr ? "
Bei der einen oder anderen geschilderten Situation oder Anekdote, huschte
dann doch hin und wieder ein Schmunzeln über die Gesichter der
anwesenden HOFI's, denn man erkannte sich wieder, man fühlte sich
zurückversetzt in die real erlebte Wirklichkeit der Hochseefischerei.
Es ging schon nahe, als Landolf von den vielen Briefen berichtete, die
er nach der Wende von Hochseefischern erhielt und in denen sie vielfach
von dem tiefen Fall erzählten, die die Auflösung "ihres"
Kombinates bei ihnen auslöste und wie ungeheuer schwer es war eine
Neuorientierung zu finden. Dieser Prozeß erfasste alle HOFIS's,
egal ob Mannschaft oder Offizier gleichermaßen und manche fanden
ihre Neuorientierung leider bis zum heutigen Tag nicht.
Ja, die Treuhand hat sie verhöckert, die einst so stolze Flotte
der Fischkombinate Rostock und Saßnitz, wenige haben daran verdient,
viele haben alles verloren. Volksvermögen wurde verschleudert,
tausende Existenzen vernichtet , das hätte anders, sanfter verlaufen
können, ja müssen ! Und Landolf verarbeitete all dies in einem
Nachwort seiner Neuauflagen, auch das war ihm eben wichtig. Und auch
deshalb ist die Traditionsarbeit wie sie z.B. in den Stammtischen praktiziert
wird von großer Bedeutung betonte Landolf, für uns Alle,
für unser Selbstwertgefühl, für unseren Stolz und unsere
Ehre Hochseefischer gewesen zu sein.
Abschließend berichtete er von seinen Reportagereisen
in das atomar verstrahlte Gebiet um Tschernobyl, schilderte das Leid
der Menschen , vor allem der Kinder. Mit dem Erlös einer von ihn
aufgenommenden Lese-CD über seine Tschernobylreportage hilft er
radioaktiv verstrahlten Kindern, versucht ihr Leid zu lindern und bat
hierfür um Unterstützung durch den Erwerb der Lese-CD. Höhepunkt
war die "Jahresendspaßtombola", für die unsere
"Ehemaligen" an die 200 Preise gespendet hatten.
Binnen kurzer Zeit wurden die Lose an den Mann oder
die Frau gebracht, jedes Los gewann, große und kleine Preise wechselten
alsdann ihre Besitzer und Ute Kroll, die die Verlosung vor nahm, hatte
für den einen oder anderen Gewinner auch noch einen "flotten"
Spruch parat.
15 % der Erlöse aus den Losverkäufen sowie der Versteigerung
eines großen, gebastelten Weihnachtssterns, werden an die "Deutsche
Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" überwiesen.
Mit dem Wunsch nach besinnlichen Weihnachtsfeiertagen sowie Glück
und Gesundheit für das kommende Jahr 2012, ging der 5. Stammtisch
zu Ende, der und da sind wir uns ziemlich sicher, allen HOFI's und Gästen
gefallen hat.
Mit einem Klick auf den Link oben rechts kommt ihr zu
den Bilder auf der HP des Thüringer Hochseefischer-Stammtisches!
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